U35 – die Kolumne So wird man beim TÜV zum Trendsetter
In unserer Kolumne „U35“ geben wir jungen Redakteurinnen und Redakteuren unter 35 Jahren eine Stimme. Diese Woche schreibt Deike Terhorst über unfreiwillige Trends bei der Hauptuntersuchung.
Als ich vor zwei Jahren mein Master-Studium in Münster beendete und als frischgebackene Historikerin nach Ostfriesland zog, um hier mein Volontariat zu beginnen, war schnell klar: Ich brauche ein Auto. Mit lediglich zwei Bahnhöfen und Bussen, die nur alle Jubeljahre fahren, geht es in unserer schönen Region einfach nicht anders. Der Gebrauchtwagenmarkt war zu diesem Zeitpunkt völlig übergeschnappt, wenn es um das begrenzte Budget einer mittellosen Studentin ging – aller Wahrscheinlichkeit nach ist er es heute noch.
Nach intensiver Suche haben mein Vater und ich einen Seat Ibiza aus dem Jahr 2009 aufgespürt. Der hellgrüne Flitzer strahlte mich auf dem Parkplatz eines kleinen Gebrauchtwagenhändlers in Wardenburg an – es war Liebe auf den ersten Blick. Diese Liebe ließ man sich vor Ort teuer bezahlen, für meinen spanischen Schlitten, der zuvor Station in Hamburg gemacht hatte, musste ich tief in die Tasche greifen. Immerhin gab’s frischen TÜV und neue Allwetterreifen dazu.
Danach hielt sich der grüne Blitz für ein mittlerweile 16 Jahre altes Auto mit 163.000 Kilometern auf der Uhr erstaunlich gut: Okay, die Klimaanlage ist kaputt und ich brauchte in diesem Jahr einen neuen ABS-Sensor, aber bis auf ein paar Verschleißteile und den jährlichen Ölwechsel hatte ich Ruhe. Meine Liebe wurde offenbar erwidert.
Satz mit X, das war wohl nix!
Deswegen war ich auch völlig unbesorgt, als ich vergangenen Monat einen TÜV-Termin bei der Werkstatt meines Vertrauens vereinbarte. Tja, was soll ich sagen? Die treulose Tomate ließ mich im Stich und fiel durch. Durch den vorderen linken Kotflügel hatte sich Rost gefressen und ein Bremsklotz erzielte nicht mehr die gewünschte Wirkung. Dinge, die passieren, wenn die Karre das ganze Jahr über bei Wind und Wetter am Straßenrand vor der Haustür steht.
Offenbar bin ich aber in guter Gesellschaft, wenn sich der Technische Überwachungsverein auf Deutschlands fahrbare Untersätze stürzt. Wie ich erst kürzlich in einem Artikel las, kommen nicht einmal zwei Drittel aller Fahrzeuge ohne Mängel durch die Hauptuntersuchung. Nachdem ich den ersten Schock überwunden hatte, stellte sich übrigens alles als harmlos heraus: Der Rost wird großflächig entfernt und ein neuer Bremsklotz ist auch schnell angebracht. Falls Ihnen also demnächst ein grüner Ibiza mit einem schwarzen Fleck am Kotflügel begegnet, haben Sie eine rasende Reporterin gesichtet. Na ja, so wie man es mit 86 PS nun einmal sein kann.
U35 – die Kolumne
Deike Terhorst (29) ist Volontärin bei der Zeitungsgruppe Ostfriesland. In dieser Kolumne kommen jeden Dienstag Kolleginnen und Kollegen unter 35 Jahren zu Wort. Sie liefern einmal in der Woche eine junge Perspektive auf das Geschehen in der Welt und speziell in Ostfriesland.