Frauen, die Wiesmoor bewegen Alltagsheldin hilft, wo sie gebraucht wird
Bei den Alltagshelden Ostfriesland koordiniert Lisa Mentz Hilfe, die ankommt: unbürokratisch und anonym. Wie es ist, mit wenig auskommen zu müssen, weiß sie aus eigener Erfahrung.
Wiesmoor - Während draußen die Temperaturen ungemütlich werden, herrscht im kleinen Lagerraum bei den Alltagshelden Ostfriesland in der Hauptstraße 216 in Wiesmoor eine freundliche Atmosphäre. Zwischen hohen Regalen voller Kleidung, Spielzeug und Küchenutensilien laufen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch die schmalen Gänge, sortieren Sachspenden ein, falten Kinderpullover und suchen zusammen, was in die Bedarfspakete gepackt werden soll.
Bedarfspakete, das sind Kartons, in die hineinkommt, was die Spendenempfänger brauchen. Wer sich in einer Notlage befindet, weil er einen Schicksalsschlag erlitten hat oder weil das Geld einfach nicht reicht für alltägliche Dinge wie Kleidung, Schulranzen und Spielzeug für die Kinder, kann sich an die Alltagshelden in Wiesmoor wenden und erhält unbürokratisch Hilfe – in ganz Ostfriesland. Koordiniert werden die Spenden von Lisa Mentz (33) aus Großefehn.
Immer mehr Familien nehmen Hilfe in Anspruch
3000 bis 3500 Personen sind aktuell in der Spendenkartei verzeichnet, schätzt sie. Die Zahl der Anfragen steigt stetig. „Vor allem Familien wenden sich zunehmend an uns“, sagt die Frau mit den langen braunen Haaren und der dicken Strickjacke. Wenn sie erzählt, warum ihre Arbeit ihr wichtig ist, wird es persönlich. Lisa Mentz ist seit elf Jahren alleinerziehend und weiß, was es heißt, mit wenig Geld auskommen zu müssen. „Gerade wenn Kinder dabei sind, ist die Arbeit deshalb für mich eine absolute Herzensangelegenheit“, sagt sie.
Als Ein-Euro-Jobberin kam sie 2019 zu den Alltagshelden. Mittlerweile verwaltet die gelernte Zoofachverkäuferin die Anfragen und Spenden, nimmt Anrufe entgegen, ist zuständig für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die ehrenamtlich Helfenden, schreibt Berichte und Posts für Facebook. Im Jahr 2018 zog Mentz aus Hagen in Nordrhein-Westfalen hierher. Ostfriesland sei ein Sehnsuchtsort ihres Vaters gewesen, erzählt sie. Nur mal so hätten sie sich hier auf dem Wohnungsmarkt umgesehen und seien dann tatsächlich in den Norden gekommen. Der Umzug sei ein Neubeginn gewesen. „Mein Sohn hat sich hier sofort wohlgefühlt“, erinnert sich Lisa Mentz. Auch sie fühlt sich in Ostfriesland zu Hause. Vor allem die Nähe zur Natur gefällt ihr.
Oft wird es emotional
Natur als Ausgleich zum Alltag, der, berufstätig und alleinerziehend, schon trubelig genug ist. Zudem kann die Arbeit bei den Alltagshelden sehr emotional werden. Die Scham über die Bedürftigkeit ist bei vielen, die sich an die Alltagshelden wenden, groß. „Ich habe schon erlebt, dass sich eine Mutter entschuldigte, weil sie wieder größere Kleidung für die Kinder brauchte“, erzählt sie. „Ich versuche dann, die Scham zu nehmen, und sage, dass ich wirklich gerne helfe.“
Wenn die Spenden kommen, fließen auch oft Tränen, so Mentz. „Das haben wir in schicksalbehafteten Momenten oft, dass dann einfach die Tränen laufen, weil die Dankbarkeit so groß ist“, berichtet sie. „Das sind die Momente, wo ich weiß: ‚Du musst weitermachen!‘“
Der Job ist Herzenssache
Umso wichtiger ist dem Verein, der sich ausschließlich aus Spenden finanziert, dass die Hilfe weiterhin da ankommt, wo sie gebraucht wird. Das ist nicht immer einfach, da der Verein die Kosten selbst trägt. Aktuell stehe man vor der besonderen Herausforderung, dass der Transporter, mit dem die Spenden verteilt werden, nicht mehr weiter über Sponsoren finanziert wird. Der Vertrag sei ausgelaufen, so Mentz. „Ohne den Bus geht ein großer Teil unserer Arbeit verloren“, sagt sie. „Nur so können wir auch da helfen, wo jemand nicht mobil ist und die Spenden nicht bei uns abholen kann“, sagt sie. Ein großer Wagen sei wichtig, um zum Beispiel Möbel oder große Elektrogeräte zu transportieren. Nun will der Verein das Auto kaufen und hofft auf Spenden. 3000 von den nötigen 12.000 Euro seien schon zusammengekommen.
Für Lisa Mentz ist klar: Ihre Aufgabe bei den Alltagshelden ist eine Herzenssache. Im Team sei sie damit nicht allein. Sorgfältig werden die Kleidungsstücke geprüft, zusammengelegt und in die Regale sortiert. Alle geben sich Mühe bei der Auswahl der Spiele und Kleidungsstücke, die in die Pakete kommen. Und jetzt, kurz vor Weihnachten, gibt es manchmal noch einen Adventskalender für die Kinder dazu. Wenn sie nach der Arbeit nach Hause kommt, hat sie das gute Gefühl, etwas Sinnvolles getan zu haben, sagt Lisa Mentz. „Ich bin zwar nur eine Einzelperson, aber ich kann etwas bewegen“, sagt sie. Das gelte für das gesamte Team bei den Alltagshelden.
Information
Weitere Infos zu den Alltagshelden Ostfriesland, den Öffnungszeiten und Möglichkeiten zum Spenden gibt es unter www.alltagshelden-ostfriesland.de.