Neptundock  Wohnen am Wasser in Emden – oder doch nicht?

Mona Hanssen
|
Von Mona Hanssen
| 30.10.2025 16:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Blick von der Klappbrücke auf das Neptundock, in dem mehrere Gewerbebetriebe angesiedelt sind. Wenn es nach den Plänen der Stadt geht, könnte hier auch bald Wohnbebauung möglich sein. Foto: Mona Hanssen
Blick von der Klappbrücke auf das Neptundock, in dem mehrere Gewerbebetriebe angesiedelt sind. Wenn es nach den Plänen der Stadt geht, könnte hier auch bald Wohnbebauung möglich sein. Foto: Mona Hanssen
Artikel teilen:

Wo jetzt ein Industriegebiet im Emder Binnenhafen ist, könnte bald Wohnbebauung möglich sein. Doch wer will da bauen?

Emden - Wo früher in Industriebetrieben gehämmert, geschweißt, gelärmt später auch Waren umgeschlagen wurden, könnte theoretisch bald eine Wohnbebauung entstehen: beim Neptundock im Emder Binnenhafen. Das schließt das Areal an der Klappbrücke zwischen Nesserlander Straße und Emder Schiffsausrüstung ein. Schaut man von der Klappbrücke gen Hafen also die rechte Seite gegenüber vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt.

Das Neptundock-Areal erstreckt sich von der gleichnamigen Straße am Wasser bis zur Emder Schiffsausrüstung und der Nesserlander Straße. Quelle: Screenshot von GoogleMaps
Das Neptundock-Areal erstreckt sich von der gleichnamigen Straße am Wasser bis zur Emder Schiffsausrüstung und der Nesserlander Straße. Quelle: Screenshot von GoogleMaps

Die Stadt möchte für dieses Areal den Bebauungsplan von vor rund 50 Jahren ändern lassen. Statt eines Industriegebiets wäre dort dann ein „Urbanes Gebiet“, in dem soziale oder Sport-Einrichtungen gebaut werden könnten oder eben Wohnhäuser – auch direkt am Wasser.

Blick auf den Schweißbetreib Noah Maritime am Neptundock. Foto: Mona Hanssen
Blick auf den Schweißbetreib Noah Maritime am Neptundock. Foto: Mona Hanssen

Wie sieht es heute beim Neptundock aus?

Heute sind dort gar keine Industriebetriebe mehr, sondern nur noch Gewerbe, erklärte Stadtplaner David Malzahn im Stadtentwicklungsausschuss des Emder Rats am Mittwoch, 29. Oktober 2025. Vor Ort sind beispielsweise die Bädertechnik-GmbH Zimmer, ein Standort von Taxi Groblica (ehemals Elmenhorst), die Seniorenhilfe Waterkant, der Schweißbetrieb Noah Maritime und ein Gebrauchtfahrzeug-Händler. Hier sind aber auch mehrere offenbar brachliegende Grünflächen.

Alle Grundstücke dort seien in Privatbesitz und flächenmäßig recht gleich auf mehrere Eigner verteilt, so Malzahn. Bei den Eigentümern ist durch den Vorstoß der Stadt Unruhe ausgebrochen, wie einer von ihnen gegenüber dieser Redaktion schilderte. Müssen sie jetzt weichen? Müssen sie gar bauen oder auf ihrem Grund andere bauen lassen?

Kommt jetzt Wohnen am Wasser – oder nicht?

Das wäre den Grundstückseigentümern selbst überlassen, lässt sich Malzahns Worten entnehmen. Er sprach von einem „Angebotsbebauungsplan“. Es gebe aktuell „keine konkreten Vorhaben dahinter“. Das Gewerbe sei auch zukünftig möglich und die ansässigen Betriebe hätten sowieso Bestandsschutz, betonte er. Ein neuer Bebauungsplan zum „urbanen Gebiet“ könnte den Eignern sogar mehr Möglichkeiten einräumen, um ihre Hallen anders zu nutzen.

Wo jetzt luxuriöses Wohnen möglich ist, war vor 2008 Brachland rund um den ehemaligen Südbahnhof. Foto: Mona Hanssen
Wo jetzt luxuriöses Wohnen möglich ist, war vor 2008 Brachland rund um den ehemaligen Südbahnhof. Foto: Mona Hanssen

Dass es aber gut funktionieren könnte, wenn sich Wohnbebauung in ehemaligen Industriegebieten ansiedelt, zeigen Beispiele im Alten Binnenhafen – etwa der Neue Delft, so Malzahn. Auch gegenüber, wo sich das Hotel am Delft, die Restaurants Kabajs und Castos, die Kapitänshäusern und Gewerbe angesiedelt haben, klappe es sehr gut. Gleichzeitig erklärte er die eigentliche Absicht hinter der Bebauungsplan-Änderung.

Blick auf das Hotel am Delft, Wohn- und Bürogebäude sowie Restaurants. Foto: Mona Hanssen
Blick auf das Hotel am Delft, Wohn- und Bürogebäude sowie Restaurants. Foto: Mona Hanssen

Was hat die Stadt beim Neptundock vor?

Die Stadt will das komplette Gebiet rund um die Nesserlander Straße aufwerten. Dazu gehört auch das Projekt Hansator-Quartier mit 18 geplanten Wohnungen auf dem ehemaligen Fritzen-Gelände und der Abriss der Wohnhäuser an der Nesserlander Straße bei den Gleisen für moderne Neubauten mit gut 50 Wohnungen. David Malzahn erwähnte in dem Zuge auch noch die geplante Wohnbebauung des ehemaligen Ültje-Geländes an der Hansastraße.

An der Nesserlander Straße sollen mehrere Altbauten abgerissen werden und modernem Wohnen weichen. Foto: Mona Hanssen
An der Nesserlander Straße sollen mehrere Altbauten abgerissen werden und modernem Wohnen weichen. Foto: Mona Hanssen

Die zukünftigen Projekte – speziell das Hansator-Quartier und die geplanten Neubauten an der Nesserlander Straße – grenzen direkt an das Industriegebiet. Wenn diese Fläche also weiterhin für Industrie ausgewiesen bleibt, so David Malzahn, blockiere das die weitere Entwicklung des Areals rundherum. Industrie- und Wohngebiete vertragen sich nicht, denn in Industriegebieten gebe es keine Vorgaben für Lärm, Staub und andere Belastungen.

Bliebe hier das Industriegebiet ausgewiesen, auch wenn dort tatsächlich nur deutlich weniger störendes Gewerbe angesiedelt ist, müsste das auch bei den Plänen für die Wohnprojekte berücksichtigt werden. So wären noch strengere Vorgaben beispielsweise für den Lärmschutz, die Belüftung und die Raumaufteilung nötig, so Malzahn.

Ähnliche Artikel