Videoanalyse und offene Worte  Krisensitzung bei GW Firrel – stellt sich die Trainerfrage?

| | 12.11.2025 14:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das Firreler Trainer-Duo aus Julian Bennert (links) und Bernd Grotlüschen (rechts) ist nicht zufrieden mit den Leistungen ihrer Mannschaft. Nun wurden Fehler klar angesprochen. Foto: Jens Doden, Emden
Das Firreler Trainer-Duo aus Julian Bennert (links) und Bernd Grotlüschen (rechts) ist nicht zufrieden mit den Leistungen ihrer Mannschaft. Nun wurden Fehler klar angesprochen. Foto: Jens Doden, Emden
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Beim ostfriesischen Fußball-Landesligisten läuft die Saison anders als erwartet – schlechter. Jetzt wurde intern analysiert, woran es hapert.

Firrel - Bei GW Firrel hat sich die Stimmungslage seit dem euphorischen Saisonbeginn komplett gedreht. Das 3:5 nach 3:0-Führung im Heimspiel am Sonntag gegen den FC Schüttorf 09 war der „bisherige Tiefpunkt“, wie es Julian Bennert – Spieler, Kaderplaner und Co-Trainer beim ostfriesischen Fußball-Landesligisten – formuliert. „Erschreckend, desolat, vor allem in der Innenverteidigung“ sei die Leistung ab der 50. Minute gewesen.

So wurde am Dienstag in Firrel mal Tacheles geredet. Man kann es durchaus Krisensitzung nennen. Mehr als eine Stunde lang sprachen die Beteiligten darüber, woran es aktuell hapert, ehe es kurz noch auf den Platz ging, um den Spaß am Kicken wiederzufinden. „Es war ein offener Dialog, da wurde es auch mal lauter. Das muss aber niemand persönlich nehmen“, sagt Bennert. Auch einige Spieler ergriffen das Wort. Jeder sollte sich im Vorfeld das Videomaterial aus dem Schüttorf-Spiel anschauen, von dem einige Szenen am Dienstag gemeinsam analysiert wurden. Solch eine Videoanalyse gab es nun in Firrel erstmals.

Firrel-Trainer Bernd Grotlüschen hofft auf ein taktisch besseres Auftreten seiner Mannschaft. Foto: Jens Doden, Emden
Firrel-Trainer Bernd Grotlüschen hofft auf ein taktisch besseres Auftreten seiner Mannschaft. Foto: Jens Doden, Emden

Einstellung und taktisches Verständnis passt nicht

Gemeinsam kam man zu der Erkenntnis, dass sich das allgemeine Auftreten, das taktische Verständnis und vor allem das Defensivverhalten schleunigst verbessern müssen. Mit 45 Gegentoren in 14 Partien ist GW Firrel aktuell die Schießbude der Landesliga. „Besonders problematisch war zuletzt, dass sich Spieler nicht an taktische Vorgaben gehalten haben. Wir spielen Mann gegen Mann, keine Raumdeckung“, sagt Julian Bennert. „Wir können und wollen Fußball spielen. Da kann die Kette hinten nicht stehen bleiben, wenn wir vorne pressen wollen. Noch dazu haben wir bei eigenen Führungen gefühlt Angst, das Spiel zu gewinnen. Wir brauchen wieder Selbstsicherheit.“

Für Kapitän Tim Schouwer, der am Dienstag bei der Besprechung allerdings nicht dabei sein konnte, ist es vor allem eine Einstellungsfrage. „Wir haben eine landesligaerfahrene Truppe, die im Sommer nochmal gut verstärkt wurde. Doch nur Potenzial reicht nicht. Ich erwarte, dass sich jeder zu 100 Prozent reinhängt, wenn er spielt, und sich nicht hinter anderen versteckt“, sagt Schouwer.

Hartes Programm bis zur Winterpause

Nach starker Vorbereitung, hochklassigen Neuzugängen und einem souveränen 3:1-Auftaktsieg gegen Vizemeister BW Papenburg herrschte Anfang August Optimismus im Firreler Team und bei den Verantwortlichen. Man könnte vielleicht in der Spitzengruppe mitmischen – die Top-Fünf sollten es auf jeden Fall sein. Von diesem Saisonziel haben sich die Verantwortlichen nach nun 14 absolvierten Partien mittlerweile verabschiedet. Es zählt der Klassenerhalt. Mit 16 Punkten steht GW Firrel auf dem ersten Abstiegsplatz – drei Punkte Rückstand auf das rettende Ufer.

Drei Spiele sind es noch in diesem Jahr – ausgerechnet gegen die ersten drei Teams der Tabelle. Dennoch müssen da Punkte her. „Sonst wird der Winter sehr zermürbend und auch die Rückrunde schwer“, prognostiziert Tim Schouwer. „Vielleicht tut es uns nun aber auch mal gut, dass wir nicht der Favorit sind.“ Am Freitag gastiert Firrel um 20 Uhr bei Spitzenreiter BW Papenburg – jenen Gegner, den Firrel am ersten Spieltag zu Hause geschlagen hatte.

Im Hinspiel am ersten Spieltag besiegte Firrel den Gast aus Papenburg mit 3:1. Jetzt steht das Rückspiel an. Manuel Suda (Mitte) wird Firrel allerdings verletzungsbedingt fehlen. Foto: Heiner Lohmann
Im Hinspiel am ersten Spieltag besiegte Firrel den Gast aus Papenburg mit 3:1. Jetzt steht das Rückspiel an. Manuel Suda (Mitte) wird Firrel allerdings verletzungsbedingt fehlen. Foto: Heiner Lohmann

Klubboss nimmt Spieler in die Pflicht

„Am Freitag werden wir sehen, ob die Besprechung gefruchtet hat“, sagt Co-Trainer Julian Bennert. Trotz der sportlich schwierigen Lage stehen Cheftrainer Bernd Grotlüschen und Bennert nicht zur Debatte. Die Mannschaft hat signalisiert, hinter dem Trainerteam zu stehen. Auch Klubboss Johannes Poppen stärkt Grotlüschen und Bennert den Rücken. „Wir haben uns das diese Saison anders vorgestellt, aber dennoch: Wir sind ein kleiner Dorfverein und im achten Jahr in der Landesliga. Das ist eine Sensation. Unsere Trainer haben viel geleistet, da herrscht vollstes Vertrauen. Da läuten keine Alarmglocken, die werden auch nicht läuten“, so Poppen.

Der Vorsitzende nimmt die Spieler in die Pflicht. „Es gefällt mir gar nicht, dass wir hinten so instabil sind. In der Winterpause sortieren wir uns neu und werden dann vielleicht auch reagieren“, sagt Poppen. Kaderplaner Julian Bennert hält vor allem Ausschau nach einem Innenverteidiger.

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