Premiere steht vor der Tür  „Timmel unner Strom“ entfacht neue Gemeinschaft

Nicole Böning
|
Von Nicole Böning
| 20.10.2025 17:55 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Die Organisatoren Wilhelm Buschmann (von links) und Ludwig Soeken mit Regisseurin Elke Münch vor der fertigen Kulisse des Theaterstücks „Timmel unner Strom“. Foto: Nicole Böning
Die Organisatoren Wilhelm Buschmann (von links) und Ludwig Soeken mit Regisseurin Elke Münch vor der fertigen Kulisse des Theaterstücks „Timmel unner Strom“. Foto: Nicole Böning
Artikel teilen:

Nach einem Jahr Vorbereitung steht das Theaterprojekt „Timmel unner Strom“ kurz vor der Premiere. 273 Menschen haben mitgearbeitet – alle wissen, dass dieses Stück das Dorf nachhaltig verändern wird.

Timmel - Ludwig Soeken, Wilhelm Buschmann und Regisseurin Elke Münch wirken ein wenig verloren auf der riesigen leeren Bühne in der großen Reithalle des Reitsport-Touristik-Centrums (RTC) in Timmel. Die acht Kulissen-Häuser für das Theaterstück „Timmel unner Strom“ sind fertig, der Endspurt steht bevor. „Es kommen nur noch die Blumen“, sagt Soeken und erklärt, dass er sich eigentlich ein Bett in die Halle stellen könnte, so oft, wie er hier ist.

Die Kulissen sind bereits fertig. Alle acht Häuser werden nach den Vorstellungen gegen eine Spende abgegeben. Foto: Nicole Böning
Die Kulissen sind bereits fertig. Alle acht Häuser werden nach den Vorstellungen gegen eine Spende abgegeben. Foto: Nicole Böning
Gerade ist es in der Halle ausnahmsweise einmal ruhig – es ist die Ruhe vor dem Sturm, denn in dieser Woche ist Premiere. Nur das Quietschen des Pumpenschwengels durchbricht die Stille. Wilhelm Buschmann grinst, als das Wasser zu fließen beginnt. Der Brunnen auf dem gestalteten Dorfplatz ist eben nicht nur reine Dekoration. Ein ganzes Jahr Arbeit liegt hinter den 273 Beteiligten des Stückes – bis ins kleinste Detail ist alles bereit. Wenige Tage vor der Premiere steigt die Spannung.

Der Countdown läuft: Bühne frei für ein ganzes Dorf

Am Mittwoch, 22. Oktober 2025, steht die Generalprobe an. Dann kommt das ganze Stück noch einmal auf den Prüfstand. „Beim letzten Mal haben wir im Anschluss noch eine komplette Szene geändert“, erinnert sich Ludwig Soeken. Nur einen Tag später setzten die Darsteller sie, genau wie besprochen, bei der Premiere um. „Es war unglaublich“, sagt er. Für die meisten Helferinnen und Helfer ist die Generalprobe die einzige Gelegenheit, das Stück in aller Ruhe und in voller Länge zu genießen.

Theaterregisseurin Elke Münch aus Wilhelmshaven war bei allen Theaterprojekten in Timmel dabei. Foto: Nicole Böning
Theaterregisseurin Elke Münch aus Wilhelmshaven war bei allen Theaterprojekten in Timmel dabei. Foto: Nicole Böning
Schon am Donnerstag, 23. Oktober 2025, ist die Premiere. Mit ihr beginnt für Timmel ein Theaterereignis, das es so nur alle paar Jahre gibt. Die letzten Proben laufen, die Kostüme sitzen. Insgesamt 15 Mal wird die große Reithalle zur Bühne von „Timmel unner Strom“. Auf 65 Metern erstreckt sich die Bühne über die gesamte Hallenlänge. Das Publikum taucht so direkt ein in das Timmel der 1920er Jahre – in das lebendige Dorfleben des Ortes vor fast genau 100 Jahren.

