Extremismus „Kaiserreichsgruppe“ – Durchsuchung in Berumbur
Die Polizei hat in Berumbur die Wohnung eines Mannes durchsucht. Die Ermittlungen stehen im Zusammenhang mit der sogenannten „Kaiserreichsgruppe“.
Berumbur - Dank moderner Technologie sind auch Ostfriesen mit Menschen in ganz Deutschland und auch darüber hinaus verbunden. Das gilt auch für – mutmaßliche – Extremisten. Ein Mann aus Berumbur in der Samtgemeinde Hage hat wegen seiner Online-Aktivitäten Besuch vom Landeskriminalamt bekommen.
Wie die Generalstaatsanwaltschaft Celle auf Nachfrage dieser Zeitung bestätigte, wurde die Wohnung des Beschuldigten bereits Mitte Oktober durchsucht. Der Mann steht demnach im Verdacht, eine „hochverräterische Unternehmung“ vorbereitet zu haben.
Ermittlungen gegen „Kaiserreichsgruppe“ führen nach Berumbur
Hochverrat ist in Deutschland strafbar. Es wird unterschieden zwischen „Hochverrat gegen den Bund“ und „Hochverrat gegen das Land“, also das jeweilige Bundesland. Ob der Beschuldigte aus Berumbur gegen den Bund oder eines der Bundesländer vorgehen wollte, ist unbekannt.
Es liegt aber nahe, dass es um eine „hochverräterische Unternehmung“ gegen den Bund ging, denn: Laut Generalstaatsanwaltschaft Celle stehen die Ermittlungen im Zusammenhang mit der sogenannten „Kaiserreichsgruppe“. Diese ist auch unter dem Namen „Vereinte Patrioten“ oder „Tag X“ bekannt. Diese Bezeichnungen leiten sich von den Telegram-Chatgruppen ab, in denen sich vor allem zwischen Herbst 2021 und April 2022 verschiedene Menschen zusammenfanden. Die Gruppen waren durchsetzt von Anhängern der „Querdenken“-Bewegung, Reichsbürgern und Rechtsextremen. In den Gruppen wurde nicht nur versucht, Polizisten und Soldaten für den gewaltsamen Sturz der Regierung zu gewinnen. Es gab auch Pläne für Sprengstoffanschläge auf das Stromnetz, die Entführung des damaligen Gesundheitsministers Karl Lauterbach und das Herbeiführen eines Bürgerkrieges. Bis heute laufen Verfahren, einzelne Gruppenmitglieder und Unterstützer wurden bereits unter anderem wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung verurteilt.
Ostfriesland taucht bei „Kaiserreichsgruppe“ immer wieder auf
Der Berumburer hat, wenn überhaupt, wohl nur eine untergeordnete Rolle im ganzen Gebilde gespielt. Der Generalbundesanwalt hat das Verfahren wegen „minderer Bedeutung“ an die Generalstaatsanwaltschaft in Celle abgegeben. Bei den Durchsuchungen im Oktober wurden laut der Generalstaatsanwaltschaft elektronische Datenträger wie Festplatten sichergestellt. Weitere Angaben zum Vorwurf und zum Beschuldigten werden noch nicht gemacht.
Im Zusammenhang mit der sogenannten „Kaiserreichsgruppe“, die auch als „Vereinte Patrioten“ bekannt ist, gab es bereits mehrere Ermittlungsverfahren und Verurteilungen. Besonders im Fokus stand dabei Michael H., ein aus Ostfriesland stammender Kulturschaffender, der im März 2025 vom Oberlandesgericht Koblenz zu acht Jahren Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Ihm und weiteren Mitgliedern der Gruppe wurde unter anderem die Gründung einer terroristischen Vereinigung, die Vorbereitung des Hochverrats sowie die Planung der Entführung von Gesundheitsminister Karl Lauterbach vorgeworfen. Auch gegen den „Telegram“-Nutzer „Thor“ wurde im Zusammenhang mit den genannten Chatgruppen ermittelt. Hier kam es aber nicht zu einer Anklage und auch eine Verbindung zur „Kaiserreichsgruppe“ wurde nie offiziell bestätigt.