Kriegsverbrecher  Nazi-Name auf Ehrenmal in Weener ist verdeckt

Tatjana Gettkowski
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Von Tatjana Gettkowski
| 14.11.2025 15:12 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ein Täter ist vom Ehrenmal der Opfer von Krieg und Gewalt verschwunden: Der Name Jakobus Onnen wurde an diesem Freitag mit einem QR-Code versehenen Schild überdeckt. Foto: Klaus Ortgies
Ein Täter ist vom Ehrenmal der Opfer von Krieg und Gewalt verschwunden: Der Name Jakobus Onnen wurde an diesem Freitag mit einem QR-Code versehenen Schild überdeckt. Foto: Klaus Ortgies
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Jakobus Onnen aus Weener wurde als Nazi-Kriegsverbrecher entlarvt. Die Stadt zog nun die Konsequenzen. Sein Name ist nicht mehr auf dem Ehrenmal für Kriegsopfer zu lesen. Doch das ist nicht alles.

Weener - Am Sonntag, 16. November 2025, ist Volkstrauertag. Auch vor dem Ehrenmal an der Neuen Straße in Weener wird dann mit einer Kranzniederlegung der Opfer von Krieg und Gewalt gedacht. Ein Name ist nun nicht mehr auf der Gedenktafel zu lesen. Nachdem bekannt geworden war, dass Jakobus Onnen aus Weener ein Nazi-Scherge und Kriegsverbrecher war, hat die Stadt an diesem Freitag seinen Namen auf dem Ehrenmal verdeckt.

„Informationen zu dem Namen finden Sie in der Begegnungsstätte in der Westerstraße“, steht auf dem Schild. Über einen QR-Code kann man aber auch direkt vor Ort erfahren, was es mit dem verdeckten Namen auf sich hat. Wer dahinter steckt, wurde vor kurzem enthüllt. Jakobus Onnen wurde als Todesschütze auf einem der bekanntesten Bilder über den Nazi-Terror entlarvt. Das Bild wurde während des Zweiten Weltkriegs in der Ukraine aufgenommen. Ein Mann mit ausgezehrtem Gesicht sitzt am Rand einer Grube, zu seinen Füßen liegen Leichen – es ist ein Massengrab. Ein junger Mann in Uniform zielt mit einer Pistole auf seinen Kopf.

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Ostfriesischer Nazi-Verbrecher bisher als Opfer erinnert
14.11.2025

Täter wurde mithilfe von KI entlarvt

Der Historiker Jürgen Matthäus, zuletzt Leiter der Forschungsabteilung des United States Holocaust Memorial Museums in Washington, hat mit KI-basierten Gesichtserkennungsprogrammen und Informationen aus Onnens Verwandtenkreis den Schützen identifiziert. Matthäus’ Bericht in der „Zeitschrift für Geschichtswissenschaft“ im September 2025 schlug hohe Wellen – auch in der internationalen Presse.

Bürgermeister Heiko Abbas hat den Text in der Ausstellung über das jüdische Leben in Weener verfasst. Interessierte erfahren hier, wer Jakobus Onnen wirklich war und warum sein Name nicht mehr auf dem Denkmal für die Opfer der beiden Weltkriege und des Nazi-Regimes zu lesen ist. Foto: Klaus Orgies
Bürgermeister Heiko Abbas hat den Text in der Ausstellung über das jüdische Leben in Weener verfasst. Interessierte erfahren hier, wer Jakobus Onnen wirklich war und warum sein Name nicht mehr auf dem Denkmal für die Opfer der beiden Weltkriege und des Nazi-Regimes zu lesen ist. Foto: Klaus Orgies

Weeners Bürgermeister Heiko Abbas, die Fraktionen im Rat und die Arbeitskreise „Synagogenbrand“ und „Stolpersteine“ beschlossen einstimmig, diesen Teil der Stadtgeschichte richtig darzustellen und den Namen Onnen nicht einfach zu entfernen, sondern über die Hintergründe zu informieren. In Weener gibt es breiten Konsens darüber, dass eine Aufarbeitung der Nazi-Diktatur, der Shoah und der Schicksale der Weeneraner Jüdinnen und Juden wichtig ist.

Ausstellung informiert auch über Kriegsverbrecher

Eine Dauerausstellung über das jüdische Leben in Weener in der erst vor kurzem eröffneten Begegnungsstätte in der Westerstraße widmet sich diesen Themen. Ein großer Kreis Ehrenamtlicher, darunter auch der 2015 verstorbene Fritz Wessels, hat seit vielen Jahrzehnten Informationen über die ehemaligen jüdischen Mitbewohner gesammelt. „Darum war für uns sofort klar, dass auch die Taten von Onnen nicht versteckt oder verheimlicht werden“, betont der Bürgermeister. Die sachliche Information stehe im Vordergrund. „Wir wollen Jakobus Onnen nicht zu viel Aufmerksamkeit widmen“, erklärt Abbas die relativ klein gehaltene Infotafel in der Ausstellung.

Darauf ist auch das Bild zu sehen, das Onnen unmittelbar vor dem Erschießen eines jüdischen Menschen zeigt. Es war unter dem Titel „Der letzte Jude in Winniza“ bekannt. Inzwischen steht dank der Forschungsarbeit von Jürgen Matthäus aber fest, dass das Massaker nicht in Winnyzja, sondern am 28. Juli 1941 in Berdyciv von der Einsatzgruppe C verübt wurde, schreibt der Historiker und Leiter der Landschaftsbibliothek der Ostfriesischen Landschaft, Heiko Suhr. Er führte ein langes Interview mit Matthäus zu dessen Forschungsarbeit.

Auf einem der wohl bekanntesten Fotodokumente über die Gräueltaten der SS konnte der aus Tichelwarf stammende Jakobus Onnen von einem Forscherteam um den Historiker Jürgen Matthäus als Todesschütze identifiziert werden. Foto: Photo12/Ann Ronan Picture Library
Auf einem der wohl bekanntesten Fotodokumente über die Gräueltaten der SS konnte der aus Tichelwarf stammende Jakobus Onnen von einem Forscherteam um den Historiker Jürgen Matthäus als Todesschütze identifiziert werden. Foto: Photo12/Ann Ronan Picture Library

Wer war Jakobus Onnen?

Jakobus Onnen wurde Suhr zufolge 1906 im ostfriesischen Tichelwarf geboren und war Lehrer für Englisch, Französisch und Sport. Noch vor 1933 trat er der NSDAP bei, 1933 der SA und war seit 1934 Mitglied der NS-Elitetruppe SS. Im Krieg wurde er als Teil der Einsatzgruppe C eingesetzt: Diese mobile Einheit habe bis Frühjahr 1942 mehr als 100.000 überwiegend jüdische Zivilisten in der Ukraine ermordet, schreibt Suhr. Onnen habe spätestens im Juli 1941 seine ersten Morde begonnen. Er fiel am 12. August 1943 bei einem Kriegseinsatz in der Region Schytomyr.

mit Material von dpa

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