Der wahre Gewinn: Zusammenhalt und Leidenschaft

So viel Aufwand für 15 Aufführungen? Ludwig Soeken muss nicht lange über die Antwort nachdenken. Für ihn und die anderen Organisatoren ist die Antwort längst klar: Die Mühe hat sich schon gelohnt, bevor überhaupt die erste Aufführung beginnt. „Das Ziel, das Dorf mit diesem Projekt enger zusammenzubringen, ist längst erreicht“, sagt Soeken: „Es ist fantastisch zu sehen, wie sich viele unterschiedliche Menschen für eine gemeinsame Sache begeistern und ihre Stärken einbringen.“

Etwas kleiner als das Original sind die Häuser in der großen Halle des RTC in Timmel nachgebaut worden. Foto: Nicole Böning
Etwas kleiner als das Original sind die Häuser in der großen Halle des RTC in Timmel nachgebaut worden. Foto: Nicole Böning

Was das Publikum zu sehen bekommt, ist nur das sichtbare Ergebnis von unzähligen Stunden gemeinsamer Arbeit, von Begegnungen, Freundschaften und einem Gemeinschaftsgefühl, das weit über das Theaterprojekt hinausreicht. Dieses Engagement bei Stücken wie „Timmel unner Strom“ ist zum Lebensinhalt der Regisseurin Elke Münch geworden. Nachdem sie mehr als 20 Jahre selbst auf der Bühne gestanden hatte, fand die Wilhelmshavenerin ihre Bestimmung: Seit mehr als 30 Jahren führt sie Regie – am liebsten bei Stücken mit Laiendarstellern wie in Timmel.

Gemeinsam wachsen: Theater als Dorfleistung

„In einer Stadt wäre das in dieser Form gar nicht möglich. So ein Projekt funktioniert nur, wenn die Leute sich einbringen wollen und jeder bereit ist, Verantwortung zu übernehmen“, ist sie überzeugt. „Es geht hier nicht um Eitelkeiten oder darum, einzelne Egos unter einen Hut zu bekommen, wie bei Profis“, sagt Münch und lacht. „Hier zählt das Stück, also die Geschichte, die wir gemeinsam erzählen wollen.“

Bei den Aufführungen wird der Minitrecker durch ein Pferd ersetzt. Foto: Nicole Böning
Bei den Aufführungen wird der Minitrecker durch ein Pferd ersetzt. Foto: Nicole Böning

Für Münch ist es etwas Besonderes zu erleben, wie die Darsteller über sich hinauswachsen und gemeinsam etwas Großes schaffen. 80 Proben haben sie hinter sich. Seit Samstag, 18. Oktober 2025, sind noch einmal tägliche Proben dazugekommen – bis zur Premiere. Ein Jahr lang haben die Darsteller mit Münch an dem Stück gearbeitet. „Ich lasse alle erst einmal ihre Rolle finden. Wenn sie auf der Bühne sicher sind und ihren Text können, fängt meine Arbeit an. Dann können wir gemeinsam an den Feinheiten feilen“, sagt Münch.

Vom ersten Lesen bis zur Premiere: Entstehung eines Stücks

Vor einem Jahr hat alles mit gemeinsamen Lesungen begonnen. Damals trafen sich die Darsteller, um mit Elke Münch das Stück Szene für Szene durchzugehen. „Am Anfang arbeiten wir die Szenen beim gemeinsamen Lesen durch – als Hörbuch sozusagen“, erklärt Münch. Dabei ordnet sie die Rollen ein und erklärt den historischen Kontext. Wenn sie selbst einmal keine genaue Vorstellung davon hat, wie eine Szene gespielt werden soll, lässt sie die Darsteller improvisieren. Viele Szenen sind auf diese Weise bei den Proben entstanden.

