Ungewöhnliche Tierfunde  Exotische Tiere im Emsland auf Abwegen

Britta Kothe
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Von Britta Kothe
| 26.11.2025 09:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Zootierärztin Heike Weber vom Tierpark Nordhorn versorgte die gefundenen Königspythons. Archivfoto: Franz Frieling
Zootierärztin Heike Weber vom Tierpark Nordhorn versorgte die gefundenen Königspythons. Archivfoto: Franz Frieling
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Vor Kurzem krabbelte ein Skorpion in Lingen-Darme über die Wohnzimmerwand. Er ist nicht das erste exotische Tier, das im Emsland gefunden wurde.

Emsland - Diese Tiere haben sich wohl verirrt. Kürzlich kroch ein Skorpion an der Wand einer Wohnung in Lingen-Darme – es ist nur der jüngste in einer Reihe ungewöhnlicher Tierfunde, die in den vergangenen Jahren im Emsland für Aufsehen gesorgt haben. Häufig handelte es sich dabei um Reptilien und Spinnentiere, die mutmaßlich aus privater Haltung entkamen oder unbemerkt in die Region gelangten. Um den Skorpion von der Wand zu holen, musste die Feuerwehr ausrücken. Das Tier wurde schnell eingefangen und dem Ordnungsamt der Stadt Lingen übergeben.

Ein hinzugezogener Experte habe festgestellt, dass es sich um einen europäischen Skorpion handelte. Diese Art ist in Deutschland nicht heimisch, sondern kommt typischerweise in Südeuropa vor. Experten vermuteten, dass das gefundene Jungtier als „blinder Passagier“ nach Lingen gelangt war. Sein Stich könne zwar schmerzhaft sein, sei aber für Menschen im Allgemeinen nicht gefährlich und vergleichbar mit einem Wespenstich.

Zehn Pythons in Dörpen entdeckt

Ein weiterer Fund eines Spinnentiers ereignete sich im August 2016, als Johannes Engeln auf seiner Terrasse in Aschendorf eine tote Vogelspinne entdeckte. Stefan Bramkamp, Revierleiter des Aquariums im Zoo Osnabrück, identifizierte das Tier als Rote Chile Vogelspinne (Grammostola rosea). Die Art gelte als sehr friedfertig und nicht besonders giftig; ihr Biss gleiche in etwa einem Wespenstich, sagte Bramkamp. Die Haltung dieser Spinne ist laut Anja Rohde, Sprecherin des Landkreises Emsland, weder verboten noch meldepflichtig. Ungeklärt blieb allerdings die Herkunft des Tieres.

Die größte Fundserie exotischer Tiere ereignete sich im Spätsommer 2023 in der Samtgemeinde Dörpen im Waldgebiet bei Walchum im Ortsteil Hasselbrock. Beginnend am 19. August bargen die Einsatzkräfte dort insgesamt zehn Königspythons innerhalb von zehn Tagen. Die Feuerwehr rückte mehrmals aus, um die Würgeschlangen, die Längen zwischen 70 und 150 Zentimetern aufwiesen und als ungiftig gelten, einzufangen. Anschließend wurden die Tiere in die Obhut des Tierparks Nordhorn gebracht. Die Polizei leitete Ermittlungen zur ungeklärten Herkunft der Tiere ein. Dr. Heike Weber, die Zootierärztin des Tierparks Nordhorn, nahm an, dass alle Schlangen gleichzeitig an einem für Reptilien günstigen Ort ausgesetzt wurden. Eine der Pythons Schlangen war tot angeliefert worden und eine weitere verendete kurz nach Ankunft im Zoo. Vier der Pythons mussten wegen des gefährlichen Nidovirus eingeschläfert werden. Insgesamt konnten vier Schlangen erfolgreich an sachkundige Halter vermittelt werden.

Steaks und Schildkröte vertauscht

Auch in Papenburg gab es einen Schlangenfund: Im September 2019 sorgte eine Schlange in der Kirchstraße für einen Polizeieinsatz. Der Reptilien-Experte Dietmar Broek aus Weener wurde zur Hilfe gerufen. Er sicherte das Tier, das stark dehydriert in einem Schacht unter einem Kellerfenster gefunden wurde. Broek recherchierte, dass es sich um eine Königsnatter handeln müsste, eine ungiftige Würgeschlange. Die Schlange wurde anschließend im Tierheim Stapelmoor aufgepäppelt.

Für einen besonders kuriosen Zwischenfall sorgte im Februar 2023 eine Verwechslung bei der Paketlieferung. Franziska Seidel aus Bockhorst erhielt versehentlich ein Paket mit einer kleinen lebenden Schildkröte anstelle der bestellten Tiefkühlsteaks. Die Schildkröte war für eine Frau in Burlage bestimmt. Beide konnten die lebende Schildkröte gegen das tote Fleisch eintauschen.

Kängurus hüpften durchs Emsland

Zu den ungewöhnlichsten Funden zählten auch Säugetiere. Kängurus – mutmaßlich aus privater Haltung – hielten das Emsland auf Trab. Im Jahr 2014 gab es in Herzlake gleich zwei Sichtungen eines Kängurus, ein weiteres, weißes Exemplar wurde ebenfalls in Herzlake und erneut 2017 in Osterbrock gesehen. Und dann gab es da noch die Landschildkröte, gefunden von einer Familie in Lingen. Die Schildkröte wurde später an den Nordhorner Zoo abgegeben.

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