Osnabrück  Ryanair streicht Flüge in ganz Deutschland – warum Münster/Osnabrück verschont bleibt

Jean-Charles Fays
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Von Jean-Charles Fays
| 08.11.2025 12:44 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
„Die Flughafenentgelte sind in Münster/Osnabrück etwas günstiger als an großen Airports, was den Standort attraktiv macht“, erklärt Ryanair-Sprecher Marcel Meyer, warum der FMO für die Airline weiterhin attraktiv ist. Foto: André Havergo
„Die Flughafenentgelte sind in Münster/Osnabrück etwas günstiger als an großen Airports, was den Standort attraktiv macht“, erklärt Ryanair-Sprecher Marcel Meyer, warum der FMO für die Airline weiterhin attraktiv ist. Foto: André Havergo
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Während Ryanair an vielen deutschen Flughäfen Flüge streicht, bleibt Münster/Osnabrück verschont – und bekommt sogar mehr Verbindungen. Warum der FMO für die Airline attraktiv bleibt und welche Rolle die deutschen Standortkosten dabei spielen.

Ryanair fährt in Deutschland das Angebot deutlich zurück – doch am Flughafen Münster/Osnabrück ist von diesem Sparkurs nichts zu spüren. Während an großen Airports Verbindungen gestrichen werden, setzt die irische Airline auf den FMO als kleine, kostengünstige Alternative.

„Wir kürzen 800.000 Sitze aus dem deutschen Markt und streichen 24 Routen an neun unserer 14 Standorte in Deutschland. Am FMO und an wenigen anderen kleinen Regionalflughäfen finden hingegen keine Kürzungen statt – dort gibt es sogar leichtes Wachstum“, sagt Ryanair-Sprecher Marcel Meyer unserer Redaktion.

Ryanair stört sich seit Jahren an der deutschen Luftverkehrssteuer und anderen Kosten. Zuletzt kürzte die Airline daher ihr Angebot aus Deutschland – und behält diesen Kurs nun bei. Daher will die Fluggesellschaft im Winterflugplan insgesamt rund zehn Prozent weniger Sitzplätze anbieten als zunächst geplant.

Betroffen sind neun Flughäfen: Memmingen, Berlin-Brandenburg, Baden-Baden, Köln/Bonn, Frankfurt-Hahn, Weeze, Hamburg, Nürnberg und Bremen. Dortmund, Dresden und Leipzig sollen weiterhin nicht angeflogen werden. Laut Ryanair ist das eine „direkte Folge des anhaltenden Unvermögens der Bundesregierung, die hohen Zugangskosten in Deutschland zu senken“, wie die Airline mitgeteilt hatte.

Ryanair-Sprecher Meyer erklärt: „Deutschland ist für Airlines derzeit extrem unattraktiv, was die Standortkosten angeht. Das betrifft nicht nur Ryanair, sondern auch andere Fluggesellschaften.“ Daher würden Kapazitäten zunehmend ins Ausland verlagert – „oder an Regionalflughäfen mit angemesseneren Kostenstrukturen als etwa Berlin, Köln oder Hamburg“, wie Meyer betont.

Für Ryanair summieren sich am Standort Deutschland mehrere Gebührenarten: „Für uns fallen pro abfliegendem Passagier 15,53 Euro Luftverkehrssteuer an – diese Steuer gibt es in vielen anderen Ländern gar nicht“, erläutert Meyer die Kostenstrukturen. „Hinzu kommen Sicherheitskosten, die je nach Flughafen variieren. In Münster/Osnabrück liegen sie bei rund elf Euro und damit im Mittelfeld.“ Die Flughafenentgelte seien in Greven damit etwas günstiger als an großen Airports, was den FMO attraktiv mache.

Trotz seiner überschaubaren Größe sieht Ryanair den FMO als stabilen Partner. „Der FMO ist im deutschen Ryanair-Netzwerk zwar kein großer Standort, aber er entwickelt sich positiv. Wir sind mit dem Flughafenmanagement im konstruktiven Austausch und wollen Schritt für Schritt neue Strecken aufbauen“, kündigt Meyer an.

Im aktuellen Winterflugplan bietet Ryanair ab Münster/Osnabrück Flüge nach Alicante, London, Malaga und Mallorca an. Die beiden Sommerverbindungen London und Malaga wurden in den Winter verlängert. Für den Sommerflugplan 2026 arbeitet Ryanair bereits an möglichen Erweiterungen: „Wir arbeiten daran, für den Sommerflugplan 2026 weitere attraktive Ziele ins Programm zu nehmen – etwa in Portugal oder Griechenland.“ Für konkrete Aussagen dazu sei es aktuell aber noch zu früh. Möglich sei auch, dass es keine neuen Verbindungen geben wird.

Ein grundsätzliches Wachstum in Deutschland erwartet Ryanair derzeit nicht. „Deutschland ist das teuerste Land in Europa. Es wird hier auf absehbare Zeit kein Wachstum geben, weil alle Airlines Flugzeuge tendenziell aus Deutschland abziehen. Wir haben der Bundesregierung einen siebenjährigen Wachstumsplan vorgelegt, der 1000 neue Jobs schaffen würde, wenn Luftverkehrssteuer abgeschafft und Flugsicherungsgebühren gesenkt würden – bislang gab es darauf keine Reaktion“, so Meyer.

Ab dem 12. November akzeptiert Ryanair außerdem nicht mehr Bordkarten aus Papier. „Der Online-Check-in ist verpflichtend, die Bordkarte muss digital vorliegen. Falls jemand kein Smartphone oder keinen Akku hat, kann sie im Notfall am Flughafen-Schalter ausgedruckt werden“, erklärt Meyer. Über 80 Prozent der Ryanair-Kunden würden ohnehin schon digitale Bordkarten nutzen.

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