Osnabrück Krankenschwester und Garten-Comedian Katrin Iskam: „Der Garten half mir in schwerer Zeit“
Katrin Iskam, Krankenschwester und Garten-Comedian, tourt mit ihrer Show „Gärtnern ohne viel Geschiss“ durch die Städte. Im Interview spricht sie darüber, wie der Garten ihr in einer schweren familiären Zeit Kraft gab und warum sie mit Schlüpfern und einem roten BH auf der Bühne wedelt.
Sie steht im Nachthemd und roten Gummistiefeln auf der Bühne und erzählt ihren Fans in ausverkauften Hallen von der Arbeit und den Erlebnissen in ihrem Garten. Katrin Iskam, 52-jährige gelernte und aktive Krankenschwester, tritt mit ihrer Show „Gärtnern ohne viel Geschiss“ in ganz Deutschland auf.
Frage: Frau Iskam, wenn man Ihnen früher erzählt hätte, dass Sie mal mit einem Nachthemd, roten Gummistiefeln und einer Gabel in der Hand auf der Bühne stehen würden, was hätten Sie gesagt?
Antwort: Ich hätte gedacht, dass der- oder diejenige nicht alle Latten am Zaun hat. Ich kann das selber gar nicht fassen. Das hat sich alles verselbständigt. Es ist ein Wahnsinn, was ich im Moment erleben darf.
Frage: Dass das Publikum einer 52-jährigen erst auf Instagram und nun auch in ausverkauften Hallen zujubelt, weil sie mit zuweilen derbem Humor aus ihrem Garten berichtet?
Antwort: Ich denke, es ist einfach diese Mischung aus Wissen und Humor. Und ich bin mir stets treu geblieben. Ich ziehe da keine Filter drüber, wenn ich mich zeige. Ganz authentisch, frisch aus dem Bett gestiegen, im Zweifel noch Marmelade an der Backe. So wie Du und ich. Es ist Infotainment. Ein lustiger Abend, aber man nimmt auch was mit. Natürlich nicht nur zum Thema Garten, auch zwischenmenschlich. Also einmal quer durch das echte Leben.
Frage: Ihre Show trägt den Titel „Gärtnern ohne viel Geschiss“. Was steckt dahinter?
Antwort: Das ist ein Motto, das mich durch das ganze Leben trägt. Ich mache einfach nicht so viel Firlefanz. Ich würde beispielsweise niemals einen Unkrautstecher kaufen. Ich benutze dazu Omas alte Silbergabel. Ich gabele damit das Beikraut raus. Man braucht auch kein Vlies oder keinen Jutesack, um Pflanzen in Frostnächten zu schützen. Ein altes Betttuch reicht. Man muss nicht viel Geld ausgeben.
Frage: Sie pflegen auf der Bühne ein offenes Wort. In Ihrem Garten-Dünger ist nicht Kuhdung, sondern Kuhscheiße. Warum kommt genau das so gut an?
Antwort: Als Krankenschwester habe ich es ja mit sehr, sehr vielen Sachen zu tun, die menschlich und ganz normal sind. Ja, und eine Kuh köckert ja nun mal keinen Kuhdung. Auf der Wiese ist Kuhscheiße. Und genauso haue ich das auch raus. Die Leute lachen dann wie befreit.
Frage: Ihre Requisiten lassen nicht unmittelbar aufs Thema Garten schließen. Warum wedeln Sie mit Schlüpfern und einem roten BH auf der Bühne?
Antwort: Auch das hat damit zu tun, möglichst wenig Geschiss um Dinge zu machen. Einen roten BH hatte ich einst an einen Baum gebunden, der viel zu groß für mein Auto war und aus dem Kofferraum ragte. Und warum soll Unterwäsche nicht als Frostschutz für Pflanzen dienen? Einfach mal machen, die Dinge nicht kompliziert machen und immer schön menschlich bleiben.
Frage: Sie sprechen in der Show oft in der dritten Person von sich und berichten, was „das Katrinchen“ wieder alles erlebt hat. Ihre Shows sind teils ein Jahr im Voraus ausverkauft. Staunen Sie selbst etwas über den eigenen Erfolg?
Antwort: Ich bin über mich hinausgewachsen. Ich habe ja den Beruf des Gärtners niemals erlernt. Ich bin eine Krankenschwester, die am Anfang null Ahnung vom Gärtnern hatte. Und das zeigt eigentlich auch, dass es jeder da draußen kann. Einfach mal probieren. Einfach mal machen. Und ein Garten braucht natürlich Zeit. Ich habe an die 20 Jahre gebraucht, um meinen Traum wahr werden zu lassen. Alles kann werden, wenn man Leidenschaft in sein Hobby steckt.
