Osnabrück  Osnabrücker Baubranche warnt: „Unter 18 Euro pro Quadratmeter Miete lohnt sich Neubau nicht“

Eva Marie Stegmann
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Von Eva Marie Stegmann
| 26.10.2025 05:43 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Thomas Echterhoff ist mit seinem gleichnamigen Bauunternehmen bundesweit aktiv. In Osnabrück sprach er mit Vertretern der Branche auf Einladung der CDU über nötige Änderungen, um günstiger zu bauen. Foto: Thomas Osterfeld
Thomas Echterhoff ist mit seinem gleichnamigen Bauunternehmen bundesweit aktiv. In Osnabrück sprach er mit Vertretern der Branche auf Einladung der CDU über nötige Änderungen, um günstiger zu bauen. Foto: Thomas Osterfeld
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Osnabrücker Bau- und Wohnungswirtschaft warnt: Neubau rechnet sich laut Branchenvertretern erst ab 18 Euro Miete pro Quadratmeter. Steigende Baukosten und hohe Standards erschweren bezahlbaren Wohnraum. Was tun?

Es ist eine Zahl, die unter den Mitgliedern von Junge Union, CDU und Gästen für Diskussion sorgte. Auf einer Podiumsdiskussion mit Vertretern von Osnabrücker Bau- und Wohnungswirtschaft fiel sie immer wieder: 18 Euro. So viel würde der Quadratmeter Miete laut den Branchenvertretern auf dem freien Markt kosten, würde man heute neu bauen. Das wären für eine 60-Quadratmeter-Wohnung also 1000 Euro.

Auf dem Podium war man sich diesbezüglich einig. Bernd Wortmeyer, Geschäftsführer der kommunalen Wohnungsgesellschaft Wio, dessen vom Osnabrücker Stadtrat gesetztes Ziel es ist, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen (aber wirtschaftlich!), sagte: „16 bis 18 Euro, darunter kommen wir nicht.“ Beim neuesten fertigen Projekt in der Eversheide müsse man bereits zwischen 11 und 13 Euro Miete inklusive Betriebskosten verlangen.

Ähnlich geht es der Wohnungsbaugenossenschaft Osnabrück (WGO): „Das sind Preise, mit denen wir uns schwertun“, sagte Geschäftsführer Björn Siehlmann. Denn im Durchschnitt lägen die Mieten der WGO bei 6,80 Euro/qm.

Die Baukosten sind nach wie vor hoch. Nicht nur aufgrund der Materialien, auch gestiegene Personalkosten, weniger günstige Zinsen und insgesamt höhere (Energie-)standards treiben die Kosten.

Vier Prozent Rendite erwarten Investoren in der Regel von einem Neubau. Und, dass in etwa 20 Jahren der komplette Baupreis über die Miete abgezahlt ist. Osnabrück braucht dringend neuen Wohnraum, zu dem Schluss kommt eine neue Studie, die die Stadt in Auftrag gab. 4800 Wohnungen bis ins Jahr 2040.

Was also tun? Moderator Fritz Brickwedde von der CDU betonte, dass die Situation in Osnabrück derzeit weit weg von diesen Zahlen sei. Laut Mietspiegel läge die durchschnittliche Miete in Bestandswohnungen bei um die 8 Euro.

Wer aber aktuell eine Wohnung sucht, muss mit im Schnitt 9,52 Euro pro Quadratmeter rechnen, wie eine Auswertung unserer Redaktion zeigt. Klar, je neuer, desto teurer.

Um Kosten zu sparen, fällt häufig der Begriff Gebäudetyp E (einfaches, experimentelles Bauen). Die Idee: Auf nicht sicherheitsrelevante Standards wird verzichtet, etwa bei Steckdosen oder Trittschallschutz.

Die Branche ist jedoch skeptisch. Thomas Echterhoff vom gleichnamigen Bauunternehmen aus Westercappeln, das deutschlandweit aktiv ist, nannte es ein „zu hohes Risiko“. Denn: Käufer müssten schriftlich bestätigen, dass der Bau nicht den Standards entspricht.

Bernd Wortmeyer von der Wio: „Ich möchte mich bewusst vom Gebäudetyp E distanzieren! Das ist keine Lösung, die wir hier in unserer Stadt haben wollen. Das bringt die städtebaulichen Probleme, die wir in 20 oder 30 Jahren ausbaden müssten.“ Er halte nichts davon, Wohnungen mit der Wio ohne Aufzug zu bauen oder den Schallschutz auf einen absolut niedrigen Standard zu senken. „Was wir bauen, muss Qualität haben!“ Gleichwohl müssten es keine städtebaulichen Leuchttürme höchster Klasse wie in der Vergangenheit sein.

Ein weiteres Schlagwort ist das serielle Bauen (Bauen in Serie, oft mit Modulen). Im Unterschied zu Gebäudetyp E geht dies nicht per se mit niedrigeren Standards einher. Dafür zeigten sich die Vertreter offen, es fehlten aber Erfahrungswerte.

Jens-Peter Zuther, Geschäftsführer Tiefbau beim Bauunternehmen Köster, plädierte für schnellere Genehmigungsverfahren, weniger staatliche Vorschriften, runter mit den Standards bei Schallschutz, Barrierefreiheit und Wärmedämmung.

„Bitte nicht noch mehr Vorgaben, nicht noch mehr Dämmung“, stimmte Andreas Engelmeyer vom Stephanswerk zu. Auch, wenn es Förderungen dafür gebe – am Ende mache es alles komplizierter und der Nutzen sei umstritten.

Jedoch: „An einer Stelle bin ich für einen gesetzlichen Eingriff: dass der Staat das Mietrecht ein wenig aufweicht.“ Zum Teil vermiete man in Osnabrück noch für 5 Euro den Quadratmeter. „Wenn ich die Möglichkeit hätte, da zwei Euro draufzulegen“, könnte die Wohnungsbaugesellschaft das Geld nutzen, um an anderer Stelle querzusubventionieren.

Zum Beispiel bei Neubauten für 18 Euro den Quadratmeter.

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