Osnabrück Grüne im Kreis Osnabrück akzeptieren München-Flüge nur „auf Zeit“
Der Erhalt der Lufthansa-Verbindung FMO–München wird politisch gefeiert – doch nicht widerspruchslos. Die Kreistagsfraktion der Grünen sieht die Lösung nur als Übergang. Fridays for Future und die Initiative „FMO-Ausstieg jetzt!“ fordern das Aus für den Airport. Die Debatte um die Zukunft am FMO geht weiter.
Der Flughafen Münster/Osnabrück bleibt auch im kommenden Jahr an das internationale Drehkreuz München angebunden – doch über die Zukunft des Standorts wird weiter gestritten.
Nach der Zusage der Lufthansa, die Verbindung vom Flughafen Münster/Osnabrück nach München auch 2026 fortzuführen, melden sich nun auch kritische Stimmen. Während der Osnabrücker CDU-Bundestagsabgeordnete Mathias Middelberg von einem „wichtigen Signal für die heimische Wirtschaft und ihre internationale Anbindung“ spricht, warnen die Grünen vor voreiligen Schlüssen. Für Fridays for Future ist die Entscheidung das komplett falsche Signal.
Die Grüne im Landkreis Osnabrück erkennt an, dass es aktuell keine klimafreundlichen und schnellen Alternativen auf der Schiene gibt – etwa nach Süddeutschland. Dennoch zieht sie eine klare Grenze: Die Fortführung der Fluglinie nach München dürfe „nur für einen begrenzten Zeitraum erfolgen – und ohne weitere Subventionierung aus staatlichen Mitteln“, heißt es in einer Stellungnahme der Grünen-Kreistagsfraktion auf Anfrage unserer Redaktion.
Die Forderung der Wirtschaft nach einer schnellen Verbindung zu den Drehkreuzen im Süden zu unterstützen, um den Wirtschaftsstandort zu sichern – wie es Landrätin Anna Kebschull (Grüne) getan hat – bedeute aber nicht, das Andere zu unterlassen und weiterhin massiv auf den Ausbau des Schienenverkehrs und andere Alternativen zu innerdeutschen Flugverbindungen zu drängen. Das sei auch die Linie der Landrätin.
Kebschull, die bei der Landratswahl im kommenden Jahr „als parteiübergreifende Einzelbewerberin“ antreten wird, kommentierte den Erhalt der München-Flüge in einer Stellungnahme am Montag: „Solange keine verlässliche und alltagstaugliche Bahnverbindung nach Süddeutschland realisiert ist, ist das eine gute Nachricht für unseren Wirtschaftsraum.“ Die Entscheidung zeige auch, „was unsere Region erreichen kann, wenn Landkreis und Stadt Osnabrück an einem Strang ziehen“.
In einer gemeinsamen schriftlichen Reaktion richten Stadtrats- und Kreistagsfraktion der Grünen den Blick unterdessen weniger auf den Flughafen – sondern auf Infrastrukturpolitik und Verkehrswende: „Die Lösung liegt im massiven Ausbau und der Beschleunigung des Schienenverkehrs, insbesondere von schnellen IC/ICE-Verbindungen und attraktiven Nachtzug-Angeboten – und nicht in der Subventionierung von Ticketpreisen.“
Die Fraktionen der Öko-Partei können „nachvollziehen, dass vor negativen Folgen für den Wirtschaftsstandort gewarnt wird, sehen die Unternehmen aber auch in der Pflicht, sich finanziell deutlich stärker am FMO zu beteiligen“. Für die Zukunft des FMO fordern sie „eine klare Hinwendung zu klimafreundlichen Verkehrsträgern und innovativen Ansätzen“ – etwa als Standort für Forschung und Entwicklung im Bereich klimaneutraler Mobilität, insbesondere im Bereich innovativer Technologien und Geschäftsflugverkehr.
