U35 – die Kolumne  Und am Ende zahle ich den Preis, oder wie?

Vera Vogt
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Eine Kolumne von Vera Vogt
| 25.11.2025 09:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
„Frauen am Steuer“ sind nicht nur die Pointe von mittelprächtigen Witzen, sondern auch benachteiligt in Sachen Sicherheit. Foto: Pixabay
„Frauen am Steuer“ sind nicht nur die Pointe von mittelprächtigen Witzen, sondern auch benachteiligt in Sachen Sicherheit. Foto: Pixabay
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„Mein Gott, ihr habt doch alles“ – so oder ähnlich fallen teils Reaktionen aus, wenn es um Frauenthemen geht. Der Teufel steckt aber in jedem verfluchten Detail, findet unsere U35-Kolumnistin.

In dieser Woche haben mein Mann und ich Parfüm gekauft. Statt 100 Milliliter wie bei ihm, waren in den großen Flakons für Frauen oft nur 75 oder 80 Milliliter drin. Zufall? Jein, bei Parfüms wird öfter mal die „Pink Tax“ aufgeschlagen. Also ein Aufpreis für „Frauenprodukte“. First-World-Problem. Ich kann ein günstigeres Parfüm nehmen, oder keins. Wird mich nicht umbringen. Andere Nachteile für Frauen schon.

Die Wurzel dieses Übels ist das Fehlen von Daten über Frauen. Das verzerrt Studien, man nennt das auch „Gender Data Gap“. Die hat unbequeme Auswirkungen: Smartphones sind auf größere, männliche Hände ausgelegt, Sprachsteuerungen reagieren oft schlechter auf weibliche Stimmen. Es gibt auch gravierende Folgen: 2022 (!) hat der erste echte weibliche Crashtest-Dummy Schlagzeilen gemacht.

Gleiche Sicherheit im Auto? Nö.

Vorher gab es kleinere Dummys mit männlicher Anatomie. „Eva“, wie sie heißt, hat einen anderen Torso- und Muskelaufbau, einen anderen Körperschwerpunkt. Sicherheitssysteme wie Gurte müssen bis jetzt nur mehreren männlichen Oberkörpern getestet werden. Für Frauen bedeutet das: Weiterhin statistisch häufiger eingeklemmt werden, sich öfter verletzen, Schleudertraumata erleiden und sterben.

Apropos sterben: Frauen erhalten später Diagnosen – insbesondere bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine Studie im Journal of the American Heart Association (2018) zeigt, dass Frauen mit Herzinfarkt seltener korrekt diagnostiziert und behandelt werden als Männer. (Kleiner Test zum Spaß: Wissen Sie, was die häufigsten Symptome beim Herzinfarkt einer Frau sind? Spoiler: Der Schmerz im linken Arm ist es oft eben nicht). Ein vereinfachtes Beispiel – zugegeben. Aber es zeigt den Fehler im System.

Es tut sich was, aber man muss auch was tun

In der EU ist die Teilnahme von Frauen in klinischen Studien erst seit 2005 vorgeschrieben. Studien an Männern waren und sind einfacher und billiger. Medikamente lange nur auf sie zugeschnitten, Warnungen zu Nebenwirkungen auch. Doch tut sich etwas. Weil sich Menschen einsetzen und nicht darauf hören, wenn es heißt: „Mein Gott, ihr habt doch alles.“

Vera Vogt (34) ist Redakteurin in der Leeraner Redaktion. In dieser Kolumne kommen jeden Dienstag Kolleginnen und Kollegen unter 35 Jahren zu Wort. Sie liefern einmal in der Woche eine junge Perspektive auf das Geschehen in der Welt und speziell in Ostfriesland.

Die Autorin erreichen Sie per Mail an v.vogt@zgo.de.

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