Osnabrück  Vogelgrippe-Fallzahlen explodieren: Grafik und Karten zeigen rasanten Anstieg

Christian Ströhl
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Von Christian Ströhl
| 07.11.2025 16:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Hühner in Freilandhaltung sieht man in Norddeutschland aktuell selten. Grund sind Stallpflichten für Geflügel aufgrund der grassierenden Vogelgrippe. Foto: IMAGO/Panama Pictures
Hühner in Freilandhaltung sieht man in Norddeutschland aktuell selten. Grund sind Stallpflichten für Geflügel aufgrund der grassierenden Vogelgrippe. Foto: IMAGO/Panama Pictures
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Die Vogelgrippe-Saison 2025 steuert in Deutschland auf einen neuen Höhepunkt hin. Besonders in Norddeutschland ist die Lage ernst: Von Schleswig-Holstein über Niedersachsen bis ins Münsterland zieht sich eine Kette von Ausbrüchen.

Eine aktuelle Grafik des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) zeigt deutlich: Die Vogelgrippe hat Deutschland in diesem Jahr mit ungewöhnlicher Wucht erreicht. Schon Anfang November 2025 wurden bundesweit über 1000 Fälle bei Wild- und Nutztieren registriert. Das Infektionsgeschehen nimmt damit eine steilere Kurve als in den Vorjahren, insbesondere seit Mitte Oktober, als die Fallzahlen regelrecht explodierten.

Deutschlandweit sind laut FLI bereits mehr als 760.000 Tiere verendet oder getötet worden. Besonders betroffen ist erneut Niedersachsen, das als Hochburg der Geflügelhaltung gilt. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums wurden allein dort bisher über 30 Ausbrüche in Betrieben bestätigt.

Die Landkreise Cloppenburg, Diepholz, Vechta und Emsland stehen im Zentrum des Geschehens – Regionen, in denen Zehntausende Puten, Enten und Gänse vorsorglich gekeult werden mussten.

Das FLI bewertet das aktuelle Risiko weiterhin als „hoch“. Diese Karten, die das FLI wöchentlich aktualisiert, zeigen das aktuelle Infektionsgeschehen in Europa und Deutschland. Im Vergleich zur Vorwoche (23.10.) ist ein deutlicher Anstieg zu erkennen.

„Wir sehen weiterhin stetig steigende Zahlen, eine Beruhigung der Lage ist nicht in Sicht. Auf der Europakarte ist anhand der Fälle bei Wildvögeln eindrücklich quasi der Herbstvogelzug Richtung Südwesten abzulesen.“, so FLI-Präsidentin Prof. Dr. Christa Kühn.

Aufgrund des dynamischen Geschehens seien die Zahlen lediglich eine Momentaufnahme.

Nun ist die Vogelgrippe auch im Landkreis Osnabrück angekommen. Zwei Wildvögel aus dem Venner Moor – eine Gans und ein Kranich – wurden vom FLI positiv auf das Virus H5 getestet. Der Landkreis reagierte umgehend: Seit Freitag, 7. November, gilt für einzelne Geflügelhaltungen in Stadt und Landkreis eine Stallpflicht, die je nach Risiko verhängt wird. Eine flächendeckende Pflicht besteht zwar noch nicht, doch die Behörden haben die Risikobewertung verschärft.

Die Überwachungszone erstreckt sich derzeit auf Gebiete in Bohmte und Ostercappeln, wo Geflügelhalter ihre Tiere nun in geschlossenen Ställen oder unter schützenden Vorrichtungen halten müssen. Zudem gelten ein Verbringungsverbot für Geflügel und Eier, tägliche Tierkontrollen und strenge Hygieneregeln.

Der Landkreis ruft Halter auf, Futterstellen gegen Wildvögel abzusichern und tote Tiere zu melden. Insgesamt wurden bislang zwölf tote Wildvögel untersucht, sieben davon positiv auf Influenza A (H5). Fünf weitere Proben befinden sich noch in der Auswertung beim FLI.

Während Osnabrück bislang nur Einzelfälle meldet, zeigt sich in den umliegenden Regionen das volle Ausmaß der Tierseuche: Im Landkreis Vechta wurde am Dienstag der Verdacht auf Vogelgrippe in einem Betrieb mit 175.000 Legehennen bestätigt – der sechste Ausbruch innerhalb von eineinhalb Wochen.

Im Landkreis Cloppenburg mussten 10.500 Puten gekeult werden, in Diepholz rund 18.000 Puten und 2500 Gänse. Diese Ausbrüche führten zur Einrichtung großflächiger Sperr- und Überwachungszonen, die auch Teile des Landkreises Osnabrück betreffen.

Inzwischen gilt in 23 niedersächsischen Landkreisen und Städten eine Stallpflicht, in acht weiteren – darunter Osnabrück – ist sie auf besonders gefährdete Betriebe beschränkt.

Die Ausbrüche schlagen sich auch wirtschaftlich nieder: Geflügelfleisch ist vor dem Martinstag deutlich teurer geworden. In Nordrhein-Westfalen stiegen die Preise laut Statistikamt IT.NRW um 7,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr, frisches Fleisch sogar um 8,5 Prozent. Die Branche warnt, dass weitere Ausfälle und Keulungen das Angebot an Gänsen und Enten rund um die Feiertage weiter verknappen könnten.

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