Vorbereitet sein  Hilf dir selbst – so lange, bis weitere Hilfe kommt

Melanie Hanz
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Von Melanie Hanz
| 07.01.2026 11:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Lebensmittel und Produkte des täglichen Bedarfs liegen auf einem Küchentisch. Sinnvoll ist, für den Katastrophenfall einen Notvorrat zu haben. Foto: Jens Büttner/dpa
Lebensmittel und Produkte des täglichen Bedarfs liegen auf einem Küchentisch. Sinnvoll ist, für den Katastrophenfall einen Notvorrat zu haben. Foto: Jens Büttner/dpa
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In Berlin stehen seit Tagen zehntausende Haushalte ohne Strom da – und ohne Notfallvorräte. So sollten Sie gerüstet sein.

Ostfriesland/Aurich - Hilf dir selbst – so lange, bis weitere Hilfe kommt: Selbstschutz und Eigenvorsorge lauten dafür die Begriffe im Katastrophen- und Zivilschutz. „Landkreise und Gemeinden bereiten sich durch vielfältige Planungen und Beschaffungen darauf vor, bei größeren oder längerfristigen Ausfällen der Infrastruktur die Daseinsvorsorge möglichst schnell wiederherzustellen“, sagt Lennart Adam, Pressesprecher beim Landkreis Aurich. Dennoch gilt in einer Katastrophenlage: „Zunächst werden vulnerable Gruppen versorgt. Deshalb bleibt eigene Vorsorge wichtig“, so Adam.

Lebensmittel und Produkte des täglichen Bedarfs liegen auf einem Küchentisch. Sinnvoll ist, für den Katastrophenfall einen Notvorrat zu haben. Foto: Jens Büttner/dpa
Lebensmittel und Produkte des täglichen Bedarfs liegen auf einem Küchentisch. Sinnvoll ist, für den Katastrophenfall einen Notvorrat zu haben. Foto: Jens Büttner/dpa

Ob länger dauernder Stromausfall, Hochwasser, Schneekatastrophen oder sonstige Lagen, in denen das öffentliche Leben nur eingeschränkt funktioniert: „Jede Bürgerin und jeder Bürger sollte in der Lage sein, sich für etwa zehn Tage selbst zu versorgen – nicht, um den gewohnten Lebensstandard aufrechtzuerhalten, sondern um die Grundversorgung sicherzustellen“, heißt es aus dem Landkreisbüro. Eine zehntägige Selbsthilfefähigkeit gilt als bundesweiter Maßstab. „Diese Zeitspanne wird benötigt, um ausgefallene Infrastrukturen wie Strom, Wasser, Gas, Telekommunikation oder Verkehr wiederherzustellen und eine Notversorgung aufzubauen.“

Der Notvorrat – woran ist zu denken?

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) rät dazu, sich für mindestens drei, besser für zehn Tage mit Wasser und Lebensmitteln zu bevorraten. Einen guten Überblick darüber, welche Lebensmittel sich in welchen Mengen für den Notfall-Vorrat eignen, bietet der Vorratskalkulator des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft.

Pro Person ist für zehn Tage folgender Vorrat empfohlen:

  • 20 Liter Trinkwasser in Flaschen (man rechnet 1,5 Liter zum Trinken und 0,5 Liter zum Kochen)
  • 3,5 Kilogramm Kartoffeln, Nudeln, Getreideprodukte wie Haferflocken und abgepacktes Vollkornbrot, Knäckebrot
  • 4 Kilogramm Gemüse(-Konserven) und Hülsenfrüchte
  • 2,5 Kilogramm Obst – Konserven und frisches Lagerobst wie etwa Äpfel – und Nüsse
  • 2,6 Kilogramm H-Milch und Hartkäse
  • 1,5 Kilogramm Fisch und Fleisch in Konserven, Eier, Dauerwurst
  • 0,36 Kilogramm Fette, Öle

Sonstiges wie Salz und Gewürze, Brühepulver, Fertiggerichte, Süßigkeiten, Knabbereien, Kaffee, Tee

Gerechnet wurde mit 2200 Kalorien pro Tag und Person. Der Bestand sollte im normalen Alltag verbraucht und dann bald nachgekauft werden, so dass der Notvorrat nicht veraltet.