Frage: Sie sind sehr nahbar, antworten vielen Fans auf Instagram persönlich und ermöglichen ihnen, vor oder nach der Show Selfies aufzunehmen.
Antwort: Meinen Fans verdanke ich doch alles. Es ist ja auch schön, wenn man noch mal gedrückt wird und auch die eine oder andere Träne fließt. Es ist so, als würde man sich schon ewig kennen.
Frage: Werden Sie mittlerweile auf der Straße erkannt?
Antwort: Ja, ich werde immer öfter angesprochen. Manch einer traut sich auch nicht, mich anzusprechen. Dann habe ich später auf Instagram eine Nachricht mit der Frage, ob ich das gewesen sei. Es gibt jetzt auch schon die ersten Patienten, die in einer meiner Shows waren und mir in der Klinik sagen, dass sie mich kürzlich im Nachthemd gesehen haben.
Frage: Hat diese große Zuwendung auch etwas mit Ihrem Beruf als Krankenschwester zu tun?
Antwort: Ja, unbedingt. Das Verbindende ist Liebe. Ich habe ja eigentlich mal mit dem Garten angefangen, weil ich als Schwester in der Klinik viel, viel Leid sehe. Ich werde auch immer Schwester Katrin bleiben. Garten, Krankenschwester und Bühne, das alles hat mit viel Herz zu tun. Der Garten hilft mir, wenn ich auch mal selber im Leben durch eine schwere Zeit gehe.
Antwort: Ich hatte im letzten Jahr eine schwere familiäre Zeit, und der Garten hat mir ganz viel Kraft gegeben und auch die Bühne. Ich war zwar kurz davor zu sagen, ich packe das alles nicht, du kannst nicht da draußen den Menschen ein Lachen zaubern, während dein Kind eine schwere Chemo durchmacht.
Frage: Sie haben sich aber entschieden weiterzumachen.
Antwort: Die Bühne und dieses Lachen der Menschen haben mir selber wieder so viel Kraft und Energie gegeben. Und heute geht es uns Gott sei Dank wieder gut, und ich bin glücklich, dass ich jetzt frei und wieder ohne Druck auf die Bühne gehen kann und einfach diesen ganzen Spaß, diese Sause, die ja nie geplant war, genießen darf.
Frage: Sie lieben nicht nur die Menschen, sondern auch Tiere sehr. Ihren Rauhaardackel Tyson bezeichnen Sie als Ihren Chef-Gärtner. Was leistet er im Garten?
Antwort: Er ist einfach immer dabei. Tyson ist die Nummer eins und er hält die Wühlmäuse im Garten sehr gut in Schach. Wir leben ja an der Feldmark, da gibt es viele Wühlmäuse.
Frage: Sie sammeln bei Ihren Shows jeweils Geld für das örtliche Tierheim und bringen die Spenden selbst am Morgen nach der Show zum Tierheim. Was erleben Sie dabei?
Antwort: Das ist sehr emotional für mich. Ich fahre da ja selbst hin und habe schon bittere Tränen geweint, als mir die Tierheim-Mitarbeiter ihr Herz ausgeschüttet haben. Erst habe ich bei meinen Shows Futter für die Tierheime gesammelt, aber die Mengen übersteigen mittlerweile meinen Kofferraum. Und so sammle ich jetzt Geld und bringe das am Tag nach der Show selbst zum Tierheim. Dank meiner Fans habe ich in diesem Jahr schon über 30.000 Euro gesammelt. Bis Ende nächsten Jahres möchte ich 100.000 Euro an die Tierheime in Deutschland gespendet haben.
Frage: Ihr Mann Waldemar bekommt in den Shows ganz schön sein Fett weg. Hat er auch so viel Humor wie Sie?
Antwort: Der hat viel Humor und er steckt das mittlerweile gut weg. Ich war ihm aber auch schon peinlich. Aber alles, was ich da erzähle, das ist ja wirklich in den letzten 20 Jahren so passiert.
Frage: Sie haben also wirklich eine ganze Reihe großer Tannen gefällt, als er auf Dienstreise war, obwohl er das nicht wollte? Und heimlich Pflanzen gekauft?
Antwort: Genau so ist das. Wenn man einen Gartentraum hat und man lebt mit einem Partner zusammen, der das Ganze nicht so toll findet, dann muss man eben einen Weg finden, seinen Traum trotzdem wahr werden zu lassen. Wir leben ja nun mal nicht mehr im Mittelalter. Ich habe das Nein meines Mannes niemals akzeptiert. Ich habe dann aber auch wieder viel zurückgegeben. Mit den Tannen hatte ich allerdings schon eine Grenze überschritten. Aber ich hatte nun mal diesen Traum von einer geschwungenen englischen Hecke. Und drei Jahre später hat er ja dann ja selber zugegeben, dass die Aktion eigentlich gar nicht so schlecht war.
