Kanalisation Feuchttücher sorgen für teure Verstopfungen
Immer wieder verstopfen Feuchttücher auch in Ostfriesland die Kanalisation. Die Folgen sind hohe Kosten und viel Aufwand für die Abwasserbetriebe.
Leer/Hannover - Feuchttücher und feuchtes Toilettenpapier sorgen bundesweit für Schäden im Kanalsystem und in den Klärwerken. Anders als normales Toilettenpapier lösen sich die feuchten Tücher im Wasser nämlich nicht auf. Auch in Ostfriesland werden immer wieder dicke Klumpen aus den Rohren gezogen.
„Nur der Po gehört aufs Klo“
„Auch wenn ,wasserlöslich‘ auf den Feuchttüchern steht, bedeutet das nicht, dass die Tücher auch ausreichend wasserlöslich sind und sich auf dem Weg von der Toilette zur Kläranlage wirklich auflösen“, erklärt der Landesverband Nord der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA), zu dem auch Niedersachsen gehört, auf Anfrage der Redaktion. „Wir fordern kein Verbot von Feuchttüchern, sondern die Entsorgung dieser Feuchttücher über den Hausmüll. Klares Credo: Nur der Po gehört aufs Klo.“
Pumpen werden regelmäßig verstopft
Bei den Leeraner Stadtwerken ist das Problem mit den feuchten Tüchern geradezu alltäglich. „Wir haben regelmäßige Verstopfungen von Pumpen in den verschiedenen Pumpwerken“, erklärt Pressesprecher Edgar Behrendt. „Konkret ist es so, dass sich die Fasern der Tücher in den Pumpwerken verhaken und zopfartige Gebilde bilden. Diese bringen die Pumpenlaufräder und die Technik zum Stillstand, was zu einem höheren Verschleiß der Pumpen und zu damit einhergehenden höheren Kosten für Reparatur und Ersatzteile führt.“
Das gleiche Problem hat auch der Bau und Entsorgungsbetrieb Emden (BEE). Man habe inzwischen schon Pumpen mit Schneidrädern und speziellen Laufrädern eingesetzt, die weniger störanfällig sind, erklärt Torsten Holtz, Abteilungsleiter Entsorgung. „Bei den routinemäßigen Reinigungen der Kanalisation mit Spülfahrzeugen zeigt sich, dass Feuchttücher regelmäßig im Abwasser auftauchen. Sie setzen sich an Spüldüsen fest und führen – insbesondere in Verbindung mit Verbandsmaterial oder anderen Textilresten wie Wisch- oder Spültüchern – zu Verstopfungen.“
Zusätzliche Kosten erhöhen die Abwassergebühr
Bei den Abwasserbetrieben sorgen die feuchten Tücher deshalb auch für zusätzliche Kosten – die werden am Ende über die Abwassergebühren von allen Bürgern getragen. „Die Reinigung dieser Pumpen ist dann teuer und keine sehr schöne Aufgabe“, teilt der DWA mit.
Die Höhe der zusätzlichen Kosten der Betreiber sei sehr unterschiedlich und lasse sich nicht repräsentativ feststellen. Auch die Stadtwerke Leer und der BEE können die Kosten auf Nachfrage nicht genau benennen. Laut der DWA-Studie liegen die zusätzlichen Personalkosten pro Pumpenverstopfung zwischen 100 und 300 Euro.
„Die Verstopfungen werden im Kanalnetz durch Spülfahrzeuge gelöst und abgesaugt. Das Material gelangt anschließend zur Kläranlage und wird dort im Rechengebäude aus dem Abwasser entfernt und fachgerecht entsorgt“, erklärt Torsten Holtz (BEE) den Aufwand.
„Bei trockenem Wetter herrschen zudem niedrige Fließgeschwindigkeiten im Kanal. Das führt dazu, dass die Tücher oft unterwegs liegen bleiben. Die mögliche Folge: Ein Rückstau im Kanal. Bei stärkeren Regenereignissen werden diese Tücher dann mitgespült und verursachen aufgrund ihrer Menge weitere Störungen“, berichtet Stadtwerkesprecher Edgar Behrendt. Er geht davon aus, dass viele Bürger die Toilette oft auch „unwissentlich als Mülleimer nutzen“, weil die Hersteller die Feuchttücher als „unschädlich für das Abwassersystem“ beschreiben. „Von ,unschädlich für das Abwassersystem‘ zu sprechen, ist aber schlichtweg falsch. Das Gegenteil ist der Fall“, betont er.
Umweltminister Meyer fordert strengere Regeln
In Niedersachsen rufen die feuchten Tücher nun auch die Politik auf den Plan. Umweltminister Christian Meyer (Grüne) fordert, dass die Hersteller zur Kasse gebeten werden. „Wir sollten überlegen, die Verursacher mit Abgaben heranzuziehen“, sagte Meyer im Gespräch mit NDR Niedersachsen. Dem Minister geht es um Feuchttücher und um feuchtes Toilettenpapier mit Plastikanteilen. Wie hoch die Abgabe sein sollte, sagt Meyer nicht. Nach Ansicht des Ministers müssten Bund und EU solche schärferen Regeln durchsetzen.
In Großbritannien wird schon länger über ein Verkaufsverbot für bestimmte Feuchttücher diskutiert. In der Themse hat eine regelrechte Feuchttücher-Insel („Wet Wipe Island“) für Schlagzeilen gesorgt. Sie hat eine Fläche von der Größe zweier Tennisplätze und ist stellenweise bis zu einem Meter hoch.