Verletzung durch Schrot  Sicherheit bei Treibjagden erklärt

Vera Vogt
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Von Vera Vogt
| 24.11.2025 18:15 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ein Jäger steht mit seinem Gewehr in seinem Jagdrevier. Foto: Uwe Anspach/dpa
Ein Jäger steht mit seinem Gewehr in seinem Jagdrevier. Foto: Uwe Anspach/dpa
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In Großefehn sind zwei Spaziergänger leicht durch Schrot verletzt worden. Wir haben uns erklären lassen, welche Sicherheitsmaßnahmen es bei Treibjagden gibt.

Leer - Am Wochenende sind in Großefehn zwei Spaziergänger durch Schrotmunition leicht verletzt worden. Sie spazierten am Samstagvormittag mit ihrem Hund, als sie nach einem Schuss Schmerzen verspürten, wie die Polizei mitteilte.

Vor Ort stellte die Polizei fest, dass eine Treibjagd stattfand. Eine beteiligte Jägerin räumte gegenüber den Beamten ein, den Schuss abgegeben zu haben. Ihre waffenrechtlichen Unterlagen sowie das Schrotgewehr wurden kontrolliert. Gegen die 40-Jährige wird wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung ermittelt. „Leider gibt es Fälle, in denen auf der Jagd etwas passiert, auch wenn das oberste Gebot für Jägerinnen und Jäger immer die Vorsicht sein muss. Zum Glück ist nichts Schwerwiegendes passiert“, sagt Heinrich Rauert, er ist Kreisjägermeister im Landkreis Leer. Zu dem Fall selbst kann er nichts weiter erklären. Aber sein Hintergrundwissen aus fast fünf Jahrzehnten als Jäger teilt er mit unserer Redaktion.

Heinrich Rauert ist Kreisjägermeister der Jägerschaft Leer. Foto: Archiv
Heinrich Rauert ist Kreisjägermeister der Jägerschaft Leer. Foto: Archiv

Wie läuft eine Treibjagd ab?

Es gibt bei einer Treibjagd generell zwei Gruppen, die Treiberwehr, also eine Kette von Treibern und die Schützen, erklärt Rauert. Die Treiber gehen in Richtung der Schützen und treiben eben das Wild dorthin. Dabei halten sie Abstand voneinander. „Wenn sie sich zu nah kommen, gibt der Jagdleiter das Signal ‚Hahn in Ruh!‘“, so Rauert weiter. Eine Treibjagd dauere an einer Stelle maximal rund 20 Minuten oder eine halbe Stunde, dann zöge die Gesellschaft weiter, so der Kreisjägermeister.

Jagdhornbläser spielen nach einer Treibjagd an der sogenannten Strecke. Foto: Sebastian Willnow/dpa
Jagdhornbläser spielen nach einer Treibjagd an der sogenannten Strecke. Foto: Sebastian Willnow/dpa

Wie wird eine Treibjagd abgesichert?

Einmal gibt es da die Verkehrssicherungspflicht, erklärt Rauert. Schilder, die auf die Jagd hinweisen, werden an Straßen aufgestellt. Wenn die Verkehrsbehörden keine andere Anordnung getroffen haben, dürfen Jäger – „analog der Aufstellung eines Warndreiecks bei einer Fahrzeugpanne“ – die im einschlägigen Handel oder bei Versicherungen erhältlichen Schilder aufstellen, schreibt das Landwirtschaftsministerium Niedersachsen. Die Dreiecksschilder tragen beispielsweise die Aufschrift „Vorsicht Jagd“, „Treibjagd“ oder bilden einen Hasen beziehungsweise ein Wildschwein ab. Normen gebe es nicht, heißt es weiter. Es werde aber eine Warnfahne dazu empfohlen.

„Die Schilder weisen Autofahrer auf die Jagd hin, aber natürlich auch jeden anderen Verkehrsteilnehmer, auch Fußgänger“, sagt Rauert. Allerdings seien Spaziergänger auch oft auf Feldwegen unterwegs, „das ist ja auch schöner, das ist komplett verständlich“, sagt er. Mit Schildern versehen werden diese aber nicht.

Ein Straßenschild weist auf eine Treibjagd hin. Foto: Friso Gentsch/dpa
Ein Straßenschild weist auf eine Treibjagd hin. Foto: Friso Gentsch/dpa

Was gilt bei der Jagd-Sicherheit abseits der Schilder?

Wenn man Jägerinnen und Jäger in Signalfarben sehe, wenn man einen Schuss höre, sollte man sich nicht ‚ins Getümmel‘ stürzen, sondern den Rückzug antreten, so Rauert. „Treiber und Schützen sollten Signalkleidung tragen. So werden sie auch bei schlechten Wetterverhältnissen gut wahrgenommen“, schreibt dazu die Landesjägerschaft Niedersachsen. „Damit auch die vierbeinigen Jagdbegleiter gut erkennbar sind, empfehle sich der Einsatz von Signalwesten und Signalhalsbändern, die im Idealfall mit einer Telefonnummer versehen sind, heißt es von dort weiter. „Der Einsatz von Glöckchen bietet zusätzliche Sicherheit und das Wild nimmt die Hunde schon aus weiter Entfernung wahr.“ Generell gelte: Vor und während der Jagd ist Alkohol tabu, schreibt die Landesjägerschaft.

Junge, unerfahrene Jägerinnen und Jäger würden angeleitet, so Rauert. Bei jeder Gesellschaftsjagd – so nennt man Treibjagden auch – gebe es einen Jagdleiter, der den Hut auf habe und sich um die Organisation kümmere. „Neulinge“ würden an die Hand genommen und nehmen an der ersten Jagd oft ohne Waffe teil, „sie schauen sich meist erstmal alles in Ruhe an“, so Rauerts Erfahrung. Ihnen werde dann genau erklärt, was sie beachten müssen. Eine Goldene Regel, die bei jeder Jagd gelte: „Geeigneter Kugelfang ist nur der gewachsene Boden, wie wir es nennen“, so Rauert. Das heißt, dass bei der Jagd beispielsweise auf Hasen nur in Richtung Boden geschossen werden darf. Bei der Jagd auf Federwild entsprechend in den Himmel. Nichts dazwischen. „Wenn die Regeln eingehalten werden, dürfte nichts passieren. Das tut es aber selten einmal. Es wünscht sich niemand, dass etwas Schlimmes passiert“, sagt Rauert. Da seien alle Beteiligten ein wenig gefragt, auch wenn die Jägerinnen und Jäger natürlich besonders gefragt seien, von ihnen gehe schließlich die Gefahr aus, sagt er.

Wie oft gibt es Treibjagden?

Für den Kreis Leer kann Rauert eine grobe Einschätzung geben: „Meist ein- oder zweimal im Jahr pro Wohnort“, sagt er.

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