Warteliste Die Freie Schule in Emden ist weiter auf Erfolgskurs
Mit nur Grundschule fing die Freie Schule in Emden 2020 an, jetzt ist das Container-Dorf in Barenburg deutlich gewachsen. Eine Oberschule gibt es jetzt auch, ein Neubau ist geplant. Die Details.
Emden - Wer auf das kleine Container-Dorf auf dem ehemaligen Kasernen-Gelände in Emden-Barenburg fährt, fragt sich sicher erst einmal: hier eine Schule? Wie geht das denn? Besonders einladend wirkt es erst einmal nicht. Das ändert sich aber, wenn man den „Schulflur“ betritt. Hier ist ein Gewusel, wie man es aus jeder lebhaften Grundschule kennt.
An den Wänden hängen selbstgemalte Bilder, auf den Türen steht, wer hier unterrichtet wird – zum Beispiel die kleinen „Pumas“ und „Frösche“. Tafel an der Wand, Tische und Stühle, Selbstgebasteltes an den Fenstern, Teppich auf dem Boden: alles ganz normal. Ein Junge kommt mit einem Staubsauger und fragt, ob er durch kann. Klar: Ordnung muss sein.
Wie sehr ist die Freie Schule in Emden schon gewachsen?
Die erste und bislang einzige Freie Schule in Emden startete zum Schuljahr 2022/23 mit zwei Lerngruppen à zwölf Kindern. Jetzt sind es schon 62 Kinder im Grundschulbereich und – neu seit August 2025 – auch in der Oberschule mit 5. und 6. Klasse. Die jetzt sechs Lerngruppen können mehr als 20 Räume in den Container-Modulen nutzen. Hinzu kommt ein Schulgarten mit Hochbeeten, ein Sandkasten und andere Spielmöglichkeiten.
Während die Eltern manchmal komisch gucken wegen der Container-Lösung, sei es den Kindern egal, sagt Volko Aden, stellvertretender Schulleiter, bei einem Gespräch vor Ort. Ihr Wunsch sei ein Schulneubau, bestenfalls im Stadtteil Barenburg. Dazu liefen bereits viele Verhandlungen, sagt Dr. Katharina Lühring, Initiatorin der Freien Schule. „Die Stadt Emden unterstützt uns sehr“, sagt sie. Auch ein Investor habe schon Interesse. Einen konkreten Zeitrahmen könne sie aber noch nicht nennen.
Wie ist die Nachfrage bei der Freien Schule weiterhin?
Langfristig können sie planen. Denn: Bis 2031 gebe es schon eine Warteliste für die ersten Klassen, sagt die Schulinitiatorin. Teilweise sei auch ein Quereinstieg in einzelne Jahrgänge möglich. Auch das werde nachgefragt. Die Kinder kämen hauptsächlich aus Emden, aber auch unter anderem dem Landkreis Aurich, so Volko Aden. Die Freie Schule sei nicht für jedes Kind geeignet, erklärt er.
Mädchen und Jungen hospitieren zunächst und es werde geschaut, ob das Konzept des freien Lernens für sie umsetzbar ist. „Feies Lernen muss gelernt werden“, erklärt Katharina Lühring. Während in der ersten und zweiten Klasse noch einiges „geführt“ werde, sei es danach recht frei. Kinder entscheiden für sich, was sie als nächstes lernen möchten. Pflichtfächer wie Deutsch und Mathe sollen dabei aber nicht zu kurz kommen.
Bislang sei bei ihnen der erweiterte Schulabschluss und Realschulabschluss möglich, fürs Abitur müsste ein neues Genehmigungsverfahren angestoßen werden. Ob und wann sie das angehen, ist noch nicht klar. Alternativ wechseln Jugendliche fürs Abitur auf eine andere Schule, so Aden.
Was ist noch neu bei der Freien Schule in Emden?
Neu ist, dass die Grundschule mittlerweile offiziell anerkannt ist und damit seit August auch Finanzhilfen vom Land erhalten kann, erklärt Katharina Lühring. Vorher war sie schon genehmigt. Der Prozess dafür war bereits 2020 gestartet. Für die Oberstufe dauert die Anerkennung, die hier später gestartet ist, voraussichtlich noch bis zum Sommer 2026. Dann könnte auch dafür Geld vom Land beantragt werden. „Dann ist die Jagd nach Bürgschaften beendet“, sagt Katharina Lühring mit einem Lachen.
Damit die Schule gegründet werden und dann auch funktionieren konnte, brauchte es zum einen Bürgschaften und zum anderen auch Spendengelder. Die hatte der Förderverein bei vielen Veranstaltungen gesammelt – unter anderem bei Events in der Fußgängerzone der Brückstraße und auch in der Weihnachtslose-Bude auf dem Engelkemarkt, die seit 2024 von Ehrenamtlichen Emder Vereine besetzt wird. Hier wollen sie dieses Jahr auch wieder mitwirken, so Lühring.
Am 26. November lesen die Autorinnen Ilka Gerdes und Bettina Bremer zugunsten der Freien Schule Emden im Grand Café aus ihren Büchern. Zur musikalischen Begleitung ist die Band „Dilla und The Hits Boys“ dabei. Die Lesung beginnt um 19 Uhr. Der Eintritt ist frei, der Hut geht für Spenden herum.
Wie viele Privatschulen gibt es in Ostfriesland?
Die größte Privatschule in der Region ist die Freie Christliche Schule Ostfriesland (FCSO) in Veenhusen (Landkreis Leer) mit rund 1300 Schülerinnen und Schülern. Im August 2025 sind 77 neue Fünftklässlerinnen und Fünftklässler am neuen Standort in Moordorf (Landkreis Aurich) gestartet. Seit 2018 gibt es die Freie Schule Ostfriesland in Großheide (Landkreis Aurich), der seit 2021 eine Oberschule angeschlossen ist.
In Ostfriesland gibt es insgesamt damit derzeit sieben Schulen in privater Trägerschaft. In Aurich findet sich eine Waldorfschule, auf der Insel Spiekeroog das Internat Hermann-Lietz-Schule sowie jeweils eine Förderschule in Aurich und Leer.