Berlin  So reagieren Deutsche mit Migrationsgeschichte auf Merz‘ Stadtbild-Aussage

Svana Kühn
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Von Svana Kühn
| 23.10.2025 17:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Kanzler Friedrich Merz hat Migration, das „Stadtbild“, Abschiebungen und die Situation von Frauen in einen Zusammenhang gebracht. Jetzt erntet er dafür Kritik. Foto: dpa/AP/Harry Nakos
Kanzler Friedrich Merz hat Migration, das „Stadtbild“, Abschiebungen und die Situation von Frauen in einen Zusammenhang gebracht. Jetzt erntet er dafür Kritik. Foto: dpa/AP/Harry Nakos
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Nach der Stadtbild-Äußerung von Bundeskanzler Merz melden sich zahlreiche Menschen mit ausländischen Wurzeln zu Wort. Sie reagieren mit Kritik, Humor, Zustimmung – eine Übersicht.

Die Debatte um eine Äußerung von Bundeskanzler Friedrich Merz zu Migration im Stadtbild reißt nicht ab. Immer mehr Menschen aus Politik und Gesellschaft melden sich zu Wort. Darunter auch viele prominente Gesichter mit Migrationsgeschichte.

Mit sehr deutlichen Worten reagierte die Autorin und Journalistin Düzen Tekkal. „Mit seinen Aussagen zeigt der Bundeskanzler, wer in seinem Deutschland dazugehört – und wer nicht“, schreibt die 47-Jährige in einem Beitrag auf Instagram und ergänzt: „Wir brauchen keinen Merz, der uns Töchter vor der vermeintlich gefährlichen Migration beschützt.“ Merz spiele „das AfD-Playbook, um WählerInnen am rechten Rand zu gewinnen.“

Auch die Grünen-Politikerin und Sozialministerin von Schleswig-Holstein, Aminata Touré, gab dem Kanzler Kontra – und postete ein Foto von sich, das sie mit den Worten „Ich, wie ich das Stadtbild mit meiner nicht-weißen Anmutung verschöner“, kommentierte.

Die Journalistin und Autorin Alice Hasters geht den Kanzler ganz direkt an: „Friedrich Merz geht es nicht darum, das Patriarchat zu kritisieren oder ‚die Töchter‘ zu schützen. Es geht ihm darum, an der Spitze des Patriarchats zu bleiben“, heißt es in einem Post von ihr auf Instagram.

Der Comedian und Rapper Lukas Staier, bekannt als Cossu, quittierte die Aussage von Merz mit einem eigenen Sketch. Darin wird er von einer Frau auf der Straße angesprochen, die ihn fragt, was er hier mache. Er antwortet: „Ich komme gerade aus der Stadt und da war ich ein Problem im Stadtbild, deswegen bin ich jetzt hier auf dem Dorf.“

Die fremde Person geht ihn an: Er müsse Deutsch lernen und eigentlich auch in Deutschland geboren sein, um wirklich dazuzugehören. Staier kontert: „Ich habe Germanistik in Heidelberg studiert.“ Zudem habe er den deutschen Pass und sei auch in Deutschland geboren. Aber auch das scheint der Person nicht zu reichen. Staier schließt ab mit: „Sie haben recht. Das Bild muss sich ändern.“ „Das Stadtbild?“, fragt sein Gegenüber. „Nee, ihr Weltbild“, sagt er und verabschiedet die Zuschauer mit einem Luftkuss.

In der Videobeschreibung verweist Staier zudem auf einen Post des Oberbürgermeisters von Honnover, Belit Onay. Auch der Grünen-Politiker reagierte empört auf die jüngsten Aussagen von Kanzler Merz: „Mit dem Begriff „Stadtbild“ wird ein diffuses Gefühl von Fremdheit und Angst ausgelöst, ohne genau zu beschreiben, was damit gemeint ist. Das ist mehr als diskriminierend. Es macht Dinge sagbar, grenzt aus und spaltet.“

Rückendeckung bekommt Merz von Psychologe und Autor Ahmad Mansour: „Wie viele Debatten wollt ihr noch verweigern? Mein Gott, geht aus eurer Blase und redet mit Menschen – auch mit Menschen mit Migrationshintergrund“, schreibt er auf X. Und weiter: „In diesem Land hat sich etwas verändert, leider nicht zum Positiven. Das subjektive Sicherheitsgefühl hat massiv abgenommen. Stellt euch der Debatte, führt sie – von mir aus anders –, aber hört auf, die Realität zu verleugnen.“

Auch Meltem Seker, Mitglied der Jungen Union, habe sich von Merz Worten nach eigener Aussage weder angesprochen noch angegriffen gefühlt. Die Menschen, die jetzt gegen Merz auf die Straße gehen, stammten meist „aus einem sehr weißen und grünen Milieu“, sagt die 24-Jährige in einem in den sozialen Medien veröffentlichten Video. Man sehe diese Menschen aber nicht an den Orten, an denen Integration nicht funktioniert hat.

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