Cottbus  VfL Osnabrück: Die beste Abwehr der Liga - und ein Matchwinner von der Bank

Susanne Fetter, Malte Artmeier
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Von Susanne Fetter, Malte Artmeier
| 09.11.2025 08:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Ein wichtiger Bestandteil der besten Abwehr der 3. Liga: Robin Fabinski vom VfL Osnabrück gewinnt den Zweikampf gegen den Cottbuser Anderson Lucoqui. Foto: Michael Titgemeyer
Ein wichtiger Bestandteil der besten Abwehr der 3. Liga: Robin Fabinski vom VfL Osnabrück gewinnt den Zweikampf gegen den Cottbuser Anderson Lucoqui. Foto: Michael Titgemeyer
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Der VfL Osnabrück hat die beste Abwehr der 3. Fußball-Liga - und stellte das auch beim 1:0-Sieg im Topspiel bei Energie Cottbus unter Beweis. Dazu entschied ein Einwechselspieler die Partie. Die Einzelkritik zum Spiel.

#24 Jannik Müller: Der Abwehrchef spielte wie gewohnt: abgeklärt und clever in fast jeder Aktion, sodass er selbst nur selten in wirklich bedrohliche Duelle kam. Der Kapitän spielt seine Rolle so konstant gut, wie kaum ein anderer Profi auf Drittliga-Level - und er ist damit die Leitfigur der besten Abwehr der Liga. Behielt gerade in der Schlussphase auch in Cottbus jederzeit die Ruhe, klärte Bälle und gewann seine Zweikämpfe. Mit dem Ball nicht ganz so eingebunden, wie sonst meistens.

#25 Niklas Wiemann: Der linke Mann der Dreierkette stand nach 27 Minuten völlig frei nach Kehls Freistoßflanke - und hätte den Ball aufs Tor bringen müssen, statt ihn quer zu köpfen. In der Offensive, auch im Spielaufbau, hatte er zwar seine Aktionen, brachte aber so manchen Pass nicht an den Mann. Im Kerngeschäft eines Verteidigers spielte er aber über 90 Minuten eine blitzsaubere Partie, genau wie seine Nebenleute. Ein einziger minimaler Fehler vor Rorigs Torchance, als er etwas zu ungestüm auf Cigerci rausrückte und den Ball nicht abfing, macht diesen Eindruck nicht zunichte.

#27 Robin Fabinski: Hatte es in der ersten Hälfte oft mit dem körperlich robusten Thiele zu tun, löste diese Aufgabe aber in vielen Fällen ohne große Probleme. Nach der Pause war er öfter vom quirligen Engelhardt gefordert, kochte auch diesen mehrfach souverän ab und zeigte seine großen Stärken im Bodenzweikampf. Ein einziger Fehlpass vor Rorigs Chance (72.) wurde gefährlich, ansonsten war der 22-Jährige aber vielleicht sogar der beste Osnabrücker Verteidiger - auch in der hektischen Schlussphase.

#37 Ismail Badjie (ab 61.): Führte sich mit einer herausgeholten Ecke ein, hatte dann zwei etwas unglückliche Aktionen - um schließlich zum 1:0 einzunetzen. Der Flügelspieler erkannte den freien Raum im Strafraum, sprintete hinein, nahm Meißners Zuckerpass sauber an und setzte den Ball stark ins rechte Eck - eine tolle Aktion des Eigengewächses, die das Spiel entschied. Das dritte Jokertor Badjies in dieser Saison, ein Zeichen für seine starke Entwicklung.

#21 Lukas Jonsson: Der VfL-Torwart war über das gesamte Spiel nur wenig gefordert. Klärte in der 15. Minute eine Guwara-Flanke mit einer Faust etwas zu zentral an den Strafraumrand, war ansonsten in der Strafraumbeherrschung aber sicher. Rettete in der zweiten Hälfte auch gegen Rorig etwas unkonventionell mit dem Knie, meisterte die Aufgabe aber vor allem, weil er lange stehen blieb und dem Cottbuser keine Ecke anbot.

