Bramsche Wie der Herbst im Garten ein buntes Spektakel entfacht und uns damit so glücklich macht
Wenn sich im Herbst Blätter und Halme verfärben, wird es im Garten bunt. Beachtlich, was dieses feurige Finale in uns Menschen auslöst. Dabei geht es auf den ersten Blick allein um den Abbau des Farbstoffs Chlorophyll. Eine Liebeserklärung an den Garten im Herbst.
Wenn die Tage kürzer werden und die Sonne tiefer steht, beginnt im Garten ein chemischer Prozess – auf den schnellen Blick erst einmal nur das. Blätter und Halme verfärben sich in leuchtenden Farben. Das Farbfeuerwerk der Bäume, Stauden und Gräser löst aber auch im Menschen Hochgefühle aus.
Das nachlassende Licht und die kühleren Temperaturen veranlassen die Pflanzen, den grünen Farbstoff Chlorophyll abzubauen – jener Stoff, der für Photosynthese zuständig ist und im Sommer das Laub so satt und grün erscheinen lässt und die anderen Pigmente schlicht überdeckt.
Was bleibt, sind die Pigmente, die bisher verborgen waren: sonnengelbe, leuchtend orangefarbene oder rote Karotinoide, knallig rote, violette oder blaue Anthocyane, gelbe Xanthophylle und zuletzt die warmen Brauntöne von Tanninen. So entsteht das herbstliche Mosaik, das den Garten in ein leuchtendes Farbenmeer verwandelt – ein letzter großer Auftritt vor der winterlichen Stille.
Die während des Frühjahres und des Sommers vom Chlorophyll untergebutterten Pigmente entfachen ein wahres Farbspektakel, indem sie die beeindruckende herbstliche Laubfärbung verursachen. Braun als Farbe tritt erst beim Absterben des Blattes auf. Ursache ist die Oxidation von Gerbstoffen zu braunen Farbstoffen (Phlobaphene).
Es ist wie ein Aufbäumen vor dem Winter - und das trifft auch uns Menschen. Ist es das Wissen um die Vergänglichkeit dieser beeindruckenden Bilder, das das Glück so intensiv macht? Wir spüren den Abschied und genießen die Pracht des Übergangs aufs Intensivste. Als wollten wir davon etwas mit in den Winter nehmen.
Es ist, als zeigte uns der Garten ein letztes Mal, was Fülle bedeutet – ohne Hast, in purer Schönheit, die unser Eingreifen nicht mehr benötigt. Als wolle er uns für unser Engagement während des gesamten Jahres belohnen.
Gräser fangen das Licht ein, als wären sie winzige Spiegel der Sonne. Ihre Gold- und Kupfertöne leuchten, während sich das Wasser in den filigranen Blüten fängt. Dazu die Stauden – Astern, Fetthennen, Kerzen-Knöterich – in voller Blüte. Die Farben sind tief und satt und strahlen sowohl Energie als auch Ruhe aus.
Das Bedürfnis, hier einzugreifen, ist durch die zurückliegende Gartensaison längst gestillt. Der Weg ist frei für puren Genuss. Und Zeit für das Quäntchen Melancholie, das mit der überwältigenden Pracht des Vergehens stets verbunden ist. Inmitten all der Farben fühlen wir uns als Teil dieses Kreislaufs – verbunden mit dem, was vergeht, und mit dem, was schon still heranwächst.
Vielleicht ist es auch das, was den Herbst für Gartenfreunde so erfüllend macht: Wir müssen nichts mehr tun, können aber, wenn wir wollen! Wir können den herbstlichen Garten einfach genießen, können aber auch noch pflanzen, gestalten, vorbereiten. Blumenzwiebeln in die Erde stecken, Stauden und Gehölze pflanzen, und bei Bedarf kleine und große Gartenprojekte zumindest noch beginnen.
Mit der Gartenarbeit im Herbst ist es ein wenig wie mit dem letzten kräftigen Aufblühen im Garten um diese Zeit: So wie alles im Garten bereits den Neubeginn in sich trägt, versprechen wir dem Garten und uns selbst, dass es im nächsten Jahr weitergehen wird. In unserem Tun spiegelt sich die Stimmung des Gartens: ein letztes kraftvolles Aufbäumen, bevor es dann wirklich Winter wird – und wir diese Pause brauchen und genießen.
So wird der feurige Herbstgarten zu einem Fest der Sinne und der Zuversicht. Wo Licht und Farbe einander noch einmal finden, schenkt uns der Garten das Erleben, dass jedes Ende auch ein Beginn ist. Der Garten ist eben kein Standbild, sondern ständig in Bewegung. Das muss der berühmte Staudenzüchter Karl Foerster gemeint haben, als er sagte: „Man geht nie zwei Mal in denselben Garten.“
Im bunten Finale des Herbstes liegt bereits die Kraft für alles, was kommt – und das Glück, es schon jetzt zu erahnen. Und wer genau hinschaut, sieht bereits jetzt Knospen und frisches Grün.
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