Osnabrück  EU will Cookie-Nerverei reduzieren: Brüssels billiger Trick mit dem Klick

Maik Nolte
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Von Maik Nolte
| 21.11.2025 06:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Nervtötend und undurchsichtig: Wer im Netz unterwegs ist, wird ständig mit Einverständniserkärungen über Cookie-Verwendung konfrontiert. Foto: Maik Nolte
Nervtötend und undurchsichtig: Wer im Netz unterwegs ist, wird ständig mit Einverständniserkärungen über Cookie-Verwendung konfrontiert. Foto: Maik Nolte
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Internetnutzer sollen seltener Cookie-Fenster wegklicken müssen: Die EU geht ein nerviges Problem an – aber schafft zugleich womöglich ein viel größeres.

Es gibt nicht vieles, das einem im Internet so sehr auf den Keks geht wie diese ständigen Cookie-Abfragen. Ein nervtötendes Ritual, dem sich jeder Nutzer ständig aufs Neue unterwerfen muss und bei dem er sogar noch froh und dankbar sein kann, wenn er es mit einem bloßen Klick auf „Ablehnen“ hinter sich bringen darf. Denn es gibt auch Website-Betreiber, die ihre Besucher nötigen, ellenlange Werbeanbieter-Listen mit Ja-/Nein-Schaltern durchzuackern – nur um am Ende dann doch versehentlich auf „Alle akzeptieren“ zu tippen, weil alle anderen Schaltflächen bewusst kaum lesbar gestaltet sind. 

Und das alles nimmt man im vagen Gefühl auf sich, dass es letztlich eh egal ist. Oder hat irgendjemand den Eindruck, tatsächlich weniger mit angeblich personalisierter Werbung zugemüllt zu werden, weil er immer fleißig Cookies ablehnt? 

Man möchte die EU also feiern und lobpreisen, wenn sie nun ankündigt, diese Pest eindämmen zu wollen. Endlich weniger Cookie-Pop-ups wegklicken müssen – das ist doch mal Bürokratieabbau, der wirklich für alle spürbar ist! Auch wenn Brüssel die Pest in gewisser Weise, ähnlich wie der Zauberlehrling, selbst hervorgerufen hat. 

Es war ja die EU-Datenschutzgrundverordnung von 2018, die den Einsatz der kleinen digitalen Schnüffelschnipsel von der Zustimmung des Nutzers abhängig machte. Was sicher gut gemeint war, mündete in eine Verbraucherschutzmaßnahme, die Verbraucher frustriert – vielleicht lässt sich daraus ja eine Lehre ziehen. 

Sei’s drum – es geht ja ohnehin weniger um Cookies als vielmehr um einen weit ernsteren Eingriff in die digitale Welt. So hat Brüssel zudem vor, beim immensen Datenhunger von KI-Entwicklungen die Zügel lockerer zu lassen. Denn wer soll nach EU-Plänen künftig entscheiden, ob Daten, die Unternehmen über Internetnutzer sammeln, personenbezogen – und damit schützenswert – sind oder nicht? Sie ahnen es: nicht der Nutzer. 

Das wäre alles schlimm genug, wenn es nur um nervige Werbung ginge. Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung ist aber nichts weniger als ein Grundrecht – und an das wird hier die Axt gelegt. Unterm Strich knickt die EU vor den IT-Giganten ein, als deren Gegenspieler sie sich sonst so gerne geriert. Ein ziemlich hoher Preis dafür, dass sie uns ein paar Klicks erspart. 

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