Notdurft in Emden  Das wird das neue Bahnhofsklo

Stephanie Schuurman
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Von Stephanie Schuurman
| 19.11.2025 17:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Neue Türen sind schon eingebaut, drinnen erfolgt die Grunderneuerung: das WC-Rondell am Bahnhof. Fotos: Stephanie Schuurman
Neue Türen sind schon eingebaut, drinnen erfolgt die Grunderneuerung: das WC-Rondell am Bahnhof. Fotos: Stephanie Schuurman
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Nach einigen Jahren verschwindet das Container-Klo am Emder Bahnhof. Die Alternative kostet die Stadt einiges.

Emden - Es tut sich was bei der unansehnlichen Notdurft-Lage am Bahnhof in Emden: Seit ein paar Wochen sind Handwerker damit beschäftigt, das kleine Rondell zwischen dem Bahnhofsgebäude und der Taxenvereinigung zu reaktivieren. Wenn alles mitläuft, soll das Mini-WC noch vor Weihnachten wiedereröffnet werden. „Mit der Sanierung endet die bisherige Provisoriumssituation am Bahnhofsstandort“, teilte Stadtsprecher Eduard Dinkela auf Nachfrage dieser Redaktion mit. Heißt: Die Klo-Container als Entree der Stadt verschwinden endgültig.

Kein schönes Entree: der erste Blick auf Emden für ankommende Bahnreisende.
Kein schönes Entree: der erste Blick auf Emden für ankommende Bahnreisende.

Hintergrund der Maßnahme ist, dass die im Bahnhofsgebäude vorhandenen Toilettenanlagen der Deutschen Bahn seit Jahren geschlossen sind – und trotz mehrfacher Angebote der Stadt nicht für eine gemeinsame Nutzung geöffnet werden konnten. Um Reisenden und Besucherinnen und Besuchern dennoch einen verlässlichen Service zu bieten, übernimmt die Stadt Emden nun selbst die Bereitstellung einer modernen öffentlichen Toilette direkt am Bahnhofsvorplatz, schreibt Dinkela.

Pissoir und Unisex-Lösung

Und die Stadt lässt sich das einiges kosten. Die Gesamtkosten der Maßnahme belaufen sich auf rund 120.000 Euro. Das ist viel Geld für rund zehn Quadratmeter WC-Häuschen, in dem wegen der Enge nur ein Pissoir für Männer und eine Unisex-Toilette Platz finden, die zudem noch als Behinderten-WC dienen muss. Aber die Stadt Emden sieht keine andere Möglichkeit. Ein Neubau, ganz gleich in welcher Größe auf diesem kleinen, städtischen Grundstück sei schwierig, da dann sämtliche aktuellen Vorgaben der Niedersächsischen Bauordnung (NBauO) zu erfüllen sind. Dazu gehören unter anderem Grenzabstände, die an diesem Standort nicht eingehalten werden könnten. Für das Rondell dagegen besteht Bestandsschutz. „Daher ist die Sanierung im Gegensatz zu einem Neubau rechtlich und praktisch die sinnvollste Lösung“, teilt die Stadt mit.

Praktisch: Wer das Pissoir benutzt, kann sich an derselben Stelle auch die Hände waschen. Skizze: Stadt Emden
Praktisch: Wer das Pissoir benutzt, kann sich an derselben Stelle auch die Hände waschen. Skizze: Stadt Emden

Seit August 2021 ist das 1989 erbaute Rondell geschlossen, weil es keine Ersatzteile mehr für die veralteten sanitären Einrichtungen gab. Die Containerlösung war immer nur eine Notlösung, die ebenfalls nicht ganz billig ist, auch wenn sie so aussieht. Der zunächst aufgestellte rote Toilettencontainer als Ersatz für die damals defekte stationäre Anlage im Rondell kostete 1000 Euro Miete im Monat. Im November 2022 wurde dann der Doppelcontainer für 36.000 Euro gekauft plus Rampe fürs Behinderten-WC.

WC-Container werden woanders genutzt

Die Unterhaltungsmaßnahmen für die Container-Lösung dürften außerdem die Kosten noch in die Höhe getrieben haben, weil es immer wieder zu massiven Vandalismus-Schäden kam: Brandspuren an den Waschtischen, abgerissene Türklinken oder die Zerstörung wesentlicher Einrichtungsgegenstände. Die Container-Anlage soll später an anderer Stelle weitergenutzt werden, wo übergangsweise Toiletten benötigt werden – zum Beispiel bei Schulumbauten.

