Osnabrück 16-jähriger Solist: Am Montag gibt Philip Amadeus Hahn sein Osnabrück-Debüt
Das Sinfoniekonzert am Montag, 24. November, befasst sich mit Jugendwerken. Da ist es konsequent, einen jugendlichen Solisten zu verpflichten: Den 16-jährigen Philip Amadeus Hahn.
Die Antwort auf die Frage, was er in seiner Freizeit macht, kommt spontan: „Üben“, sagt Philip Amadeus Hahn. 14 Stunden täglich. Und wenn er doch mal nicht übt? Dann übt er dirigieren. Oder er komponiert. Ob es in seinem Leben etwas anderes gibt, neben der Musik? Da lächelt er nur.
Der Pianist ist ein Phänomen. Mit dem Klavierspielen begonnen hat er mit anderthalb Jahren; mit vier Jahren war er Jungstudent, mit fünf wurde er eingeschult, im selben Jahr gab er sein Orchesterdebüt mit einem Klavierkonzert von Joseph Haydn, mit acht Jahren sein Solodebüt. Gegenwärtig absolviert er an der Hochschule für Musik und Medien in Hannover sein Bachelor-Studium; mit 16 Jahren ist er der jüngste Bachelorstudent in Deutschland.
Seine Jugend ist der Grund, warum ihn der Osnabrücker Generalmusikdirektor Christopher Lichtenstein fürs zweite Sinfoniekonzert seiner ersten Saison am Pult des Osnabrücker Symphonieorchesters engagiert hat. Jugendwerke stehen am Montag, 24. November, auf dem Programm: Die C-Dur-Sinfonie, die Georges Bizet als 17-Jähriger komponiert hat, also lang vor seinem Welterfolg „Carmen“. Außerdem die erste Streichersinfonie, ebenfalls in C-Dur, die der 12-jährige Felix Mendelssohn Bartholdy geschrieben hat. Und das fünfte Klavierkonzert in D-Dur KV 175 des 17-jährigen Wolfgang Amadeus Mozart.
Diesem Werk wollte Lichtenstein maximale Authentizität zukommen lassen. Das Pult überlässt er an diesem Abend dem jungen französischen Dirigenten Nathanaël Iselin, den Solopart in Mozarts Klavierkonzert aber übernimmt ein Pianist, der so alt ist wie der Komponist selbst bei der Uraufführung des Werks: Philip Amadeus Hahn.
Für den jungen Mann ist das durchaus etwas Besonderes: „In der Regel spiele ich Kompositionen, die von viel älteren Komponisten stammen.“ Dann zählt er auf, was er sich im Rahmen seines Studiums als nächstes vornehmen will: Etüden von Frédéric Chopin und dessen zweite Sonate für Klavier, den ersten Mephisto-Walzer von Franz Liszt, Klaviersonaten von Ludwig van Beethoven, den Faschingsschwank von Robert Schumann, kurz: Gipfelwerke der Klavierliteratur was die technischen Fähigkeiten angeht – und die intellektuellen. Denn Musik fehlerfrei spielen ist die eine Sache. Sie geistig zu durchdringen, eine ganz andere.
Philips Werkliste erklärt, warum er „nicht weniger als 14 Stunden“ am Tag übt: Anders wäre das Pensum nicht zu schaffen. Doch das Klavierspielen begreift er nicht als mühsame Arbeit, vielmehr folgt Philip seinem inneren Antrieb. Wenn er sagt, schlafen müsse er „leider“, hört sich das wundersam an, und doch folgt das präzise seiner inneren Logik. Musik ist ihm nicht Last, sondern Lust. Wäre es anders, würde er wohl kaum so gerne lachen.
Trotzdem oder gerade deswegen geht er mit größter Sorgfalt an die Musik heran. Natürlich hat er das Mozart-Klavierkonzert akribisch einstudiert, denn auch wenn es nicht in die Regionen führt, in denen man die pianistische Sauerstoffmaske anlegen muss, zählt Mozart für jeden Musiker gleichzeitig zum Schönsten und zum Schwierigsten, was man sich auf Notenpult legen kann. Denn bei aller musikalischen Tiefe verlangt diese Musik die maximale Leichtigkeit.
Aber vielleicht kommt ihm da zugute, dass er sich längst intensiv mit Mozart auseinandergesetzt hat: Philip Amadeus Hahn stand für den Film „Il Boemo“, deutsch: „Der Böhme“ vor der Kamera. Er hat da den 13-jährigen Mozart gespielt – mit 11 Jahren. Und vielleicht hat er da ja von Mozarts Selbstbewusstsein eine Portion mitgenommen. Denn auf die Frage, ob er pianistische Vorbilder hat, antwortet er, „nicht wirklich.“