Landwirtschaft  Wird ostfriesischer Grünkohl dieses Jahr teurer?

Rilana Kubassa
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Von Rilana Kubassa
| 08.11.2025 12:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
In Niedersachsen beginnt im November die Grünkohlernte. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa
In Niedersachsen beginnt im November die Grünkohlernte. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa
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Im November beginnt die Grünkohlernte. Während kleinere Betriebe aus der Region gute Bedingungen für den Kohl sehen, hatten Groß-Anbauer offenbar Probleme.

Ostfriesland - Während die Preise für Nahrungsmittel wie Schokolade, Fleisch oder Fisch aufgrund der Inflation weiter steigen, war das Wetter für lokal angebautes Gemüse eher günstig. Oder doch nicht?

Laut der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK) rechnet man etwa beim Grünkohl, dessen Ernte nun anläuft, zwar mit guter Qualität, aber mit weniger Ertrag – und zum Teil auch mit höheren Preisen für die Endkunden.

Frühjahr stellenweise zu trocken, Sommer zu kalt

Grund für die nicht ganz positive Stimmung bei Landwirten ist offenbar das trockene und zu kalte Frühjahr, das bei den jungen Pflanzen für Startschwierigkeiten sorgte. Besonders auf leichten, sandigen Böden sei es für den Grünkohl im Sommer zu trocken gewesen, der Juli war zudem zu kalt, heißt es in einer Mitteilung der LWK. Zudem sorgte die Kohlmottenschildlaus (Weiße Fliege) stellenweise für Ernteausfälle. Für die Qualität des Kohls gebe es zwar gute Prognosen, nicht aber für die Erträge.

In Niedersachsen wächst der Löwenanteil des Grünkohls in den Landkreisen Vechta und Lüneburg, rund um Bremen, Hannover und Hamburg. Für den Handel wird das Wintergemüse maschinell geerntet und gefrostet. Laut LWK könnte es in kleineren Betrieben, wo von Hand geerntet wird, aufgrund gestiegener Lohnkosten zu Preissteigerungen kommen.

Ostfriesischer Grünkohl hatte gute Bedingungen

Dass das beliebte Wintergemüse in diesem Jahr teurer werden könnte, kann Cornelis Vermue aus Bunde nicht bestätigen. „Der Grünkohl wird gut“, sagt er über die anstehende Ernte. Etwa 600 Grünkohlpflanzen wachsen auf seinem Acker in Bunderneuland. Der Kleiboden hier gilt als besonders fruchtbar. „Der Boden ist gut, nicht zu trocken“, so Vermue. Grünkohlfreunde können das Gemüse direkt im Hofladen von Cornelis und Heidine Vermue kaufen.

Auf dem Biolandhof Freese in Rhauderfehn wird schon der erste Grünkohl geerntet und ist auch schon im Hofladen und im Leeraner Geschäft zu kaufen, wie Landwirt Heiko Freese berichtet. Seinen 5000 Grünkohlpflanzen gehe es bestens in diesem Jahr, auch wenn der August etwas trocken gewesen sei. „Das Frühjahr war zwar auch trocken, aber wir pflanzen den Grünkohl erst im Juni“, so Freese. Die Zeit bis zur Ernte im November reicht nach seiner Erfahrung aus für gut ausgebildete Pflanzen. Nässe sei eher kein Problem gewesen, weil der Boden hier recht leicht und durchlässig sei und das Wasser nicht stehen bleibt.

Preisanstieg bei hiesigem Grünkohl nicht unwahrscheinlich

Und wie sieht es mit der Qualität aus? „Der Grünkohl schmeckt gut, wir haben ihn selbst schon gegessen“, erzählt Freese. Wegen der kühlen Nächte, die es in Ostfriesland in diesem Herbst schon gab, seien die Bitterstoffe im Kohl schon gegen Zucker ausgetauscht. „Das ist ja ein längerer Prozess“, sagt er. Entgegen des noch immer vorherrschenden Mythos, dass Grünkohl erst nach einem Frost gut sei, betont der Fachmann: „Dafür reichen schon Temperaturen unter 10 Grad über einen längeren Zeitraum.“

Auch hier ist – zumindest in diesem Jahr – kein Preisanstieg zu erwarten. „In diesem Jahr kostet der Grünkohl so viel wie im letzten Jahr“, so Freese. Auf Dauer sei das Preisniveau bei den steigenden Löhnen aber wohl nicht zu halten. „Die Ernte per Hand ist sehr arbeitsintensiv und auch kostenintensiv“, erklärt Freese.

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