Hannover Niedersachsens Umweltminister sagt den „Pumpenkillern“ den Kampf an
Feuchttücher werden zu einem immer größeren Problem. Niedersachsens Umweltminister Meyer will jetzt die Hersteller der Tücher in die Pflicht nehmen. Dafür hat er Gründe.
Ob bei der Babypflege oder der Kosmetik: Feucht- und Hygienetücher gelten als praktische Helfer. Das Problem: Die Tücher werden oft in der Toilette heruntergespült – und sorgen für Schäden im Kanalsystem und in den Klärwerken.
Die Rechnung müssen letztlich die Verbraucher zahlen. Das ist „unfair“, meint Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer (Grüne). Er fordert, dass die Hersteller von Feuchttüchern und Toilettenpapier mit hohem Plastikanteil zur Kasse gebeten werden.
Wie hoch die Abgabe sein sollte, sagt der Minister nicht. Auch eine niedersächsische Initiative im Bundesrat soll es nach Angaben eines Ministeriumssprechers vorerst nicht geben. Der Bund und die EU müssten strengere Vorgaben durchsetzen. „Das wäre ein Anreiz dafür, entweder weniger Feuchttücher oder eher ökologisch abbaubare zu verwenden“, so Meyer im Gespräch mit dem NDR.
Außerdem spricht sich der Umweltminister für klarere Kennzeichnungen auf den Verpackungen aus: Es müsse deutlich werden, dass die Tücher in den Hausmüll gehören und nicht in die Toilette.
In Großbritannien wird schon länger über ein Verkaufsverbot für bestimmte Feuchttücher diskutiert. Dort sorgte im Sommer eine regelrechte Feuchttücher-Insel in der Themse für Schlagzeilen.
Der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV, Brake) begrüßte die Initiative von Minister Meyer. „Wir setzen uns grundsätzlich dafür ein, Hersteller zur Verantwortung zu ziehen und die Kosten nicht auf Verbraucherinnen und Verbraucher zu verteilen“, so OOWV-Sprecher Heiko Poppen.
Reißfeste Feucht- und Hygienetücher, die Menschen in der Toilette herunterspülen, verstopfen die Schmutzwasserpumpen. Sie seien regelrecht „Pumpenkiller“. Es entstehe ein erheblicher zusätzlicher Arbeitsaufwand. Allein in der Kläranlage Oldenburg, der größten Kläranlage im Verbandsgebiet, müssten die Verfilzungen 35 bis 40-mal pro Jahr entfernt werden, damit es nicht zu Ausfällen der Pumpen kommt.
Deshalb bittet der OOWV alle Kundinnen und Kunden, reißfeste Vlies-Feuchttücher nur über den Hausmüll zu entsorgen und niemals über die Toilette. Das Beseitigen der zähen Stränge in den Pumpen verursache unnötige Kosten, die am Ende von allen Verbrauchern mit den Abwassergebühren zu tragen sind.
Wie hoch diese sind, lässt sich laut Poppen pauschal zwar nicht beziffern, da der Aufwand von Gebiet zu Gebiet unterschiedlich ist. „Sie können je nach Anzahl der Pumpwerke und Häufigkeit der ‚Verzopfung‘ aber einen mittleren oder höheren fünfstelligen Betrag pro Jahr ausmachen.“
Hersteller und Händler betonen dagegen, dass ihre Tücher sehr wohl spülbar und biologisch abbaubar seien – so stehe es zum Teil auch auf den Verpackungen. Die Unternehmen verweisen auf entsprechende Tests.
Der Abwasserverband DWA Nord mit Sitz in Hildesheim geht laut NDR noch einen Schritt weiter als Minister Meyer und der OOWV: Er fordere ein komplettes Verbot von Feuchttüchern. Ausschließlich reines Papier sollte in der Toilette heruntergespült werden dürfen.