Osnabrück  ETFs, Aktien, Rentenversicherungen: Wie Sie clever privat vorsorgen

Sigrun an der Heiden
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Von Sigrun an der Heiden
| 28.11.2025 11:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Zusatzrente: Für junge Familien oder Berufseinsteiger gibt es die passenden Vorsorgeprodukte. Foto: IMAGO/Maskot
Zusatzrente: Für junge Familien oder Berufseinsteiger gibt es die passenden Vorsorgeprodukte. Foto: IMAGO/Maskot
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Traurige Wahrheit: Ohne private Vorsorge wird die Rente im Alter kaum reichen. Wie junge Menschen mit ETFs, Aktien und Co. am besten vorsorgen können und wann sich der Kauf von Rentenpunkten lohnt.

Wie viel junge Menschen sparen müssen, um ihren Lebensstandard im Alter zu sichern, lässt sich nicht seriös vorhersagen. „Ein Anhaltspunkt für Berufstätige ohne Immobilieneigentum ist es, privat zehn Prozent vom Nettolohn zurückzulegen“, sagt Niels Nauhauser, Vorsorgeexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Früh zu beginnen, lohnt sich: Wer 30 Jahre monatlich 150 Euro in einen Fondssparplan investiert, spart bei einer jährlichen Rendite von 6,7 Prozent knapp 167.000 Euro an, hat aber nur 54.000 Euro eingezahlt. Diese reale, inflationsbereinigte Rendite erzielten Aktienanlagen seit 1900 durchschnittlich am US-Aktienmarkt. Der Betrag reicht aus, sich 25 Jahre lang eine Zusatzrente von über 550 Euro monatlich auszahlen zu lassen.

Berufsanfänger und junge Familien brauchen finanzielle Flexibilität und keine starren Versicherungsverträge für die Altersvorsorge. Sinnvoller ist es, privat Geld anzulegen und sich erst später um die Verrentung zu kümmern. „Der Aktienmarkt ist langfristig die ertragsstärkste Anlageform“, sagt Nauhauser. Anleger müssen das Auf und Ab der Börsen aber aushalten können. „Über einen Zeitraum von 30 Jahren war es jedoch immer sicherer am Aktienmarkt zur investieren als am Rentenmarkt“, beruhigt der Vorsorgeexperte.

Die Stiftung Warentest empfiehlt, in breit gestreute Indexfonds, sogenannte ETFs, zu investieren. Sie bilden große Indizes wie den MSCI World Index nach und sind deutlich preiswerter als aktiv gemanagte Fonds. Günstige Aktien-ETFs haben oft eine Nettokostenquote von 0,25 Prozent und weniger. Online-Broker wie Smartbroker+ oder Fidelity bieten das Depot sowie ETF-Sparpläne gratis an. Auch Fonds gibt es ohne Ausgabeaufschlag oder mit Rabatt.

Wer später im Leben eine größere Summe auf einmal anlegen möchte, aber mit dem richtigen Einstiegszeitpunkt hadert, kann sich die Lösung „Step Invest“ der Fürstlich Castellschen Bank anschauen. Das Geld fließt hier auf ein verzinstes Anlagekonto (fünf Prozent) und wird schrittweise über sechs bis zwölf Monate in Fonds des Bankhauses investiert. Dadurch sinken die durchschnittlichen Kaufkosten.

Auch mit fondsgebundenen Rentenversicherungen lässt sich Geld breit gestreut in Fonds und ETFs investieren. Wer noch 20, 30 Jahre Zeit bis zur Rente hat, kann auf Garantien verzichten, um höhere Renditen zu erzielen. Anbieter wie Cosmos Direkt, Europa, Debeka oder Canada Life investieren je nach Wunsch 50 bis 100 Prozent der eingezahlten Beträge am Aktienmarkt.

Allerdings ist das Sparen im Versicherungsmantel teurer als im Privatdepot. „Schon übliche Gebühren von 1,7 Prozent des Anlagevermögens pro Jahr kosten langfristig die Hälfte der erzielten Rendite“, kritisiert Vorsorgeexperte Nauhauser. Verbraucher sollten Angebote daher kritisch prüfen und Kostenquoten vergleichen. Denn es geht auch günstiger: Der Onlineversicherer Cosmos Direkt etwa berechnet für seine Privatrente FlexInvest nur laufende Kosten von 0,7 Prozent auf das Guthaben.

Fondswechsel sind kostenlos möglich. Flexibel bleiben funktioniert auch hier: Zuzahlungen und Entnahmen sind möglich – auch vor Rentenbeginn. Im Alter fließt das angesparte Kapital in einer Summe, in Raten oder als lebenslange Rente. Wem die monatliche Auszahlung wichtig ist, sollte aber auf einen hohen garantierten Rentenfaktor achten. Dieser legt fest, wie viel Rente Senioren pro 10.000 Euro angespartem Kapital erhalten. Bei einem Rentenfaktor von 30 und einem Kapitalstock von 80.000 Euro wären das 240 Euro monatlich. Bei einem Faktor von 25 sind es bereits 40 Euro weniger im Monat.

Wollen sich Angestellte früher in den Ruhestand verabschieden, können sie zusätzliche Rentenpunkte bei der Rentenversicherung kaufen, um finanzielle Einbußen zu vermeiden. Denn wer vor dem Erreichen der regulären Regelaltersgrenze Rente beantragt, muss Abschläge in Kauf nehmen: 0,3 Prozent für jeden vorgezogenen Monat. Langjährig gesetzlich Versicherte ab 50 Jahren dürfen Sonderzahlungen leisten, um ihren Rentenanspruch zu erhöhen.

Sie müssen dafür mindestens 35 Versicherungsjahre vorweisen können. Wer drei Jahre früher in Rente geht, bekäme von einer regulären Altersrente von 1200 Euro monatlich 129,60 Euro abgezogen. Mit einer Sonderzahlung in Höhe von 31.200 Euro ließe sich der Abschlag vermeiden.

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