Frankfurt am Main  Wie sicher ist die Rente? Warum es ohne private Vorsorge nicht mehr geht

Andreas Knoch
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Von Andreas Knoch
| 12.11.2025 10:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der neue Altersvorsorge-Report zeigt: Das Vertrauen in die gesetzliche Rente ist massiv gesunken. Was sind die Folgen? Foto: IMAGO/Bihlmayerfotografie
Der neue Altersvorsorge-Report zeigt: Das Vertrauen in die gesetzliche Rente ist massiv gesunken. Was sind die Folgen? Foto: IMAGO/Bihlmayerfotografie
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Das Vertrauen in die gesetzliche Rente erodiert. Eine große Mehrheit der Deutschen bezweifelt, dass das System langfristig verlässlich ist. Private Vorsorge ist daher Pflicht. Doch es zeigt sich: Viele Deutsche sind in diesem Bereich schlecht informiert.

Wenn es ein Zitat gibt, das für alle Zeiten unauslöschlich mit einem Politiker verbunden ist, so ist es das: „Die Rente ist sicher!“ Es stammt vom ehemaligen Bundesarbeitsminister Norbert Blüm, und gesagt hat der CDU-Politiker das im Jahr 1986. Heute, knapp 40 Jahre später, stimmt die Aussage sicher nicht mehr. Und das dämmert auch immer Deutschen. 83 Prozent der Bürger halten die umlagefinanzierte gesetzliche Rente für nicht mehr zukunftssicher.

Das ist das zentrale Ergebnis des neuen „Altersvorsorge-Report 2025“, den die Deutsche Bank und deren Fondstochter DWS jüngst veröffentlicht haben. Er basiert auf einer Befragung des Meinungsforschungsinstituts Civey, das im Auftrag der beiden Geldhäuser 3200 Personen im Alter von 18 bis 65 Jahren befragt hat. Bei einer vergleichbaren Studie aus dem Jahr 2019 teilte nur jeder Zweite diese Sorge.

Heute gehen die meisten davon aus, dass die staatliche Rente künftig nur noch eine Grundsicherung bieten kann. Das zeigt, wie sehr das Vertrauen in die gesetzliche Rentenversicherung allein in den vergangenen sechs Jahren erodiert ist.

Gleichzeitig zeigen sich die Bürger offen für Reformen und sind bereit, stärker privat vorzusorgen. Allerdings klafft zwischen der Einsicht und dem tatsächlichen Handeln eine große Lücke: Viele scheitern daran, ihre Vorsorgepläne in die Tat umzusetzen. „Den Menschen wird immer klarer, dass sie ihren gewohnten Lebensstandard im Alter nur durch zusätzliche private Vorsorge sichern können. Dennoch fällt es ihnen schwer, dieses Thema frühzeitig und wirksam anzugehen“, sagt Deutsche-Bank-Manager Claudio de Sanctis.

Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass sich viele Befragte schlecht informiert fühlen oder durch die komplexen Vorsorgeprodukte der Finanzindustrie abgeschreckt sind. Deshalb braucht es leicht verständliche Angebote, die besonders junge Menschen und Frauen motivieren und befähigen, frühzeitig vorzusorgen. Neue Ideen wie das Altersvorsorgedepot, das Teil der reformierten Riester-Rente werden soll, oder die Frühstart-Rente kommen deshalb gut an.

Mit der Frühstart-Rente will der Staat ab dem kommenden Jahr eine private Altersvorsorge für Kinder mit voraussichtlich zehn Euro im Monat unterstützen. Zwei Drittel der im Altersvorsorge-Report befragten Bürger gaben an, dass sie bei einer solchen Regelung die staatlichen Zuschüsse durch private Zuzahlungen aufstocken wollen. Ein wenig Anleitung, das ist es wohl, was sich die meisten Deutschen wünschen. Denn freiwillig sorgt nur eine Minderheit für den Ruhestand vor.

„Ein zentraler Schlüssel für eine auskömmliche Altersvorsorge bleibt der Kapitalmarkt, der einen langfristigen Vermögensaufbau ermöglicht“, erklärt de Sanctis. Und seiner Erfahrung nach zeigen sich auch immer mehr Deutsche offener für kapitalmarktorientierte Altersvorsorgeprodukte. Dass das funktionieren kann, zeigt der Blick ins Ausland: Viele unserer europäischen Nachbarländer haben ihre Altersvorsorgesysteme bereits auf ein breiteres Fundament gestellt, indem sie umlagefinanzierte mit kapitalgedeckten Elementen kombinieren.

Allerdings dominieren hierzulande nach wie vor klassische und konservative Vorsorgeformen die private Altersvorsorge, was sich den Studienautoren zufolge zum Teil auf das fehlende Wissen vieler Anleger zurückführen lässt: Besonders beliebt sind Lebens- und Rentenversicherungen (51 Prozent); auch die Riester-Rente bleibt relevant (34 Prozent).

Und obwohl 62 Prozent der Befragten bereit wären, für mehr Rendite auch mehr Risiko einzugehen, rangieren ETF-Sparpläne (27 Prozent) noch dahinter. Lediglich bei Jüngeren zeichnet sich ein Trend zu Aktien und Fonds ab.

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