Deutlicher wird Fridays for Future Osnabrück. Sprecher Fiete Breer nennt den FMO eine „jahrelange Fehlentscheidung“ – und fordert eine grundlegende Neuorientierung: Der FMO soll demnach „sozial-gerecht abgewickelt und die Fläche des Geländes nach dem Vorbild des Saerbecker Modells zur Gewinnung Erneuerbarer Energien für die gesamte Region verwendet werden“. Einzelne Stimmen aus der Wirtschaft seien „überlaut und subjektiv“, die Klimafolgen des Flugbetriebs würden weiterhin unterschätzt. Zugleich signalisiert Fridays for Future Osnabrück begrenzte Bereitschaft zu Übergangslösungen – wenn sie überzeugend begründet und zeitlich klar begrenzt sind. Nach Ansicht der Ortsgruppe Osnabrück der Klimabewegung haben aber weder der CDU-Bundestagsabgeordnete Mathias Middelberg noch die grüne Landrätin im Landkreis Osnabrück „eine nachvollziehbare Begründung“ für den Erhalt des FMO geliefert. Den Airport bezeichnet Fridays for Future Osnabrück als „gigantische CO2-Quelle“ und „gefräßige Steuersenke“.
Auch die Initiative „FMO-Ausstieg jetzt!“ kritisiert den aktuellen politischen Kurs scharf – insbesondere die geplante Senkung der Luftverkehrssteuer. Diese führe „beim umweltschädlichsten Verkehrsmittel überhaupt zu zusätzlichen Emissionen – ohne Ausgleich an anderer Stelle“ und verstößt aus Sicht der Initiative gegen den Sinn des Klimaschutzgesetzes.
Zur Argumentation für den Erhalt der München-Strecke erklärt die Initiative, es sei nicht nachvollziehbar, warum ein Flughafen betrieben werden muss, nur um München zu erreichen. Düsseldorf und Frankfurt seien auch ohne Flugverbindung gut erreichbar. Das Bündnis fordert darüber hinaus, den Flugverkehr am FMO „so schnell wie möglich“ einzustellen und das FMO-Gelände nach dem Vorbild des Energieparks Saerbeck umzubauen.
Bereits in den Tagen vor der Entscheidung zur FMO-Verbindung nach München hatte sich abgezeichnet, dass die Gespräche zwischen Lufthansa und FMO auf die Zielgerade gehen. Am Samstagmorgen bestätigte der Flughafen offiziell, dass die Strecke auch 2026 fortgeführt wird – und sprach von einer „wichtigen Weichenstellung für die Region“. Der Druck aus Politik und Wirtschaft war in den Wochen zuvor kontinuierlich gewachsen. Die CDU-Bundestagsabgeordneten aus der Region Osnabrück und dem Münsterland hatten das Thema nach Berlin getragen – mit einem Brandbrief an Bundeskanzler Merz und Vizekanzler Klingbeil. Nachdem der Koalitionsausschuss am 13. November die Rücknahme der Luftverkehrsteuer-Erhöhung von 2024 mit Entlastungen von insgesamt 350 Millionen Euro beschlossen hatte, zeigten sich Politik und Wirtschaft zuversichtlich, dass die Lufthansa auf das Signal aus Berlin reagieren wird.
Der Grevener Airport hat nun zumindest für das kommende Jahr Klarheit. Der FMO-Sprecher und designierte Geschäftsführer ab 2026, Andrés Heinemann, appellierte in einer gemeinsamen Stellungnahme mit dem aktuellen FMO-Chef Rainer Schwarz: „Nun ist es umso wichtiger, dass die Strecke weiterhin intensiv genutzt wird.“
Der Erhalt der München-Flüge entspannt die Lage am FMO spürbar – doch die Diskussion geht weiter. Während Wirtschaft sowie die Verwaltungsspitzen von Stadt und Landkreis Osnabrück die Entscheidung begrüßen, will die Kreistagsfraktion der Grünen die München-Flüge nur für einen Übergangszeitraum erhalten – die Klimabewegung Fridays for Future Osnabrück und die Initiative „FMO-Ausstieg jetzt!“ will den Airport ohnehin am liebsten sofort schließen.