Cottbus VfL-Matchwinner Badjie: Als Joker denkt man immer, dass man das Spiel entscheiden kann
Nach dem 1:0-Sieg des VfL Osnabrück bei Energie Cottbus war Matchwinner Ismail Badjie natürlich überglücklich - lobte aber auch die Vorlage von Kollege Robin Meißner und die beste Defensive der Liga. Die Stimmen zum Spiel.
Ismail Badjie (Torschütze des VfL Osnabrück): Bei meinem Tor habe ich den Raum zwischen den beiden Innenverteidigern gesehen, Robin hat einen überragenden Pass gespielt. Ich hatte dann einen guten ersten Kontakt und relativ viel Zeit vor dem Tor und habe ihn gut weggemacht. Der Jubel gemeinsam mit Kevin (Wiethaup, Anm. d. Redaktion) bedeutet mir sehr viel. Wir sind zusammen aufgewachsen und groß geworden. Jetzt mit ihm die drei Punkte zu feiern, das geht nicht besser. Dass man die Spiele entscheiden kann, denkt man sich immer als Joker, gerade wenn die Spiele eng sind - das ist ja auch die Aufgabe. Man hat gesehen, dass Cottbus keine schlechte Mannschaft ist. In der ersten Halbzeit war es ausgeglichen. Wenn du dann reinkommst, musst du für entscheidende Momente sorgen, das habe ich heute ganz gut hinbekommen. Die Tabelle ist im Hinterkopf mit drin, aber wir schauen von Spiel zu Spiel. Die Saison ist lang und wir werden am Ende sehen, wozu es reicht. Dass wir die beste Abwehr der Liga haben, ist total verdient. Wir hauen uns in jeden Ball rein, gewinnen jeden Luft- und Bodenzweikampf - ein großes Lob an alle dafür.
Robin Meißner (Vorlagengeber zum 1:0): Ich habe mich darauf konzentriert, mich an der Seitenlinie durchzusetzen und das Duell zu gewinnen. Dann habe ich hochgeschaut und gesehen, dass Isy den Laufweg anbietet. Der Pass war dann gut, aber wie Isy ihn annimmt und in die Ecke schiebt, ist mindestens genauso gut. Cottbus steht nicht zu Unrecht da oben - man hat gesehen, was für Stärken sie haben. Das Wort „Abnutzungskampf“ beschreibt es ganz gut. Die erste Halbzeit war etwas mehr auf unserer Seite, weil wir uns immer wieder gut gelöst und hinten rausgespielt haben, aber nicht entscheidend genug vors Tor gekommen sind. Cottbus hatte in der zweiten Hälfte die eine Chance durch Rorig, aber hinten raus haben wir das erste Tor geschossen. Wir stehen hinten sehr, sehr gut. Die Jungs machen einen Riesenjob. Die Tabelle lügt nicht, das wissen wir alle. Aber wir sind gut damit beraten, von Spiel zu Spiel zu schauen. Es bringt nichts, täglich draufzuschauen und sich verrückt zu machen. Wir müssen weiterarbeiten und demütig bleiben.
Fridolin Wagner (Mittelfeldspieler des VfL): Es war ein klassisches Drittliga-Spiel. In der ersten Halbzeit hatten wir noch unsere Aktionen, aus denen wir etwas mehr machen können. In der zweiten Hälfte war es ein kompletter Abnutzungskampf. Aber es fühlt sich geil an. Ich war jetzt zwei Spiele raus, Kevin (Wiethaup) hat auf meiner Position super Spiele gemacht. Das Wichtigste ist, dass wir es uns gegenseitig gönnen. Wir geben alle Gas, probieren so viel wie möglich zu spielen und der Trainer muss entscheiden. Es ist eine große Stärke von uns, das zu akzeptieren und weiter Gas zu geben. Ich wusste seit heute Morgen, dass ich spiele. Der Trainer hat mir gesagt, ich soll mein Spiel spielen, vor allem defensiv schauen, dass wir die Jungs von denen unter Kontrolle bekommen. Das ist uns lange gut gelungen, weil wir uns in jeden Ball reingepusht haben. Auf die Tabelle schaue ich noch nicht. Klar sind Punkte wichtig, gerade, um in Ruhe arbeiten zu können. Man darf nie vergessen, dass wir eine neu zusammengestellte Mannschaft sind. Wir haben uns schnell gefunden und uns mit den Punkten Ruhe verschafft, um weiter gut zu arbeiten und Dinge zu verbessern. Das ist so angenehmer, als wenn wir mit zwölf Punkten unten stehen würde. Aber wir schauen immer weiter, wo wir ansetzen müssen, um weitere Schritte zu gehen.
Timo Schultz (Trainer VfL Osnabrück): Erste Halbzeit haben wir sehr gut ins Spiel gefunden, unsere Möglichkeiten aber nicht so gut genutzt. Mit der Einwechslung von Cigerci wurde Cottbus dann dominanter und wir haben es leider nicht mehr so gut geschafft, uns zu befreien. In die eigentliche Druckphase, schießen wir dann aber ein sehr schönes Tor, das Robin Meißner herausragend vorbereitet hat. Mit ein bisschen Glück und Geschick konnten wir das dann über die Zeit retten, dementsprechend glücklich fahren wir nach Hause. Ob das ein Topspiel war? Da muss man nur auf die Tabelle schauen. Topspiel heißt ja auch nicht, dass es 5:4 ausgehen muss. Heute waren hier zwei Mannschaften erst einmal um ihre eigene Statik bemüht und darum, wenig zuzulassen. Ein Augenschmaus war es nicht, aber wenn man sich das Spiel unter diesem Gesichtspunkt angeschaut hat, war das von beiden Mannschaften eine Topleistung.
Claus-Dieter Wollitz, Trainer Energie Cottbus: Es war klar, dass spätestens nach der ersten Halbzeit eine Situation das Spiel entscheidet. Wir haben zwei - eine durch Tolcay Cigerci, eine durch Henry Rorig. Dann im Gegenzug verlieren wir den Zweikampf. Den brauchen wir eigentlich nur rausdrücken. Machen wir nicht. Ich kann nicht hundertprozentig sagen, ob wir uns dann da anders verhalten können. Fakt ist, dass es ein sehr guter Pass war, mit einem sehr guten Timing und einem guten Abschluss. Es war klar, dass es heute viel um Disziplin und Ordnung geht. Ich finde, das hatten wir. In der zweiten Halbzeit haben wir ein Stück schneller gespielt, das konnte der Gegner dann auch nicht mehr so anlaufen. Wir haben viele gute Zweikämpfe gesehen und hatten alles unter Kontrolle. Aber so ist das manchmal. Wenn du einmal die falsche Entscheidung triffst oder ihn vorher nicht selbst machst, dann bekommst du eben manchmal ein Gegentor. Wir haben noch versucht, den Ausgleich zu erzielen, hat nicht geklappt.