Verkehrsüberwachung Sind alle Blitzer in Emden scharf geschaltet?
In Emden sind an allen relevanten Ausfallstraßen Tempomesser aufgestellt. Aber sind auch immer alle im Einsatz?
Emden - Der neueste Blitzer in Emden läuft reibungslos. Er hat seit dem 11. September 2025 bereits eine stattliche Anzahl Verkehrssünder erfasst – 235 binnen vier Wochen. Erstmals werden mit dem Hightech-Gerät an der VW-Kreuzung nicht nur Raser, sondern auch Rotlichtsünder geblitzt. Aber tut es das auch rund um die Uhr? Angesichts der teuren Messtechnik kam jetzt die Frage auf, ob diese nicht womöglich mal hier und mal dort in den Blitzanlagen eingesetzt wird – und damit für Verkehrssünder an der VW-Kreuzung doch wieder freie Fahrt ist.
Theoretisch wäre das denkbar, bestätigt Hinrich Post, Leiter der Emder Straßenverkehrsbehörde. „Praktisch aber eher nicht.“ Denn noch ist das Gerät mit Rotlichterfassung vom Hersteller Vitronic einzigartig unter den Blitzern in Emden. Zwar ist auch in den Tempomessgeräten in Friesland die Technik des Wiesbadener Unternehmens verbaut. Doch diese ist inzwischen veraltet und nicht kompatibel, so Post. „Man könnte Leerhülsen aufstellen und abwechselnd scharf stellen“, sagte Post. „Aber allein die Hülsen kosten schon 25.000 bis 30.000 Euro.“
Neue Standorte unnötig
Zudem seien aktuell keine weiteren Unfallschwerpunkte im Emder Stadtgebiet ausgemacht worden. Der Bedarf zusätzlicher Messungen werde durch das teilstationäre „Engelke“ abgedeckt. Ein kleiner grauer Kasten, der mal an einer Laterne oder einem Ampelmast angebracht wird, diene außerdem zur Verkehrszählung und damit zur Unterstützung bei der Auswahl von Geschwindigkeitserfassungen mit dem mobilen Blitzgerät, über das die Stadt Emden auch verfügt. Heißt also: Es besteht kein Bedarf für teure Hülsen. Und: „Die Blitzer an der VW-Kreuzung sind permanent besetzt“, so Post.
Insgesamt hat die Stadt Emden in die moderne Anlage an der Kreuzung Niedersachsenstraße und Larrelter Straße rund 325.000 Euro investiert. Man kann die Messtechnik auch an anderen Standorten verwenden, wo Blitzer bereits als veraltet gelten. Oder wie es der Landkreis Aurich vor einer Weile gemacht hat: abwechselnd Ampelkreuzungen scharf schalten, einmal die eine, dann die andere, weil der Austausch der veralteten Technik stockte. Und nicht nur dort. Wegen fehlerhafter Messtechnik hatten zahlreiche Kommunen in Deutschland – darunter eben auch der Landkreis Aurich – Messgeräte der Firma Leivtec sogar im großen Stil austauschen müssen. Manche Ampel blieb dann eben zeitweise ohne Blitzer.
Blitzer in Emden auf Stand
Davon allerdings ist Emden nicht betroffen. Im Gegenteil: In Emden sind viele der insgesamt zehn stationären Blitzer bereits weitgehend auf Stand oder in der Modernisierungsplanung. Als Erstes waren bereits die Blitzer an der Auricher Straße im Jahr 2015 erneuert worden und funktionieren seitdem mit Laser-Technik, ohne dass Sensoren in den Asphalt eingebaut werden müssen. Im Jahr 2006 waren sie die ersten Anlagen in Emden, damals machten sie noch als Super-Blitzer Schlagzeilen. So super waren sie dann aber doch nicht. Der Schwerlastverkehr machte den Messschleifen den Garaus. Die Blitzer mussten modernisiert werden.
Die Anlagen an der Petkumer Straße im Stadtteil Friesland folgten 2009. Sie sind noch nicht erneuert, aber in Funktion. An der Petkumer Straße im Stadtteil Borssum wurde die Anlage bereits im Jahr 2022 modernisiert und funktioniert mit dem Laser-Scanner. An der Larrelter Straße ist in diesem Frühjahr nahe der VW-Kreuzung auf der Larrelter Straße ein 90.000-Euro-Blitzer installiert worden, der in beiden Fahrtrichtungen Geschwindigkeitsverstöße dokumentiert. Außerdem wurde ein durch einen Verkehrsunfall zerstörter Blitzer, ebenfalls an der Larrelter Straße, durch ein neues Gerät ersetzt.
Alles steht auf scharf
An der Kreuzung zur Ubierstraße stehen noch zwei ältere Modelle. Dort soll als Nächstes ein „Repowering“ der Tower erfolgen, so Post. Dort sei die Technik tatsächlich noch mit der in den neuen Blitzern an der Petkumer Straße in Borssum tauschbar. Doch in Sicherheit dürften sich sowieso nirgendwo Verkehrssünder in Emden wiegen. Alle Blitzer stünden auf scharf, so Post, als effektive Maßnahme zur Verkehrssicherheit.
Die moderne Blitztechnik rechnet sich darüber hinaus natürlich auch nur dann, wenn sie in Funktion ist. Einen Kassensturz gibt es für den neuen Superblitzer an der VW-Kreuzung noch nicht. Nach Grobschätzung der Stadt lagen die Einnahmen durch Verkehrsverstöße in Emden allein für das Jahr 2024 bei 550.000 bis 600.000 Euro. Dagegen stehen geplante Ausgaben für moderne Blitzanlagen bis zum Jahr 2029 von insgesamt 925.000 Euro.