Die Tage dieses Blickfangs am Bahnhof sind gezählt.
Die Tage dieses Blickfangs am Bahnhof sind gezählt.

Das Rondell wird jetzt also kernsaniert. Was für den Laien schwer nachvollziehbar ist, kostet Unsummen oder eben 12.000 Euro auf den Quadratmeter. Böse Zungen behaupten, dass man für diesen Quadratmeterpreis möglicherweise auch eine Wohnung in London bekommt. Doch die Grunderneuerung und der Vandalismus-Schutz des Rondells ist teuer. Dafür werde es aber auch „technisch wie optisch auf den neuesten Stand gebracht“, heißt es seitens der Stadt.

Ausgeklügelte Details

Liest man die Baubeschreibung, bekommt man auch eine Ahnung davon, wo das Geld später steckt: Im Zuge der Sanierung wird das Gebäude innen vollständig entkernt und neu aufgebaut. Der alte Fliesenboden wird durch einen fugenlosen Epoxidharz-Belag ersetzt, der sich durch hohe Hygiene, Robustheit und leichte Reinigung auszeichnet. Es wird eine Fußbodenheizung verlegt, damit keine anderen Heizkörper abgerissen werden können; außerdem würden diese wieder Platz benötigen.

Auf engstem Raum: Auf der Rückseite des Rondells muss viel Technik untergebracht werden.
Auf engstem Raum: Auf der Rückseite des Rondells muss viel Technik untergebracht werden.

Die Wände erhalten eine Verkleidung mit strapazierfähigen HPL-Platten. Sämtliche WC-Anlagen und Waschbecken werden gegen vandalismussichere Edelstahl-Elemente ausgetauscht. Zusätzlich entsteht ein barrierefreies Behinderten-WC mit automatischem Türantrieb. Ein moderner Technikraum ersetzt die bestehende Infrastruktur und wird auf die neue Ausstattung abgestimmt. Es soll auch ein Notrufsystem installiert werden.

Noch mehr neue Toiletten

Auch das Erscheinungsbild des Gebäudes wird sichtbar aufgewertet: Die Außenwände erhalten eine Anti-Graffiti-Beschichtung, Sichtbetonteile werden in einem hellgrauen Ton gestrichen, und das vorhandene Dachgitter wird saniert und neu beschichtet. Und auf der Rückseite wird bereits alles für eine Trinkwasser-Quelle vorbereitet. Macht unterm Strich samt Planungskosten 120.000 Euro.

Die Nutzung des WCs wird dann nicht mehr kostenlos sein. Die Gebühr steht zwar wohl nicht im Verhältnis zu den Kosten der Anlage, schützt womöglich aber auch vor Vandalismus. Noch stehen die Türen beim Behelfs-Container ständig offen, auch weil Türklinken regelmäßig abgerissen werden. Ins sanierte Rondell geht es dagegen nur, wer den Eintritt per EC-/Kreditkarte (RFID/NFC) oder Smartphone (Apple Pay, Google Wallet) entrichtet. Münzen sind nicht erwünscht – auch so ein Vandalismus-Faktor – sie sind aber auch nicht mehr erforderlich, was wiederum komfortabel sein kann.

Auch nicht moi: die öffentliche Toilettenanlage an der Tourist-Information im Stadtgarten.
Auch nicht moi: die öffentliche Toilettenanlage an der Tourist-Information im Stadtgarten.

Das Rondell ist der erste Schritt zur Umsetzung eines umfassenden City-Toiletten-Konzepts. Darüber hinaus bereitet die Stadt Emden die Einrichtung weiterer öffentlicher Toiletten im Stadtgebiet vor. Als nächstes dürften die Toiletten am Stadtgarten an der Reihe sein, die sich ebenfalls in keinem ansprechenden Zustand befinden. Im Zuge der Innenstadtumgestaltung sollen dann weitere neue Toilettenanlagen gebaut werden, etwa am Delft. Was die Sanierungen oder Bauten kosten werden, wird sich zeigen. Stadt und Rat haben für die Verbesserung der Notdurft-Situation in Emden in diesem und kommenden Jahr jeweils 250.000 Euro freigegeben. Abzüglich der Kosten fürs Rondell ist da also noch einiges drin.

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