Rendsburg  Intime Schriftzüge, schreiende Kunden: Tätowiererin erzählt von skurrilsten Aufträgen

Aljoscha Leptin
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Von Aljoscha Leptin
| 23.10.2025 11:48 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Tätowiererin Eunice Rosema-Gronau erzählt von ihren ungewöhnlichsten Erlebnissen bei der Arbeit. Foto: Aljoscha Leptin
Tätowiererin Eunice Rosema-Gronau erzählt von ihren ungewöhnlichsten Erlebnissen bei der Arbeit. Foto: Aljoscha Leptin
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Eunice Rosema-Gronau eröffnet ein Beauty- und Tattoo-Studio. Für uns erinnert sie sich an ihre ungewöhnlichsten Momente im Job – und ihre skurrilsten Aufträge.

Auf die Frage nach ihren verrücktesten Erlebnissen im Beruf muss Eunice Rosema-Gronau recht lange überlegen. Die Tätowiererin, die in Rendsburg an der Alten Kieler Landstraße ganz frisch ihr neues Tattoo- und Beautystudio Bonita Rose eröffnet hat, hat schon zu viele schräge Sachen erlebt. Im Gespräch mit unserer Redaktion erinnert sie sich an ihre skurrilsten Aufträge. Und erzählt, wie die Tattoo-Liebe bei ihr selbst gegen den Willen ihrer Mutter begann.

Besonders in Erinnerung bleiben ihr Menschen, die Tattoos haben, die man nie bei ihnen erwarten würde. Eunice Rosema-Gronau, die seit sieben Jahren in der Branche ist, nennt als Beispiel eine Ärztin, bei der man kein einziges Tattoo sehen würde, wenn man sie auf der Straße trifft. Doch die Haut, die normalerweise von Kleidung bedeckt ist, sei bei der Frau lückenlos tätowiert.

Und auch eine andere Frau ist Eunice Rosema-Gronau gut in Erinnerung geblieben. Sie habe eher bieder gewirkt. Doch nur, bis sie sich auszog: Über ihrem Hintern habe der Schriftzug geprangt: „Eigentum von“ plus der Name ihres Partners. Die Frau sei ins Studio gekommen, um sich zusätzlich noch ein Intim-Piercing machen zu lassen.

Neben Tattoos bietet Eunice Rosema-Gronau in ihrem Studio kosmetische Behandlungen, Wimpernverlängerung, Piercings und Permanent Make-up an. Letzteres unterscheidet sich vom Tattoo dadurch, dass nicht so tief in die Haut gestochen wird und andere Farben zum Einsatz kommen – sodass es nach einigen Jahren wieder verblasst.

Mit Permanent Make-up hilft Eunice Rosema-Gronau zum Beispiel nach, wenn Personen sich ärgern, dass man ihre Brauen ob ihrer hellen Haarfarbe nicht sehen kann. Und auch Männer mit Haarausfall gehören zu den Kunden. Als Alternative zu einer Haartransplantation würden sich einige einfach viele kleine Punkte auf den Kopf machen lassen. Dann müssten die restlichen echten Haare nur noch regelmäßig kurz geschoren werden, und schon sehe es so aus, als hätte man den ganzen Kopf voller dichter Stoppel.

Wer sich das erste Mal Tinte unter die Haut stechen lässt, fängt in der Regel mit etwas Kleinem an, sagt Eunice Rosema-Gronau. Doch sie selbst hat es ganz anders gemacht. Im Alter von 15 Jahren, als sie mit ihrem Vater im Philippinen-Urlaub war, entschied sie sich für ein Tiger-Motiv. Ihre Mutter, die strikt gegen Tattoos war, erfuhr erst nach ihrer Rückkehr davon.

Mittlerweile hat die Studio-Betreiberin um die 15 Motive auf ihrer Haut. Besonders zurückhaltend ist sie bei Namen. Ihre vier Kinder hat sie sich stechen lassen. „Die bleiben“, sagt sie lachend. Bei Partnern könne man da nie sicher sein. Regelmäßig kämen Menschen zu ihr, die ein Namens-Tattoo umgestaltet haben wollen, weil die vermeintlich einzig wahre Liebe dann doch frühzeitig weitergezogen ist.

Dann wird ein sogenanntes Cover-up angeboten: Ein Verfahren, bei dem der ursprüngliche Schriftzug in ein neues Motiv eingebunden wird und am Ende nicht mehr zu erkennen ist. Doch das sei ziemlich aufwendig und auch entsprechend teuer. Daher würden viele Kunden am Ende doch davon absehen und aus Kostengründen weiter mit dem Namen der oder des Verflossenen herumlaufen.

Stundenlang mit einer Nadel punktiert zu werden, ist ganz schön schmerzhaft. Vor dem Tattoo-Termin würden Kunden daher gebeten, sich im betreffenden Bereich mit einer speziellen betäubenden Salbe einzucremen, erklärt Eunice Rosema-Gronau. Ob sie sich an einen Fall erinnert, in dem die Betäubung offenbar nicht so gut geklappt hat? Es habe da einen Mann gegeben, der einen Krieger auf seine Wade gestochen haben wollte. Der Kunde selbst war offenbar nicht ganz so hart im Nehmen wie sein Motiv. Er habe ständig geschrien. „Wir mussten 1000-mal Pause machen“, erinnert sich die Studio-Betreiberin.

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