U35 – die Kolumne  Bin ich ein „Problem im Stadtbild“?

Donia Rezkalla
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Eine Kolumne von Donia Rezkalla
| 20.10.2025 08:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Die Demonstration unter dem Motto „Brandmauer hoch! Wir sind das Stadtbild“ am Sonntag in Berlin bezieht sich auf die Äußerung von Bundeskanzler Merz im Zusammenhang mit der Migrationspolitik. Foto: Annette Riedl/dpa
Die Demonstration unter dem Motto „Brandmauer hoch! Wir sind das Stadtbild“ am Sonntag in Berlin bezieht sich auf die Äußerung von Bundeskanzler Merz im Zusammenhang mit der Migrationspolitik. Foto: Annette Riedl/dpa
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Eine Aussage von Bundeskanzler Friedrich Merz sorgt für Diskussionen. Unsere U35-Kolumnistin sieht sich mit Vorurteilen im Alltag konfrontiert. Was solche Aussagen auslösen können.

Neulich sprach Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) über ein angebliches „Problem im Stadtbild“ aufgrund von Migration. Was er wohl damit meinte? Menschen mit einer anderen Hautfarbe? Einer anderen Haarfarbe? Oder was stört ihn optisch? Und stört ihn wirklich eine Optik? Oder doch etwas ganz anderes? So oder so: Das ist Ausgrenzung und Stigmatisierung auf Basis vermeintlicher Herkunft. Das ist Rassismus.

Ich habe einen Migrationshintergrund. Ruiniere ich nun aufgrund meines Äußeren das Stadtbild? Bin ich deswegen weniger wert? Wir sind ja keine Dekoartikel, die man einfach aussortiert, weil sie nicht mehr ins Farbkonzept passen. Wobei ich mich tatsächlich noch nie wirklich akzeptiert gefühlt habe.

Durch die Stadt zu laufen und zu wissen, dass Merz nicht der Einzige ist, der so etwas denkt, ist beängstigend. Ich bin Blicke, Kommentare und Anfeindungen im Alltag gewohnt. Aber es ist viel gruseliger, eine solche Aussage von jemandem zu hören, der so viel Macht hat. Die Tatsache, dass unser Kanzler bis jetzt keinerlei Einsicht zeigt, macht es noch schlimmer. Das beweist nämlich, dass es kein Ausrutscher war. Merz wurde mehrfach darauf hingewiesen, dass seine Aussage nicht nur kritisch ist, sondern auch viele Menschen diskriminiert und verletzt. Und trotzdem hat er sich gegen eine öffentliche Entschuldigung entschieden.

Aber mal ehrlich: Wenn man 2025 immer noch Angst vor Vielfalt hat, dann ist das eigentliche „Problem im Stadtbild“ nicht die Herkunft von Menschen, sondern die Engstirnigkeit manch anderer. Ich habe es satt, mir rassistische Aussagen geben zu müssen.

Mich frustriert es, wenn ich an meine Eltern denke. Sie haben ihre Familie, ihre Träume und ihre Karriere aufgegeben, um ihren Kindern eine bessere und sichere Zukunft zu ermöglichen. Sie haben sich integriert, die Sprache gelernt, arbeiten und zahlen Steuern. Sie leisten ihren Beitrag zur Gesellschaft und werden trotzdem zweitklassig behandelt. Wir sind alle Menschen, keine „Probleme“.

Donia Rezkalla (17) ist Praktikantin in der Redaktion von ostfriesen.tv. In dieser Kolumne kommen jeden Dienstag Kolleginnen und Kollegen unter 35 Jahren zu Wort. Sie liefern einmal in der Woche eine junge Perspektive auf das Geschehen in der Welt und speziell in Ostfriesland.

Kontakt: regionales@zgo.de

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