#3 Frederik Christensen: Der Däne war auf der linken Bahn mit viel Offensivdrang unterwegs, kam aber nicht zu entscheidenden Situationen, weil ihn etwa Kehl einmal völlig frei übersah oder Kammerbauers Flanken nicht ankamen. In der Abwehr zunächst recht wenig gefordert, in der zweiten Hälfte pennte er vor Cigercis Möglichkeit aber einmal. Generell nach dem Seitenwechsel etwas unauffälliger, aber insgesamt kein schlechter Auftritt.

#11 Robin Meißner (bis 90+1): Der Mittelstürmer war schon in der ersten Minute zum ersten Mal in guter Position, wählte aber den schwierigen Querpass, der zur Ecke geklärt wurde. Bei seinem Abschluss in der 12. Minute war die Ballmitnahme nicht optimal, genauso wie der zu zentrale Abschluss. Erarbeitete sich in der 39. Minute mit einer starken Bewegung eine Chance, spielte sie aber nicht zielstrebig genug zu Ende: Der Querpass war zu schwach und ungenau, ein eigener Abschluss mit Zug Richtung langes Eck auch möglich. In der zweiten Halbzeit lange unsichtbar - bis zum 1:0: Sicherte den Ball herausragend, kappte ab und steckte dann fantastisch durch auf Badjie. Traf danach mit einer abgerutschten Flanke die Latte. 

#15 Bjarke Jacobsen: Kämpferisch spielte der Abräumer wie immer gut, mit dem Ball hatte in der ersten Hälfte nicht alles Hand und Fuß. Das wurde in der zweiten Hälfte zwar etwas besser, dafür machte der eingewechselte Cigerci den beiden VfL-Sechsern teilweise Probleme. Insgesamt keine schlechte Partie, aber nicht so dominant, wie man es schonmal gesehen hat vom Dänen. Ein unnötiges Foul an Moustfa (83.) führte zu einer herausragenden Freistoßposition für Cottbus - ansonsten war er in der Schlussphase einer der Türme in der Schlacht.

#18 Lars Kehl (bis 81.): Der Spielmacher hätte in der 3. Minute links auf Christensen legen müssen - das wäre die erste Hundertprozentige gewesen. Trat mit ein, zwei guten Verlagerungen in Erscheinung und war durchaus aktiv in der ersten Hälfte, tauchte danach aber ziemlich ab. Verlor vor Cigercis Chance in der 67. Minute den Ball leichtfertig gegen Rorig. Aktionen in Tornähe hatte er keine mehr und musste dann nach 81 Minuten vom Feld.

#26 Fridolin Wagner: Kam nach zwei Wochen ohne Startelfeinsatz mal wieder von Beginn an und versuchte, im Spielaufbau zu unterstützen, wo es ging, hatte aber ähnlich wie Jacobsen zu Beginn immer mal wieder technische Probleme. Warf sich dennoch insgesamt gut rein und zeigte sich vor allem beim Aufsammeln der zweiten Bälle in Verbindung mit Jacobsen sehr aufmerksam. War mit seiner Laufstärke und viel Einsatz ein maßgeblicher Faktor für die Stabilität des VfL.

#29 David Kopacz (bis 61.): Fand nicht ganz so oft die gefährlichen Räume vor und hinter der Abwehrkette wie noch in der Vorwoche gegen Duisburg - dementsprechend eine relativ unauffällige erste Hälfte. Hin und wieder blitzte seine technische Klasse auf, Durchschlagskraft entwickelte er aber nicht und wurde letztlich nach einer Stunde ausgewechselt.

#31 Patrick Kammerbauer: Der rechte Flügelläufer war viel unterwegs, vor allem nach vorne. Hatte in der Defensivbewegung wegen des Cottbuser zentrumslastigen Systems wenig Gegnerbezug und war dementsprechend dort erstmal kaum gefordert. Bei seinen Vorstößen war etwas mehr möglich, es fehlte aber an Genauigkeit bei den Hereingaben. Das änderte sich auch nach dem Seitenwechsel zunächst nicht: Zwischen der 55. und 58. Minute hatte er zwei Flanken aus guter Position, brachte sie aber nicht zum Mitspieler. Als der VfL tiefer stand, zeigte Kammerbauer aber auch, wie gut er verteidigen kann: Mit Cleverness und Einsatz gewann er einige Duelle, zog Fouls und sorgte dazu mit Ballsicherheit für Entlastung.

Nicht zu bewerten: #23 Tony Lesueur (ab 81.) und #14 Luc Ihorst (ab 90+1)

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