Eltern fordern Auswahl Schluss mit Einheitsbrei an Pewsumer Grundschule
In der Grundschule Pewsum gibt es bislang nur ein Menü. Nun wächst der Wunsch nach mehr Vielfalt – und die Gemeinde reagiert. Was sich für die Kinder bald ändern könnte.
Pewsum - Für die Grundschüler in Pewsum ist die Auswahl beim Mittagessen bislang überschaubar: ein Menü, das für alle Geschmäcker reichen muss. Damit soll jetzt Schluss sein. Eltern, Kinder, der Schulleiter und die Lokalpolitik fordern gemeinsam mehr Vielfalt auf den Tellern.
Ein Antrag, gestellt vom SPD-Ortsverein Pewsum, fordert mindestens ein Standardmenü und ein vegetarisches oder alternatives Menü. „Schon heute wird dort jeweils ein Menü angeboten, das immer auch abgewandelt als fleischlose Variante erhältlich ist“, so die Krummhörner Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos). Aber grundsätzlich gibt es eben nur ein Menü. „Das hatten wir 2017 der Einfachheit halber gemeinsam so geplant“, so Thomas Ukena, Schulleiter der Grundschule Pewsum.
Von vegetarisch bis allergikerfreundlich: Mehr Auswahl gefordert
Damals, vor acht Jahren, seien besondere diätische Bedürfnisse unter den Schülern und Schülerinnen eher noch die Ausnahme gewesen, so Ukena. „Das hat sich über die Jahre entwickelt“, sagt er. In den vergangenen Jahren seien viel mehr Kinder dazugekommen, die sich zum Beispiel vegetarisch ernähren.
Aber auch Lebensmittelunverträglichkeiten oder religiöse Ernährungsgewohnheiten seien Gründe für eine größere Auswahl an Gerichten in der Mensa. Auf lange Sicht wolle man den Kindern mehr Auswahl beim täglichen Mittagessen bieten.
Mutter kritisiert: Allergien werden bei der Essensausgabe nicht beachtet
Die Mutter eines Kindes, das dort in die Schule geht, bemängelt außerdem, dass bei den Mahlzeiten nicht auf Intoleranzen geachtet werde und die Allergene nicht entsprechend ausgewiesen werden. „Es wird einmal am Anfang des Jahres abgefragt, ob Allergien bei den Kindern bestehen. Aber auch wenn man eventuelle Allergien durchgibt, dann wird das trotzdem nicht beachtet“, sagt sie im Gespräch mit der Redaktion.
Sie habe selbst ein Kind mit einer Allergie in der Schule und habe schon erlebt, dass dem Kind Essen bereitgestellt wurde, welches es eigentlich nicht essen dürfte. „Die Allergene wurden nicht gekennzeichnet und das Essen trotzdem ausgeteilt. Das finde ich schon grob fahrlässig“, sagt sie. Zum Glück wisse ihr Kind selbst, was es essen dürfe und was nicht. Etwas Schlimmeres sei darum nicht passiert.
Elternumfrage zeigt: Fast alle wünschen sich zusätzliche Essensoptionen
Aber nicht nur Allergien, auch die Wünsche der Schülerinnen und Schüler sprächen für eine größere Auswahl. „Wenn es dann so etwas wie Bauernfrühstück oder Erbsensuppe gibt, dann haben die Kinder da auch nicht immer Lust drauf und würden sich gerne eine Alternative wünschen“, so die Mutter. Als Alternative wurde lediglich eine Mikrowelle in die Mensa gestellt, sagt sie. Die Möglichkeit, ihren Kindern selbst ein Mittagessen vorzubereiten, hätten viele nicht. „Wir leben in einer Zeit, in der es normal ist, dass wir alle arbeiten, auch die Frauen“, sagt sie. „Ich habe nicht immer unbedingt die Zeit, nach der Arbeit abends noch eine extra Mahlzeit vorzubereiten.“ Darum sei es ja gerade so schön, dass es das Angebot mit dem Schulessen gebe. „Mehr Auswahl wäre da nur schön.“
Kurzentschlossen habe sie mit anderen Eltern selbst eine Umfrage unter den Eltern der Schulkinder durchgeführt, dafür Flyer ausgedruckt und verteilt. „Dabei hat sich gezeigt: 92 Prozent der Eltern möchten, dass es eine weitere Mahlzeit zur Auswahl gibt.“ Außerdem äßen in der Mensa der Grundschule vor den Grundschulkindern erst einmal die Kita-Kinder. Dies zeige, dass es möglich sei, zwei verschiedene Schulessen anzubieten.
Neues Mensa-Konzept für alle Schulen und Kitas in Planung
„Die Mensa in der Grundschule Pewsum war ursprünglich nicht für die heutige Auslastung vorgesehen. Insofern sind die Kapazitäten, besonders die Lager-Kapazitäten, für die jetzigen Verhältnisse ziemlich eng bemessen“, schreibt Bürgermeisterin Hilke Looden. „Dass wir dort, auch im Hinblick auf die künftige Veränderung der Grundschullandschaft und den sukzessive aufwachsenden gesetzlichen Anspruch auf Ganztagsbetreuung, ab 2026 Handlungsbedarf haben, ist uns bewusst und wird in den künftigen Planungen berücksichtigt“, so Looden weiter.
Aber bis 2026 wolle man in der Verwaltung nicht mit einer Entscheidung zum Grundschulessen warten: Darum habe man nach einer kurzfristigen Lösung gesucht, um „die derzeitige Situation – im Rahmen der räumlichen und personellen Möglichkeiten – zu verbessern“, so Looden. Man wolle nun, nachdem weitere Lagerkapazitäten geschaffen werden konnten, bereits nach dem Ende der Herbstferien nächste Woche mit zwei unterschiedlichen Menüs in der Grundschule Pewsum an den Start gehen. „Damit wird dann eine tatsächliche Auswahl geboten“, so die Bürgermeisterin. Ein Menü solle dabei immer fleischlos sein.
Außerdem soll in Kürze ein neuer Mensa-Plan ausgearbeitet werden. Dafür gibt es Hilfe von einem Berater der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Das neue Mensa-Konzept gilt dann nicht nur für die Grundschule in Pewsum, sondern soll sich auf alle Schulen und Kitas in der Krummhörn beziehen. Dabei soll auch die 2026 angestrebte Ganztagsbetreuung berücksichtigt werden.