Neptundock Wohnen am Wasser in Emden – oder doch nicht?
Wo jetzt ein Industriegebiet im Emder Binnenhafen ist, könnte bald Wohnbebauung möglich sein. Doch wer will da bauen?
Emden - Wo früher in Industriebetrieben gehämmert, geschweißt, gelärmt später auch Waren umgeschlagen wurden, könnte theoretisch bald eine Wohnbebauung entstehen: beim Neptundock im Emder Binnenhafen. Das schließt das Areal an der Klappbrücke zwischen Nesserlander Straße und Emder Schiffsausrüstung ein. Schaut man von der Klappbrücke gen Hafen also die rechte Seite gegenüber vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt.
Die Stadt möchte für dieses Areal den Bebauungsplan von vor rund 50 Jahren ändern lassen. Statt eines Industriegebiets wäre dort dann ein „Urbanes Gebiet“, in dem soziale oder Sport-Einrichtungen gebaut werden könnten oder eben Wohnhäuser – auch direkt am Wasser.
Wie sieht es heute beim Neptundock aus?
Heute sind dort gar keine Industriebetriebe mehr, sondern nur noch Gewerbe, erklärte Stadtplaner David Malzahn im Stadtentwicklungsausschuss des Emder Rats am Mittwoch, 29. Oktober 2025. Vor Ort sind beispielsweise die Bädertechnik-GmbH Zimmer, ein Standort von Taxi Groblica (ehemals Elmenhorst), die Seniorenhilfe Waterkant, der Schweißbetrieb Noah Maritime und ein Gebrauchtfahrzeug-Händler. Hier sind aber auch mehrere offenbar brachliegende Grünflächen.
Alle Grundstücke dort seien in Privatbesitz und flächenmäßig recht gleich auf mehrere Eigner verteilt, so Malzahn. Bei den Eigentümern ist durch den Vorstoß der Stadt Unruhe ausgebrochen, wie einer von ihnen gegenüber dieser Redaktion schilderte. Müssen sie jetzt weichen? Müssen sie gar bauen oder auf ihrem Grund andere bauen lassen?
Kommt jetzt Wohnen am Wasser – oder nicht?
Das wäre den Grundstückseigentümern selbst überlassen, lässt sich Malzahns Worten entnehmen. Er sprach von einem „Angebotsbebauungsplan“. Es gebe aktuell „keine konkreten Vorhaben dahinter“. Das Gewerbe sei auch zukünftig möglich und die ansässigen Betriebe hätten sowieso Bestandsschutz, betonte er. Ein neuer Bebauungsplan zum „urbanen Gebiet“ könnte den Eignern sogar mehr Möglichkeiten einräumen, um ihre Hallen anders zu nutzen.
Dass es aber gut funktionieren könnte, wenn sich Wohnbebauung in ehemaligen Industriegebieten ansiedelt, zeigen Beispiele im Alten Binnenhafen – etwa der Neue Delft, so Malzahn. Auch gegenüber, wo sich das Hotel am Delft, die Restaurants Kabajs und Castos, die Kapitänshäusern und Gewerbe angesiedelt haben, klappe es sehr gut. Gleichzeitig erklärte er die eigentliche Absicht hinter der Bebauungsplan-Änderung.
Was hat die Stadt beim Neptundock vor?
Die Stadt will das komplette Gebiet rund um die Nesserlander Straße aufwerten. Dazu gehört auch das Projekt Hansator-Quartier mit 18 geplanten Wohnungen auf dem ehemaligen Fritzen-Gelände und der Abriss der Wohnhäuser an der Nesserlander Straße bei den Gleisen für moderne Neubauten mit gut 50 Wohnungen. David Malzahn erwähnte in dem Zuge auch noch die geplante Wohnbebauung des ehemaligen Ültje-Geländes an der Hansastraße.
Die zukünftigen Projekte – speziell das Hansator-Quartier und die geplanten Neubauten an der Nesserlander Straße – grenzen direkt an das Industriegebiet. Wenn diese Fläche also weiterhin für Industrie ausgewiesen bleibt, so David Malzahn, blockiere das die weitere Entwicklung des Areals rundherum. Industrie- und Wohngebiete vertragen sich nicht, denn in Industriegebieten gebe es keine Vorgaben für Lärm, Staub und andere Belastungen.
Bliebe hier das Industriegebiet ausgewiesen, auch wenn dort tatsächlich nur deutlich weniger störendes Gewerbe angesiedelt ist, müsste das auch bei den Plänen für die Wohnprojekte berücksichtigt werden. So wären noch strengere Vorgaben beispielsweise für den Lärmschutz, die Belüftung und die Raumaufteilung nötig, so Malzahn.