Osnabrück  Osnabrücker Finanzexperte: Wie Sparer jetzt Sicherheit und Rendite verbinden können

Jean-Charles Fays
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Von Jean-Charles Fays
| 23.11.2025 17:45 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Schwankende Kurse prägen die Finanzmärkte (hier die Frankfurter Börse) – viele Sparer suchen in unsicheren Zeiten nach stabilen und zugleich renditestarken Anlagestrategien. Foto: dpa/Eibner/Florian Wiegand
Schwankende Kurse prägen die Finanzmärkte (hier die Frankfurter Börse) – viele Sparer suchen in unsicheren Zeiten nach stabilen und zugleich renditestarken Anlagestrategien. Foto: dpa/Eibner/Florian Wiegand
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Die Zinsen sind zurück, doch die Inflation bleibt erhöht. Viele Sparer suchen Sicherheit – und möchten zugleich endlich wieder eine signifikante Rendite erzielen. Ein Osnabrücker Finanzexperte erklärt, wie sich Anleger jetzt sinnvoll aufstellen.

Nach Jahren der Null- und Negativzinsen kehren immer mehr Anleger an die Finanzmärkte zurück. Tages- und Festgeld sind wieder gefragt, doch zugleich bleibt die Inflation so hoch, dass reine Zinsprodukte ihre Kaufkraft oft nicht schützen. Viele Menschen suchen daher nach einer stabilen, risikoarmen Lösung, die in unsicheren Zeiten Orientierung bietet.

Gleichzeitig steigt der Wunsch nach Rendite. Wer Vermögen langfristig aufbauen will, braucht mehr als sichere Konten: breit gestreute Fonds und ETFs gewinnen an Bedeutung – auch für konservative Sparer. Doch wie lässt sich eine Struktur finden, die Sicherheit schafft, Schwankungen aushält und trotzdem Chancen nutzt?

Der Finanzexperte von der Sparkasse Osnabrück, Marcel Budde, erklärt im Interview, welche Strategien sich heute bewähren.

Frage: Herr Budde, die Zinsen sind zurück, gleichzeitig bleibt die Inflation erhöht. Wie verändert dieses Spannungsfeld das Anlageverhalten Ihrer Kunden?

Antwort: Viele Kunden greifen wieder verstärkt zu Festgeld, weil es Sicherheit vermittelt. Das schlägt die Inflation aber meist nicht dauerhaft. Wer rein auf Zinsprodukte setzt, riskiert realen Kaufkraftverlust. Sinnvoll ist eine Mischung aus Liquidität, festverzinslichen Anlagen und Kapitalmarktbausteinen.

Frage: Die Zinsen sind gestiegen, gleichzeitig lag die Inflationsrate hierzulande im Oktober bei 2,3 Prozent. Wie erklären Sie Kunden diesen Zusammenhang?

Antwort: Wir unterscheiden klar zwischen Nominalzins und Realzins. Ein Festgeld wirkt attraktiv, aber entscheidend ist, was nach Abzug der Inflation bleibt. Festgeld eignet sich gut als Beimischung, sollte jedoch durch weitere Anlageklassen ergänzt werden. Entscheidend ist eine ausgewogene Struktur aus Liquidität, Renten, offenen Immobilienfonds und Aktien. Zinsprodukte verleihen dem langfristigen Vermögensaufbau zwar Stabilität, langfristige Rendite kommt jedoch meist über Fonds- und Aktienbausteine. Darauf weisen wir im Beratungsgespräch hin.

Frage: Beschäftigen sich die Menschen wieder stärker mit der Geldanlage – oder herrscht eher Verunsicherung?

Antwort: Beides. Das Interesse ist gewachsen, weil es wieder Zinsen gibt. Gleichzeitig sorgen Krisen und Schlagzeilen für Unsicherheit. Viele suchen deshalb aktiv Beratung, weil sie ihr Geld nicht mehr ungenutzt auf Konten liegen lassen wollen.

Frage: Viele parken ihr Geld auf Tagesgeldkonten. Ist das sinnvoll oder verschenkt man langfristig Rendite?

Antwort: Für die Notfallreserve ist Tagesgeld absolut richtig. Dauerhaft große Summen dort zu lassen, kostet aber Kaufkraft, weil die Inflation höher ist. Besser ist: Reserve sichern – und darüber hinaus Festgeld und Wertpapierbausteine nutzen.

Frage: Festgeld ist wieder attraktiv. Ab welchen Laufzeiten lohnt es sich – und wie stark sollte man sich fest binden?

Antwort: Kurze Laufzeiten von etwa einem Jahr bringen Planbarkeit und Flexibilität. Zu lange Bindungen bergen das Risiko, bei veränderten Zinsen festzuhängen. Wir empfehlen Laufzeiten zu staffeln und Festgeld nicht isoliert zu betrachten, sondern als Baustein im Gesamtportfolio.

Frage: Wie groß ist das Risiko, sich zu lange an einen festen Zinssatz zu binden, falls die EZB 2025 oder 2026 die Zinsen senkt?

Antwort: Das Risiko ist real. Ein fester Zins bleibt über die gesamte Laufzeit – unabhängig davon, wie sich der Markt entwickelt. Wer ausschließlich Festgeld nutzt, kann von positiven Kapitalmarktphasen nicht profitieren. Deshalb setzen wir auf Flexibilität durch unterschiedliche Laufzeiten und Fondsbausteine.

