Hamburg Rentner zur Bundeswehr-Reserve lassen? Die SPD zeigt sich offen
Während die Bundeswehr um junge Menschen buhlt, ist Älteren der Weg zu den Streitkräften gesetzlich verbaut – ob sie wollen oder nicht. Nun zeigt sich die SPD offen für eine Änderung der Altersgrenze.
Dürfen Menschen über 65 bald als Reservist der Bundeswehr tätig sein? Was bislang ausgeschlossen ist, könnte in Zukunft möglich sein. „Wir sind offen für Veränderungen, auch bei Altersgrenzen – aber nicht unreflektiert“, teilte die SPD-Abgeordnete Claudia Moll auf Anfrage unserer Redaktion mit. Die Politikerin aus Nordrhein-Westfalen sitzt für die Sozialdemokraten im Verteidigungsausschuss.
Es sei sinnvoll, darüber zu sprechen, wie man die vorhandene Erfahrung und Kompetenz bestmöglich nutzen kann, so Moll weiter. Gerade bei der Ausbildung neuer Rekruten oder in Unterstützungsbereichen.
Der Hintergrund: Deutschlands Reserve soll auf 200.000 Männer und Frauen wachsen. Jeder ehemalige Soldat, der seinen Dienstgrad nicht verloren hat, gilt als Reservist. Doch der Truppe zur Verfügung steht er nur bis zu seinem 65. Geburtstag. Bei der aktiven Truppe ist es zumeist schon Jahre vorher vorbei, je nach Rang gelten eigene Altersgrenzen.
Klar ist: Mit 65 Jahren ist Schluss. Nicht nur im aktiven Dienst, sondern auch in der Reserve. Selbst wenn die Reservisten noch fit genug sind und weiter als Reservist dienen wollen, lässt es das Soldatengesetz derzeit nicht zu. Die Folge: Alte Reservisten können nicht mehr auf Dienstposten der Bundeswehr beordert werden und dürfen auch keine dienstlichen Veranstaltungen oder Fortbildungen besuchen.
Dem Reservistenverband ist die starre Altersgrenze trotz Zeitenwende ein Dorn im Auge. „Nehmen Sie den 66-jährigen pensionierten Arzt: Warum sollte er, wenn er will, bei der Bundeswehr als Reservist keinen Dienst leisten können, während er zivil so lange praktizieren kann, wie er will?“, nannte Verbandspräsident Patrick Sensburg ein Beispiel.
Laut SPD-Frau Moll ist auch die Bundestagsfraktion der SPD mit der flexibleren Altersgrenze für Reservisten beschäftigt. „Wir sehen sehr klar, welch wichtigen Beitrag die Reserve heute bereits leistet – und dass ihr Stellenwert im Rahmen der Zeitenwende weiter steigen wird.“ Doch für eine Reform brauche es klare Kriterien und sie müsse der Bundeswehr auch wirklich helfen.
Eine pauschale Anhebung der Altersgrenze berge zudem auch Risiken. „Etwa bei körperlichen Anforderungen“, erläutert Moll. Und die Bundeswehr habe gegenüber allen Angehörigen eine Fürsorgepflicht. „Eine schnelle Festlegung gibt es nicht – aber die Debatte wird in der SPD konstruktiv geführt“, verspricht Moll.
Gerade erst brachte auch Grünen-Chefin Franziska Brantner ein Konzept zur Einbindung älterer Menschen in die Truppe ein: Über ein Freiwilligenregister soll im Ernstfall auf deren Qualifikationen zugegriffen werden können. Die Fraktion der Union ließ eine Anfrage zur Altersgrenze von Reservisten unbeantwortet.