Osnabrück Experteninterview: Herr Grabowski, brauche ich wirklich eine Hausratversicherung?
Ein Berater der Verbraucherzentrale Niedersachsen gibt in Osnabrück Orientierung zu Versicherungen. Neben Kranken- und Haftpflicht werden weitere Policen beleuchtet. Lesen Sie hier das Interview.
Natürlich braucht jeder eine Kranken- und eine Haftpflichtversicherung. Aber danach wird es schnell unübersichtlich. Was ist mit Tierhalterhaftpflicht, Hausrat, Rechtsschutz? Berater Hendrik Grabowski von der Verbraucherzentrale Niedersachsen in Osnabrück weiß Rat.
Frage: Herr Grabowski, den Deutschen wird gerne nachgesagt, sich bis zum Geht-nicht-mehr gegen alles abzusichern. Beginnen wir mit der zentralen Frage: Was ist wirklich sinnvoll für jeden, unabhängig von den genauen Lebensumständen?
Antwort: Der Grundsatz ist immer das GAU-Prinzip: Der größte anzunehmende Unfall muss abgesichert sein. Erst wenn diese existenzbedrohenden Risiken gesichert sind und noch Geld übrig ist, sollte man über Zusatzversicherungen oder die Altersvorsorge nachdenken.
Frage: Und wo fange ich am besten an?
Antwort: Der wichtigste Punkt ist natürlich die Krankenversicherung. Es gibt die gesetzliche und die private Krankenversicherung. In den meisten Fällen werden Menschen gesetzlich versichert sein. Falls man die Wahlmöglichkeit zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung hat, sollte man sich vor einem Wechsel in die private Krankenversicherung jedoch gut informieren und beraten lassen.
Frage: Ist man als Privatpatient nicht immer besser dran?
Antwort: Bei der Frage, ob man sich privat krankenversichern möchte, sollte man sehr gut überlegen, denn der Wechsel zurück in die gesetzliche Krankenversicherung kann in manchen Konstellationen schwierig werden. Wenn man privat versichert ist, ist ein Rückwechsel in die gesetzliche Krankenversicherung nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich.
Frage: Gut zu wissen. Welche Versicherung ist noch unverzichtbar?
Antwort: Die private Haftpflichtversicherung ist ein sehr wichtiger Punkt. Hier geht es nicht nur um Sachschäden, wie den Kratzer im Autolack des Nachbarn, sondern auch um Personenschäden, die man im privaten Bereich verursacht. Solche Schäden können existenzbedrohend sein. Man sollte dabei auf eine hohe Versicherungssumme achten. Wir raten zu mindestens fünf Millionen Euro, idealerweise unbegrenzt. Die Schäden können sehr hoch sein, besonders bei Personenschäden. Das kann schnell ins Geld gehen. Für Hundehalter ist darüber hinaus die Tierhalterhaftpflichtversicherung in Niedersachsen Pflicht. Sie kann auch für Pferdehalter sinnvoll sein.
Frage: Das ist also das Minimum. Welche Versicherungen sind noch wichtig?
Antwort: Die wichtigste andere Versicherung, die man abschließen sollte, ist die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU), wenn man die Möglichkeit dazu hat. Der Ausfall der Arbeitskraft sollte abgesichert sein. Gerade beim Start ins Berufsleben hat man in den ersten fünf Jahren keine Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Nur Arbeitsunfälle wären dann versichert. Das Spektrum an Dingen, die dazu führen, dass man nicht mehr arbeiten kann – wie psychische Erkrankungen oder Probleme mit dem Bewegungsapparat – ist einfach zu groß.
Frage: Und je früher man sie abschließt, desto besser?
Antwort: Ja, ein früher Abschluss hat den Vorteil, dass man günstigere Beiträge erhält. Zudem ist das Thema Gesundheitsfragen nicht unwichtig.
Frage: Was meinen Sie damit?
Antwort: Man muss sie ehrlich und vollständig beantworten. Ansonsten kann der Versicherer im Leistungsfall wegen arglistiger Täuschung den Vertrag anfechten oder zurücktreten und man erhält trotz gezahlter Beiträge keine Leistung. Der Versicherer wird nämlich eine erneute Gesundheitsprüfung vornehmen, wenn man berufsunfähig wird, und alle Akten einsehen.
Frage: Wenn ich aus gesundheitlichen Gründen keine BU bekomme, was sind die Alternativen?
Antwort: Es gibt die Möglichkeit einer privaten Erwerbsunfähigkeitsversicherung oder einer Grundfähigkeits- beziehungsweise Funktionsinvaliditätsversicherung. Diese sollen zumindest die Versorgungslücke schließen. Die Grundfähigkeitsversicherung sichert Beeinträchtigungen zum Beispiel beim Sehen, Laufen oder Sprechen ab, wobei die Kriterien hier oft streng sind.
Frage: Und die Unfallversicherung?
Antwort: Eine Unfallversicherung ist kein gleichwertiger Ersatz. Sie leistet ausschließlich bei Unfällen. Die meisten Fälle von Berufsunfähigkeit werden aber durch Krankheiten verursacht, und diese sind von einer reinen Unfallversicherung nicht abgedeckt. Man sollte sie nur in Erwägung ziehen, wenn man aus gesundheitlichen Gründen keine BU bekommt und ein sehr hohes Unfallrisiko im privaten Bereich hat, oder wenn man selbstständig ist.
Frage: Brauche ich eine Hausratversicherung?
Antwort: Sie ist sinnvoll, wenn man besonders wertvolle Gegenstände in der Wohnung hat. Sie leistet bei Brand, Wasserschäden, Einbruch und dergleichen. Wenn man den Schaden, der entstehen könnte, aber leicht kompensieren kann, weil die Gegenstände nicht übermäßig wertvoll sind, kann man sich die Hausratversicherung auch sparen und das Geld in andere, wichtigere Absicherungen stecken.
Frage: Und die Wohngebäude- und Elementarschadenversicherung?
Antwort: Die sind natürlich wichtig für Hausbesitzer. Wenn man eine Immobilie erworben hat und nicht nur zur Miete wohnt, sollte man über diese Versicherungen nachdenken, um das Gebäude selbst abzusichern. Auch die Kfz-Haftpflichtversicherung ist wichtig, wenn man ein Auto hat. Bei einem neuen oder kreditfinanzierten Auto kann zusätzlich eine Vollkaskoversicherung als Ergänzung sinnvoll sein.
Frage: Wie sehen Sie die Rechtsschutzversicherung?
Antwort: Das ist ein sehr schwieriger Punkt. Man denkt, man braucht sie nie, aber Anwaltskosten werden schnell teuer. Es hängt vom eigenen Lebensbereich ab – manche Tarife decken Verkehr, andere Privatrecht ab. Wenn man ein gutes Gefühl haben möchte und noch Geld übrig hat, kann man sie abschließen.
Frage: Zum Schluss: Welche Produkte stufen Sie als nicht notwendig ein?
Antwort: Kapitallebensversicherungen und private Rentenversicherungen sind gerade für Berufsanfänger nicht nötig. In vielen Fällen passen sie nicht zum Bedarf und sind, besonders in Kombination mit der BU, oft einfach zu teuer für das, was man am Ende herausbekommt und vor allem zu unflexibel. Auch Reisegepäck-, Glasbruch- oder Geräteversicherungen für Handy, Laptop, Brille und ähnliches sind meist nicht notwendig. Der Schaden ist in der Regel überschaubar und könnte notfalls selbst ersetzt werden.