Einbruch im Louvre Wie sicher sind Kunst- und Kulturschätze in Ostfriesland?
Der spektakuläre Raubzug im Louvre sorgt auch für Fragen nach der Sicherheit von Kunst- und Kulturschätzen. Wie schützen Museen in Ostfriesland ihre Werke?
Leer - Der spektakuläre Juwelenraub im Pariser Louvre hat erneut die Frage nach der Sicherheit in den Museen aufgeworfen. Auch in ostfriesischen Einrichtungen gibt es wertvolle Stücke. Zuletzt wurde ein Bild aus der Leeraner Evenburg gestohlen. „Nach dem Diebstahl wurde das Sicherheitskonzept überprüft und angepasst“, teilt Landkreissprecherin Franziska Bothe mit. Mehr will sie nicht verraten. Beim Thema Sicherheit geben sich die meisten Museen zugeknöpft.
Rein materiell betrachtet, sind die Werte in den ostfriesischen Museen natürlich nicht mit denen im Louvre zu vergleichen. Die Räuber erbeuteten dort immerhin acht Schmuckstücke im Wert von insgesamt rund 88 Millionen Euro. „Aber es geht auch gar nicht immer um den materiellen Wert. Es ist ein Diebstahl von Kulturgut, und das gehört uns allen“, betont Ilka Erdwiens, Pressesprecherin der Kunsthalle Emden. „Das ist kein Gentleman-Verbrechen, das ist im Grunde ein schlimmes Verbrechen an allen Menschen.“
Kunsthalle: Sicherheitsvorkehrungen auf neuestem Stand
In der Kunsthalle sei man „selbstverständlich mit allen modernen Sicherheitsmaßnahmen ausgestattet“. „Wir sind ja auch nicht so ein historisches Gebäude wie der Louvre, sondern unser Haus ist noch relativ jung und auch schon mehrfach modernisiert worden. Wir haben dabei ganz besonders viel Wert auf die neuesten Sicherheitsvorkehrungen gelegt“, so Erdwiens. Es gebe vor allem „hinter den Kulissen eine ganze Menge Vorkehrungen“. „Ich glaube, hier würde es schon auffallen, wenn am helllichten Tag ein Hubwagen vorfährt und die Drehleiter ausfährt.“ Die Kunsthalle liege ja auch relativ geschützt und gut eingebettet am Emder Stadtgraben.
Laut offiziellen Angaben wurden acht Objekte aus dem Pariser Louvre entwendet. Unter anderem ein Diadem der Kaiserin Eugénie mit fast 2.000 Diamanten sowie eine Halskette mit acht Saphiren und 631 Diamanten, die einst die Königinnen Marie-Amélie und Hortense schmückte. Ferner wurde eine Kette mit 32 Smaragden und 1.138 Diamanten gestohlen, die Marie-Louise, der zweiten Ehefrau von Napoleon Bonaparte gehörte. Für ihren Beutezug im Louvre brauchten die Täter nur vier Minuten, teilte Frankreichs Kulturministerin Rachida Dati dem Sender TF1 mit. „Das sind Profis“. Sie habe Aufnahmen der Videoüberwachung gesehen. „Sie greifen niemanden an, sie gehen ganz ruhig hinein. In vier Minuten zerstören sie natürlich Vitrinen, nehmen ihre Beute und verschwinden ohne jegliche Gewaltanwendung. Das ist sehr professionell.“Diebstahl im Louvre
Landesmuseum: Haus rund um die Uhr gesichert
Leichter zugänglich ist das Ostfriesische Landesmuseum in Emden. „Unsere Objekte sind auf unterschiedliche Arten gesichert. Die genauen Sicherheitsmaßnahmen gehören aber zu den gutgehüteten Interna von Museen“, betont Verwaltungsleiter Michael Kühn. „Nur so viel: Es gibt Sicherheitsvorkehrungen sowohl für die ausgestellten Objekte als auch für die im Haus befindlichen Menschen.“ Das Haus sei sowohl innerhalb als auch außerhalb der Öffnungszeiten gesichert, erklärt Kühn. „Allerdings gilt auch, dass es absolute Sicherheit nicht gibt“, ergänzt er.
Ostfriesisches Teemuseum rüstete nach Diebstahl auf
Das hat man auch schon im Ostfriesischen Teemuseum in Norden feststellen müssen. „2014 bemerkten Mitarbeiterinnen des Museums bei ihren Kontrollgängen, dass einige Objekte entwendet worden waren. Viele der Objekte gelangten nach intensiven polizeilichen Ermittlungen im Juli 2014 wieder zurück ins Museum. Die Sicherheitsstandards im Museum wurden danach nochmals verschärft“, berichtet Museumsleiterin Mirjana Ćulibrk.
Nahezu alle Objekte befinden sich jetzt in abschließbaren und gesicherten Ausstellungsvitrinen, es gibt Videoüberwachung in allen Räumlichkeiten, Einbruch- und Feuerschutzsysteme und nur ausgesuchtes und geschultes Personal habe Zugang zu Vitrinen und Depots, erklärt Ćulibrk. Ebenso wie in anderen Museen gibt es regelmäßige Kontrollgänge durch die Ausstellungsräume. „Wir haben auch eine sehr gute Kooperation mit den lokalen Sicherheitskräften vor Ort“, betont die Museumschefin.
Ostfriesische Landschaft: Sammlung für Diebe nicht attraktiv
Die Ostfriesische Landschaft hat alle ihre Gebäude mit Alarmanlagen gesichert. „Ich gehe davon aus, dass unsere Sammlungen für Diebe wenig attraktiv sind, da die Objekte in der Regel eher einen hohen kulturgeschichtlichen Wert für Ostfriesland haben. Auch für die Forschung sind zahlreiche Objekte bedeutend. Aber bei uns lagern keine nennenswerten Mengen an wertvollen Materialien wie Gold, Silber oder Edelsteinen“, erklärt Pressesprecher Sebastian Schatz. „Wer bei uns Bilder, Porzellan oder archäologische Funde stiehlt, kann sie weder einfach noch schnell zu Geld machen. Alle unsere Objekte sind erfasst und dokumentiert. Eine Zerstörung würde sie wertlos machen, ein Verkauf wäre mit hohem Risiko verbunden.“