Die Fenster werden nach dem Stück gegen eine Gebühr verliehen. Foto: Nicole Böning
Die Fenster werden nach dem Stück gegen eine Gebühr verliehen. Foto: Nicole Böning

Jetzt hat sich Elke Münch für die letzten zwei Wochen vor dem Beginn der Vorstellung in Timmel in eine Ferienwohnung einquartiert. Hier konzentriert sie sich ohne Ablenkung, ohne Termine, ohne Pendeln zwischen Timmel und Wilhelmshaven ganz auf das Stück. „Das ist für mich Urlaub vom Alltag“, sagt sie. „Nicht einmal meine Katzen sind hier, um mich morgens aufzuwecken.“

Theater, das Spuren hinterlässt

An das Ende des Projekts mag Elke Münch gar nicht denken. „Ich weiß gar nicht, was ich dann machen soll. Das ist mein Leben“, sagt sie. Die intensive Zeit in Timmel, das gemeinsame Arbeiten, das Wachsen der Darsteller und das Miteinander im Team – all das ist für sie mehr als nur ein Job. Es ist ein Stück Heimat auf Zeit, ein Gemeinschaftserlebnis, das sie nicht missen möchte.

Gerade weil viel Herzblut und Leidenschaft in „Timmel unner Strom“ stecken, fällt der Gedanke an den letzten Vorhang schwer. Doch noch ist es nicht so weit: Die letzten Proben laufen, die Vorfreude wächst – und mit ihr die Gewissheit, dass dieses Projekt Spuren hinterlassen wird. Nicht nur auf der Bühne, sondern im ganzen Dorf.

Wichtige Infos zur Aufführung

Tickets

Der Vorverkauf für „Timmel unner Strom“ läuft sehr gut: Von den insgesamt 15.000 verfügbaren Karten sind bereits 12.000 verkauft. Wer noch dabei sein möchte, sollte sich beeilen – Restkarten gibt es, solange der Vorrat reicht, auch an der Abendkasse. Die Tickets kosten 25 Euro und sind erhältlich bei Nah und Gut Timmel, Immobilien Soeken, allen Nordwest Ticket-Vorverkaufsstellen sowie online.

Anfahrt und Parken

Für die Besucherinnen und Besucher von „Timmel unner Strom“ wird die direkte Zufahrt zum Reitsport-Touristik-Centrum (RTC) trotz Baustelle wieder möglich sein. Allerdings ausschließlich von Timmel aus. Die Straße aus Richtung Ulbargen bleibt gesperrt. Am RTC stehen ausreichend Parkplätze zur Verfügung, und die Gäste werden vor Ort zum Veranstaltungsort geleitet.

Kulissen abzugeben

Schon jetzt laufen die Planungen für die Zeit nach den Aufführungen: Wer Interesse an einem der acht Kulissenhäuser hat, kann sich melden. Die Häuser werden gegen eine kleine Spende abgegeben. Die Fenster können gegen eine Gebühr ausgeliehen werden. Auch die Moltonbahnen, die für die Bühne verwendet wurden, sind nach dem letzten Vorhang abzugeben.

Termine und Markt Die Premiere von „Timmel unner Strom“ ist am Donnerstag, 23. Oktober 2025, im RTC Timmel. Weitere Aufführungen folgen am Freitag, 24. Oktober, Samstag, 25. Oktober, Sonntag, 26. Oktober, Mittwoch, 29. Oktober, Freitag, 31. Oktober, Samstag, 1. November, Sonntag, 2. November, Mittwoch, 5. November, Freitag, 7. November, Samstag, 8. November, Sonntag, 9. November, Mittwoch, 12. November, Freitag, 14. November und Samstag, 15. November. Die Vorstellungen beginnen jeweils um 20 Uhr. Der historische Markt im Zelt vor der Halle ist an den Veranstaltungstagen ab 18 Uhr auch ohne Ticket zugänglich.

Ähnliche Artikel