Frage: Wie baut man heute eine ausgewogene Strategie auf, die Sicherheit und Renditechancen verbindet?

Antwort: Zuerst wird eine Notfallreserve festgelegt. Danach folgt die Mischung: stabile Bausteine wie Festgeld oder Rentenfonds sowie chancenorientierte Anlagen wie Aktien- oder Mischfonds. Die individuelle Gewichtung richtet sich nach Ziel, Zeithorizont und Risikobereitschaft des Kunden.

Frage: Welche Rolle spielen Aktienfonds und ETFs für eine langfristige Strategie?

Antwort: Beide sind wichtige Renditetreiber. ETFs sind meist günstiger, bilden aber nur einen Index ab. Aktiv gemanagte Fonds können in speziellen oder neuen Märkten Vorteile haben. Als Bestandteil eines breit gestreuten Portfolios sind beide geeignet – abhängig vom Risikoprofil und der Erwartungshaltung des Kunden.

Frage: Wie nehmen Sie Anlegern die Angst vor Kursschwankungen?

Antwort: Wir arbeiten mit historischen Vergleichen: Wer breit streut und langfristig investiert, hat auch schwache Phasen gut überstanden. Sparpläne mit einer Dynamisierung helfen zusätzlich, weil sie in Schwächephasen automatisch günstiger einkaufen. Wichtig ist, Schwankungen als normalen Teil des Investierens zu verstehen.

Frage: Wie wichtig ist Diversifikation – und wie erklären Sie das einem klassischen Sparer?

Antwort: Diversifikation bedeutet, das Risiko zu verteilen – über Anlageklassen wie Liquidität, Renten, Aktien und Immobilien sowie über verschiedene Regionen. Für Anfänger gibt es eine schöne pragmatische Börsenweisheit: lege nicht alle Eier in einen Korb, sondern Sicherheit und Chancen systematisch mischen.

Frage: Gibt es Unterschiede zwischen jüngeren und älteren Anlegern?

Antwort: Jüngere sind oft digitaler und orientieren sich an Trends und sozialen Medien, zum Beispiel beim Thema ETFs. Ältere legen mehr Wert auf Stabilität. Beide Gruppen schätzen jedoch die persönliche Beratung und eine klare Einordnung von Risiken.

Frage: Wie gehen Kunden mit kleineren Summen vor – lohnt sich der Einstieg überhaupt?

Antwort: Ja. Ein Sparplan ab etwa 25 Euro monatlich ist schon ein guter Start und sollte mit steigendem Einkommen individuell angepasst werden. Er verteilt das Marktrisiko und baut Schritt für Schritt Vermögen auf. Entscheidend sind Kontinuität und ein realistischer Zeithorizont – nicht die Höhe der Anfangssumme.

Frage: Welche typischen Fehler beobachten Sie derzeit bei privaten Anlegern?

Antwort: Ein häufiger Fehler ist, Trends oder Influencern zu folgen, ohne das eigene Risiko- und Lebensprofil zu berücksichtigen. Das andere Extrem ist Passivität: Geld auf Konten liegen lassen, obwohl die Inflation die Kaufkraft senkt. Beides vermeiden wir durch eine individuelle Analyse und persönliche Anlagevorschläge.

Frage: Wie holen Sie Kunden in diesem Umfeld individuell ab?

Antwort: Wir beginnen immer mit den Wünschen und Ziele unserer Kunden sowie ihrer Lebenssituation, Risikobereitschaft und ihrem Liquiditätsbedarf. Darauf aufbauend entwickeln wir gemeinsam ein maßgeschneidertes Anlageportfolio, das unter Berücksichtigung gesetzlicher Vorgaben ein klar definiertes Chancen- und Risikoprofil aufweist. Die Entscheidung liegt beim Kunden, aber basiert auf einer fundierten Grundlage.

Frage: Gibt es eine Art Ideal-Mix zwischen sicheren und chancenorientierten Anlagen?

Antwort: Nein, eine universelle Quote gibt es nicht. Die Aufteilung hängt stark vom Zeithorizont, Einkommen und Sicherheitsbedürfnis ab. Grundregel: Erst Reserve, dann Stabilität, dann Renditebausteine – individuell gewichtet.

Frage: Wie beurteilen Sie die weitere Zinsentwicklung – und was bedeutet das für Anleger?

Antwort: Prognosen bleiben unsicher, aber die bisherigen Zinssenkungen zeigen Wirkung. Sollte das Niveau weiter sinken, wird Festgeld weniger attraktiv. Dann profitieren vor allem Anleger, die ihr Portfolio breiter aufgestellt haben.

Frage: Lohnt der Einstieg in den Vermögensaufbau trotz unsicherer Lage?

Antwort: Ja. Perfekte Zeitpunkte gibt es nie. Entscheidend ist, früh zu beginnen, langfristig zu denken und regelmäßig zu investieren. Mit einer guten Struktur lässt sich auch in unsicheren Zeiten Vermögen aufbauen.

Frage: Welches sind die drei wichtigsten Grundregeln für die Geldanlage heute?

Antwort: Erstens: eine solide Liquiditätsreserve. Zweitens: breite Streuung über Anlageklassen und Regionen. Drittens: Disziplin – also regelmäßig investieren und bei Schwankungen nicht in Panik handeln.

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