Ärger wegen Umleitung Warum Canum keine Baustellenwache bekommt
In Canum missachten Autofahrer immer wieder Baustellenabsperrungen. Anwohner fordern Sicherheitspersonal zur Überwachung der Baustelle. Doch dafür gibt es rechtliche Hürden.
Canum - „Das ist schon richtige Wild-West-Manier“, sagt Frank Buchholz von der Landesstraßenbaubehörde in Aurich zum Verhalten einiger Autofahrer in Baustellenbereichen. Auslöser ist die Situation in Canum, wo einige Lkw- und Pkw-Fahrer teils mit Gewalt die Straßensperrungen durchfahren.
Mit solchen Fällen müsse sich die Behörde oft auseinandersetzen. „Das nehmen wir fast an jeder Baustelle wahr“, sagt Buchholz. „Sobald die Arbeiter weg sind, werden die Baken weggeschoben.“ Ein solches Verhalten einiger Fahrzeugführer sei mittlerweile Standard. „Leider“, so Buchholz.
Verstöße gegen Sperrungen an der Tagesordnung
In Canum hatten sich Anwohner beschwert, nachdem es dort zu Problemen mit einer nur für Anlieger freigegebenen Straße gekommen war: In Pewsum wird gerade der Kreisverkehr auf Höhe des Gewerbegebiets saniert. Eine Umleitung führt aus nördlicher Richtung über Jennelt nach Pewsum. Aber einige Autofahrer und Lkw-Fahrer kürzen die Strecke durch Canum ab. Dazu landeten die Schilder und Sperrblöcke auch schon mal im Graben, berichteten die Canumer. Auch zu Handgreiflichkeiten mit uneinsichtigen Fahrzeugführern sei es bereits gekommen. Die Polizei kontrollierte dort zudem stichprobenartig die Durchfahrt.
Mit Problemen auf den Baustellen der Region kennt sich Buchholz aus, nicht nur in Canum: „Wenn ein Navi dann sagt, ich muss hier durch, dann wird da auch durchgefahren“, hat der Behördenleiter festgestellt. „Das ist dann das Gewohnheitsrecht.“ Zudem würden aufgestellte Geschwindigkeitsbegrenzungen auch von einigen Autofahrern eher als nett gemeinte Hinweise verstanden.
Anwohnerwunsch trifft auf bürokratische Hürden
Um in Canum der Sache Herr zu werden, fordern die Anwohner das Aufstellen eines Streckenpostens während der Dauer der Bauarbeiten. Es solle am besten ein Container aufgestellt werden, von welchem aus Sicherheitspersonal die Situation an der Straßensperrung im Auge behalten könnte.
Aber das kann die Straßenbaubehörde in dieser Form nicht umsetzen, sagt Buchholz jetzt auf Nachfrage dieser Redaktion. „Wir dürfen keine Verkehrslenkung betreiben als Straßenbaubehörde“, sagt er. Da die betreffende Straße nicht vollständig für den Verkehr gesperrt ist, sondern weiterhin für Anlieger befahrbar ist, gilt dort keine komplette Durchfahrtssperre. „Darum haben wir keine rechtliche Möglichkeit, regelnd in den Verkehr einzugreifen“, so Buchholz. „Wir können nur Schilder aufstellen.“ Und diese würden leider von einigen Verkehrsteilnehmern ignoriert.
Schon einmal ein verletzter Streckenposten in der Krummhörn
In der Krummhörn gab es aber auch schon Situationen, in denen Sicherheitspersonal abgestellt wurde, um eine Baustelle zu überwachen. Zum Beispiel im September 2023 auf der Kreuzung von Eilsumer Straße und Uttumer Straße in Jennelt. Eine Durchfahrt nach Greetsiel war aufgrund der Arbeiten nicht mehr möglich. Ein Sicherheitsmann wurde damit beauftragt, die Einhaltung dieser Straßensperrung zu überwachen. Das passte einem Lüneburger Urlauber überhaupt nicht.
Als der Mitarbeiter ihm die Durchfahrt nach Greetsiel untersagte, fuhr der Mann ihn zweimal an. Der Mitarbeiter landete in der Folge auf der Motorhaube des Fahrzeugs und verletzte sich. Das Amtsgericht Emden verurteilte den Autofahrer zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten auf Bewährung. Zusätzlich wurde ihm die Fahrerlaubnis entzogen und eine Geldauflage in Höhe von insgesamt 8000 Euro erteilt.
Die Situation an Baustellen kann mitunter also sehr angespannt sein. Während Behörden und Anwohner weiterhin auf einen möglichst reibungslosen Ablauf hoffen, gibt es zumindest für die aktuelle Baustelle in Canum eine positive Aussicht: Wenn die Witterung mitspielt, könnten die Bauarbeiten am Kreisverkehr voraussichtlich noch Ende dieser Woche abgeschlossen werden, teilte die Straßenbaubehörde mit. Als nächster Bauabschnitt folgen die Sanierungsarbeiten auf der Jannes-Ohling-Straße zwischen dem Kreisverkehr und der Kreuzung Woltzetener Straße/Eiskehörn.