Natürlich müssen Baby- und Kindernahrung oder Speziallebensmittel für Senioren mitbedacht werden. Und auch die Haustiere sollten bei der Planung nicht vergessen werden. Mehr Infos unter: www.ernaehrungsvorsorge.de; www.bbk.bund.de

Ebenfalls sinnvoll ist es, Körperpflegemittel, Seife, Waschmittel und Toilettenpapier zu bevorraten.

So ist der Zivil- und Katastrophenschutz organisiert

Zivil- und Katastrophenschutz sind in Deutschland eng verzahnt, aber rechtlich getrennt: Der Zivilschutz – der Schutz der Bevölkerung vor Kriegsgefahren – ist laut Grundgesetz (GG Artikel 73 Absatz 1) Aufgabe des Bundes. Der Bund nimmt diese Aufgaben durch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) wahr, das auch die Bundesakademie für Bevölkerungsschutz und Zivile Verteidigung betreibt. Außerdem unterhält der Bund eigene Einsatzkräfte durch das Technische Hilfswerk (THW).

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) ist die Zivilschutzbehörde des Bundes. Foto: Thomas Banneyer/dpa
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) ist die Zivilschutzbehörde des Bundes. Foto: Thomas Banneyer/dpa

Die Gefahrenabwehr im Alltag durch Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr sowie der Katastrophenschutz liegt in der Zuständigkeit der Länder. Organisiert wird der Katastrophenschutz durch die Landkreise und kreisfreien Städte. „Da parallele Strukturen wenig sinnvoll wären, wurde auf allen föderalen Ebenen eine enge Kooperation zwischen Bund, Ländern und Kommunen geschaffen“, erläutert Lennart Adam. Das bedeutet praktisch: Zivilschutzeinheiten des Bundes – etwa das THW – können im Alltag Katastrophenhilfe leisten, während kommunale Katastrophenschutzeinheiten im Spannungs- oder Verteidigungsfall automatisch Zivilschutzeinheiten werden. „Jede Katastrophenschutzeinsatzkraft ist damit zugleich Zivilschutzeinsatzkraft mit denselben Aufgaben zum Beispiel im Brandschutz, Sanitäts- oder Betreuungsdienst.“

So ist die Situation im Landkreis Aurich

Im Landkreis Aurich stehen zwei THW-Ortsverbände, nämlich Aurich und Norden, mit mehreren Fachgruppen unter Bundesregie bereit. Außerdem hat der Bund den Feuerwehren und dem Roten Kreuz Fahrzeuge und Gerätschaften als ergänzende Ausstattung für den Zivilschutz gestellt. Das sind laut Lennart Adam zwei Gerätewagen zur Dekontamination von Personen und ein CBRN-Erkunder sowie ein Fahrzeug zur Aufspürung und Aufklärung von Kampfstoffen bei der Feuerwehr Osterhusen, zwei Löschfahrzeuge bei den Feuerwehren Norden und Wiesmoor, zwei Gerätewagen Betreuungsdienst beim DRK Kreisverband Norden sowie ein Gerätewagen Sanität und ein Vier-Tragen-Krankentransportwagen beim DRK-Kreisverband Aurich. Im Rahmen der Kreisausbildung werden alle Einsatzkräfte in den Grundlagen des Zivilschutzes geschult; verbindliche Ausbildungsinhalte stellt der Bund bereit.

Der Landkreis Aurich baut derzeit wieder ein Sirenennetz zur Warnung der Bevölkerung auf. Symbolfoto: Julian Stratenschulte/dpa
Der Landkreis Aurich baut derzeit wieder ein Sirenennetz zur Warnung der Bevölkerung auf. Symbolfoto: Julian Stratenschulte/dpa

Rund 2 Millionen Euro investiert der Landkreis außerdem in ein Sirenennetz, das zurzeit errichtet wird. Zusätzlich werden nach Angaben der Kreisverwaltung die Hilfsorganisationen ab 2026 mit 100.000 Euro jährlich für ihre Aufgaben im Katastrophen- und Zivilschutz gefördert.

Dieser Artikel ist am 23. Oktober 2025 zum ersten Mal erschienen.

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