Frage: Ihre Show wird überwiegend von Frauen besucht. Sind die Männer, die zuschauen, freiwillig zur Show gekommen, oder wurden sie von gartenverrückten Frauen mitgebracht?
Antwort: Die eine Hälfte ist freiwillig da, die andere wurde mitgebracht. Es gibt aber auch längst Männer, die nach der Show ein Selfie mit mir machen. Vielleicht nehmen sie ja auch mit, was für eine tolle Frau sie haben, wenn sie mich erlebt haben (lacht). Es hätte sie ja mit der Gartenverrücktheit viel schlimmer treffen können.
Frage: Sie drehen morgens die erste Runde im Garten noch im Nachthemd. Ich kenne viele Gärtnerinnen, die das genauso machen. Von männlichen Schlafanzugträgern im Garten hört man eher wenig.
Antwort: Ja, die erste Nachthemdrunde! Die Blumen sehen in diesem Licht, wenn die Sonne aufgeht, einfach besonders aus. In meiner Show war aber sogar mal ein Mann im Schlafanzug. Und es wäre ein großer Traum von mir, wenn mein ganzes Publikum in Nachthemd und Pyjama kommen würde.
Frage: Haben Sie Lieblingsstauden, ohne die in Ihrem Garten gar nichts läuft?
Antwort: Dazu zählt unbedingt der Storchschnabel, ich bin mittlerweile auch ein großer Fan der Bergminze geworden, die echt von Ende Juni bis in den November durchblüht, super duftet und kein Wasser braucht. Außerdem kann ich Fetthenne sehr empfehlen, die von der Struktur wunderschön ist. Und für den Schatten Purpurglöckchen. Ich habe kürzlich die Sorte „Marmalade“ empfohlen, danach wurde mir berichtet, die Sorte sei in den Gärtnereien ausverkauft gewesen. In diesem Fall war ich wohl Garten-Influencerin, obwohl ich diese Bezeichnung sonst gar nicht mag.
Frage: Warum nicht?
Antwort: Ich bin nicht käuflich. Ich möchte meine Fans nicht verarschen und irgendwelche Sachen empfehlen, hinter denen ich nicht stehe. Mein Ziel ist, einfach Menschen zum Garten zu bringen. Ohne viel Geschiss.
Frage: Über nichts kann die Gartenszene derzeit so gut streiten wie über die Frage, ob man heimische Pflanzen bevorzugen sollte. Wie stehen Sie zu dieser Diskussion, auch vor dem Hintergrund, dass manche Rose, die Insekten nicht in ihre geschlossene Blüte lässt, eine lange Gartenkultur genießt?
Antwort: Ich versuche, sehr viele insektenfreundliche Pflanzen in den Garten einzubringen. Ich habe aber auch Pflanzen, die nicht insektenfreundlich sind. Für mich ist diese gesunde Mischung wichtig. Das gesunde Mittelmaß, so wie im echten Leben auch. Und ja, ich habe auch englische Rosen, die sind überhaupt nicht insektenfreundlich, aber ich habe sie einfach insektenfreundlich unterpflanzt. Die teils sehr dogmatisch geführte Diskussion geht mir wirklich auf die Nerven.
Frage: Ich beobachte, dass viele alte Gartenliebhaber sehr agil sind und voller neuer Gartenpläne. Hält uns der Garten wirklich jung?
Antwort: Wir werden 100! Viele berühmte Gärtnerinnen sind steinalt geworden. Garten ersetzt das Fitness-Studio. Das Herz-Kreislauf-System wird gefördert, Muskeln werden aufgebaut, die Seele wird stimuliert. Und kommen wir aufs Nachthemd zurück: Weil ich sommers wie winters damit morgens durch den Garten laufe, bin ich auch so gut wie niemals erkältet.
Frage: Einen pflegefreien Garten gibt’s ja nun mal nicht. Wie schaffen Sie es, Ihren Garten trotz Ihrer vielen Termine zu pflegen?
Antwort: Das wird dann schon mal stressig, aber zum Glück habe ich eine Stirnlampe. Da geht nötigenfalls auch bei Dunkelheit noch was. Ich bin schon mehr als normal gartenverrückt.
Kennen Sie schon unseren kostenlosen Garten-Newsletter, den wir einmal monatlich versenden? Er enthält viele weitere Tipps und Erfahrungen aus dem Garten von Redakteurin Julia Kuhlmann. Sie können sich hier für den Garten-Newsletter registrieren.