Pinneberg Feuertod von Neunjähriger: So erlebte die Feuerwehr den belastenden Einsatz
Zwei Feuerwehrmänner aus Pinneberg (Schleswig-Holstein) sprechen über eine Nacht, die sie wohl nie vergessen werden: den Einsatz, bei dem ein neunjähriges Mädchen in den Flammen eines Hauses starb.
Es ist das Schlimmste, was Einsatzkräfte erleben können: Ein Kind stirbt in einem Feuer. Im schleswig-holsteinischen Pinneberg ist dieser Albtraum Realität geworden. In der Nacht zum 23. September brannte ein Wohnhaus an der Elmshorner Straße lichterloh. Als die Feuerwehr eintraf, schlugen Flammen aus dem Dach, dichter Rauch drang aus den Fenstern. Vier Menschen konnten sich retten – doch ein neunjähriges Mädchen war noch im Haus.
Florian Judzinsky, Einsatzleiter und stellvertretender Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Pinneberg, und Sebastian Hentschel, stellvertretender Gruppenführer, waren an diesem Abend vor Ort. An die Uhrzeit können sich beide noch genau erinnern: 22.57 Uhr. Auch die Tragik dieses Einsatzes ist unvergesslich. Judzinsky entschied sich schweren Herzens, den Innenangriff abzubrechen – die Gefahr für seine Kameraden war zu groß.
Judzinsky war in dieser Woche für den Einsatzleitdienst eingeteilt, der Kommandowagen stand deshalb bei ihm zu Hause. Nur fünf Minuten nach der Alarmierung traf er am Einsatzort ein. „Zu diesem Zeitpunkt standen das Obergeschoss und der Spitzboden bereits in Vollbrand“, sagt er. Genau dort befand sich das Zimmer des Mädchens.
Bei der Alarmierung hieß es zunächst „Feuer mit Menschenleben in Gefahr“. Später lautete die Rückmeldung: „Zwei Personen im Gebäude vermisst.“ Während die 76-jährige Vermieterin, die im Erdgeschoss wohnte, sich retten konnte, blieb das Mädchen in der Feuerhölle gefangen.
Hentschel gehörte zum Atemschutztrupp, der sich in die Flammen wagte. Doch weit kamen sie nicht. „Die Treppe war komplett weggebrannt, nur noch das Stahlrohr der Wendeltreppe war vorhanden. Das Metallrohr war so heiß, dass ich die Hitze sofort durch meine Schutzhandschuhe spüren konnte“, erinnert er sich. Zudem wurde die mitgeführte Atemluft in den Atemschutzgeräten immer knapper.
Aufgrund der Rückmeldungen der Atemschutztrupps blieb Judzinsky keine andere Wahl: Der Rückzug aus dem Haus war unvermeidlich. „Für die Führungskräfte geht es draußen darum, die Lage bestmöglich einzuschätzen“, erklärt er. „Wir müssen die vielen Informationen so bewerten, dass tragfähige Entscheidungen getroffen werden können – immer unter Beachtung der Unfallverhütungsvorschriften, die keine unkalkulierbaren Risiken für unsere Kameraden zulassen.“
Hentschel dachte während des Einsatzes auch an seine eigenen Kinder und den Wunsch, lebend zurückzukehren. „Als wir draußen waren, fielen uns schon Dachziegel auf den Kopf, Teile des Bodens waren durchgebrannt. Wir haben alles versucht, was möglich war.“
Er könne sich allerdings nicht hundertprozentig an jeden Moment erinnern. „Man funktioniert einfach nur.“ Und er ergänzt: „Eine derart heftige Brandentwicklung und schnelle Ausbreitung eines Feuers habe ich bisher in diesem Ausmaß noch nicht erlebt.“
Die Feuerwehr konnte das Feuer nur noch von außen und über zwei Drehleitern bekämpfen. „Wir haben jede Möglichkeit ausgeschöpft, um das Kind zu retten“, sagt Judzinsky. Doch im Laufe der Nacht wurde die traurige Gewissheit klar: Das neunjährige Mädchen konnte nicht mehr gerettet werden.
„Es war ein Einsatz, der uns alle sehr mitgenommen hat“, sagt Judzinsky. Die Feuerwehrleute können mit Fachkräften der Psychosozialen Notfallversorgung über das Erlebte sprechen. Ein Treffen in der Feuerwache bot die Möglichkeit, sich auszutauschen und gegenseitig zu stützen.
Wichtig sei, auf Symptome wie Flashbacks oder Schlafstörungen zu achten. „Die sollten nach zwei Tagen nachlassen. Wenn nicht, sollte man weitere Hilfe in Anspruch nehmen.“ Tage später sei er noch ein- bis zweimal an dem ausgebrannten Haus vorbeigefahren, so Judzinsky. „Die Gedanken kreisten noch einmal um das Geschehen.“
Dennoch habe er für sich damit abgeschlossen. „Sonst würde man daran zerbrechen. Das Feuer war so weit fortgeschritten, dass wir niemanden lebend hätten retten können.“ Trotz aller Dramatik betont er: „Wir hätten nichts ändern können. Der Einsatz verlief professionell und strukturiert.“