Osnabrück Im neuen ARD-"Tatort: Der Reini" wird es sehr persönlich
Im neuen Schwarzwald-„Tatort: Der Reini“ wird Kommissar Berg (Hans-Jochen Wagner) zur Geisel in seiner eigenen Hütte. Zu den aus der geschlossenen Anstalt geflohenen Geiselnehmern gehört nicht ganz zufällig Bergs kleiner Bruder.
Ein brutaler Raubüberfall auf ein Freiburger Apotheker-Ehepaar sorgt für Entsetzen. Der Mann liegt mit einem Kopfschuss im Bett. Erschossen mit der eigenen Waffe. Die Frau wird vermisst. Geld und Wertgegenstände wurden nicht gestohlen. Es fehlen nur Psychopharmaka. Und die Tatwaffe.
Am Tatort kämpft die neue, junge Kollegin Ella Pauls (ganz großartig: Luise Aschenbrenner) von der Mordkommission alleine gegen ihre Unerfahrenheit. Franziska Tobler (Eva Löbau) ist auf Fortbildung. Und Kollege Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) schaut nur kurz vorbei, um sich dann mit den Worten „bin gleich wieder da“ auf Nimmerwiedersehen zu verabschieden.
Was die beiden Kolleginnen und auch Berg noch nicht ahnen ist die Tatsache, dass Berg faustdick und sehr persönlich in den Fall hineingezogen wird. Bei den Tätern handelt es sich um drei Ausbrecher aus der geschlossenen Abteilung der Psychiatrie. Darunter Bergs kleiner Bruder, genannt Reini (Felician Hohnloser), und dessen Freundin Mika (Mareike Beykirch).
Angeführt von dem unberechenbaren Schwerverbrecher Luke (Karsten Antonio Mielke) verschanzt sich das Trio auf Bergs abgelegenem Schwarzwaldhof. Als Berg, alarmiert durch einen Anruf aus der Psychiatrie, dort eintrifft, gerät er umgehend in Geiselhaft. Luke ist hinter dem Geld her, das ihm seiner Meinung nach aus seinem letzten Raubüberfall zusteht.
Während Tobler völlig genervt von Bergs Abwesenheit zu dessen Hof in die Arme des Gangsters fährt, muss sich Pauls als Leiterin der Ermittlungen gegen die Vorurteile der dienstälteren Kollegen durchsetzen, die die jüngere Frau nicht für ganz voll nehmen. Ein Fehler. Immerhin fällt bei ihr im Gegensatz zum restlichen Polizeiapparat der entscheidende Groschen.
Der neue Schwarzwald-„Tatort: Der Reini“ muss sich den Vorwurf gefallen lassen, als Krimi nicht immer ganz logisch und darüber hinaus arg konstruiert zu wirken. Tatsächlich legen Drehbuchautor Bernd Lange und Regisseur Robert Thalheim weniger Wert auf den eigentlichen Fall, der aus Zuschauerperspektive sowieso von Anfang an klar ist.
Stattdessen dreht sich der Fall vor allen Dingen um die vertrackte Familiengeschichte, die hinter Bergs Hof steckt. Die wurde schon seit ein paar Episoden mit einigen Andeutungen vorangetrieben. Jetzt endlich wird nicht nur ein tragisches Familienereignis gelüftet, sondern auch die Frage, wieso Berg einen Schacht auf dem Grundstück zubetoniert hat. Inwieweit das Thema damit erledigt sein wird – man darf gespannt sein.
Lässt man mal die eigentliche Krimihandlung außer Acht, dann überzeugt „Der Reini“ vor allen Dingen als gelungene Charakterstudie und kammerspielartiges Drama in der Abgeschiedenheit der Schwarzwaldhütte. Dominiert wird das ungleiche Personengeflecht von dem psychopathischen Gangster Luke, ganz herausragend verkörpert von Mielke.
Der erinnert nicht nur wegen seines auffälligen Schnurrbarts an Götz George, sondern wirkt hier tatsächlich in seinem gesamten Auftreten beinahe so wie der vielseitige Tausendsassa George in einigen seiner Rollen. Sollte irgendein „Tatort“-Redakteur einmal auf die Idee kommen, Schimanskis Sohn aus dem Hut zu zaubern – Mielke wäre die Idealbesetzung.
Aber auch das zunehmend zugespitzte Verhältnis zwischen den Ermittlern Tobler und Berg erfährt hier einen überraschenden Wendepunkt. Zuletzt wurde deren ohnehin etwas unklare Beziehung zusehends durch die Tatsache getrübt, dass Tobler wohl schon bald Bergs Vorgesetzte sein wird. Die Erkenntnisse, die nun auf Tobler einprasseln, lassen zumindest einen Schluss zu: so wie bisher wird es nie wieder sein.
„Tatort: Der Reini“. Sonntag, 16. November, 20.15 Uhr und in der ARD Mediathek.