Offshore-Windparks Ørsted-Verfahren reduziert Lärm beim Bau
Im Offshore-Windpark Gode Wind 3 wurde eine innovative Technologie erprobt. Davon profitieren Meeresboden und Tiere – und andere Windpark-Projekte.
Borkum/Norden - Weniger Lärm und weniger Erschütterung: Zum Schutz des Meeresbodens und der Meeresbewohner kommen auf den Großbaustellen der neuen Windparks weit draußen in der Nordsee zunehmend umweltschonendere Verfahren zum Einsatz. So hat die Firma Ørsted eine geräuscharme Technologie als Alternative zum herkömmlichen Rammen von Fundamenten entwickelt und bereits beim Bau von drei Fundamenten im Offshore-Windpark Gode Wind 3 etwa 32 Kilometer vor der Insel Norderney eingesetzt. Der Windpark wurde im Februar 2025 in Betrieb genommen.
Neue Verfahren für den Windpark-Bau
Mit der Anwendungsreife der Osonic-Technologie wird das geräuscharme Gründungsverfahren auch für andere Windpark-Projekte interessant: Gerade hat der Hamburger Vermögensverwalter Luxcara mit Ørsted eine Nutzungsvereinbarung unterzeichnet. Luxcara plant auf zwei Offshore-Flächen in der Deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) rund 90 Kilometer vor Borkum den Bau der Windparks „Waterkant“ und „Waterekke“ mit 1800 MW installierter Leistung – Strom für bis zu 2,4 Millionen Haushalte. „Ausschlaggebend für die Entscheidung zur Zusammenarbeit mit Ørsted war die nachgewiesene Funktionalität von Osonic in der deutschen Nordsee unter ähnlichen Bedingungen und mit vergleichbaren Fundamentgrößen wie bei den Projekten von Luxcara“, wird Holger Matthiesen, Director Offshore Wind & Green Hydrogen bei Luxcara, in einer Mitteilung zitiert. Für Ørsted ist die Vereinbarung der erste Schritt in Richtung Vermarktung der Technologie.
So funktioniert das Osonic-Verfahren
Das Verfahren von Ørsted heißt Osonic: Dabei werden die Windkraftanlagen mit Hilfe von Hochdruckinjektionen, dem Jetting, in den Meeresgrund eingespült. Die von Ørsted patentierte Technologie wird am Monopile-Fundament angebracht. Die Hochdruck-Wasserstrahlen verringern den Widerstand des sandigen Bodens, so dass das Fundament effektiv in den Meeresboden einsinkt – ohne Schlaghämmer. Das herkömmliche Rammen und der Einsatz von Systemen zur Geräuschminderung wie Blasenschleier oder andere Lärmschutzwände werden vollständig überflüssig, heißt es bei Ørsted. Damit könne auch kostengünstiger auf See gebaut werden.
Auszeichnung für innovative Technik
Der Einsatz im Windpark Gode Wind 3 zeigte nach Angaben des Unternehmens: „Mit einer Reduzierung von 34 Dezibel (dB) im Vergleich zur herkömmlichen Installationsmethode wurde der Lärm um über 99 Prozent reduziert. Damit liegt die Lautstärke nun nur noch geringfügig über dem Niveau der Umgebungsgeräusche im Bereich der Deutschen Bucht in der Nordsee.“ Im Oktober 2025 wurde Ørsteds Osonic-Technologie mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie Produkte ausgezeichnet. In der Jurybegründung wurde hervorgehoben, dass es sich um eine Innovation handelt, „die zeigt, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien und der Schutz der biologischen Vielfalt Hand in Hand gehen können – und die als neuer Standard für nachhaltige Offshore-Windprojekte weltweit Maßstäbe setzt“.
Ørsted in Ostfriesland aktiv
Ørsted ist bereits seit 2013 in Ostfriesland aktiv. Am Standort in Norden-Norddeich sorgen mehr als 140 Mitarbeiter für den Betrieb der fünf bestehenden Offshore-Windparks des Unternehmens in Deutschland. Von Emden aus läuft seit fast fünf Jahren das Service-Schiff „Wind of Change“ aus, um die bestehenden deutschen Ørsted-Windparks auf See zu warten. Von Vorteil sei dabei die geografische Nähe zum Flugplatz in Emden und dem Standort von Ørsted in Norddeich. Dort ist seit 2023 auch ein Ambulanz-Helikopter stationiert.
Die fünf Ørsted-Offshore-Windparks in der Nordsee mit insgesamt 1597 MW installierter Kapazität versorgen umgerechnet rund 1,6 Millionen deutsche Haushalte mit Windstrom. Ein weiteres Projekt befindet sich derzeit im Bau. 2026 wird Ørsted dann 2510 MW Offshore-Windkraft installiert haben.