Achtung vor Vaterschwan  Schwan-Familie in Emden – entzückend und einschüchternd

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 17.10.2025 09:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Vaterschwan stellt sich schützend vor seine Familie, die am Larrelter Tief in Emden-Constantia am Ufer sitzt und sich sonnt. Das Foto ist Ende August entstanden. Foto: Bernd Hanssen
Der Vaterschwan stellt sich schützend vor seine Familie, die am Larrelter Tief in Emden-Constantia am Ufer sitzt und sich sonnt. Das Foto ist Ende August entstanden. Foto: Bernd Hanssen
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Ein seltener Anblick: In diesem Jahr haben sich Schwan-Eltern in Emden niedergelassen. Mit ihren Küken ziehen sie über die Wasserwege – und fauchen gerne Spaziergänger an.

Emden - Wer schon einmal vor einem fauchenden Schwan stand, kann die entfernte Verwandtschaft der Vögel mit den Dinosauriern wohl nicht leugnen. In Emden zieht in diesem Jahr eine Schwan-Familie Spaziergänger und Radfahrer in den Bann – und lehrt sie auch ein wenig das Fürchten. Die Tiere halten sich besonders gerne im Larrelter Tief in Constantia auf. Doch auch in Larrelt, Twixlum und in Harsweg wurde schon eine Schwanen-Familie gesichtet, heißt es in einer Emder Facebook-Gruppe. Vermutlich handelt es sich um dieselben Tiere, die die Stadt von den Wasserwegen aus erkunden.

Die Schwan-Eltern mit ihren Küken sind ein besonderer Anblick im Emder Stadtteil Constantia dieses Jahr. Die Familie lässt sich gerne auch mal an anderer Stelle in der Stadt blicken. Foto: Bernd Hanssen
Die Schwan-Eltern mit ihren Küken sind ein besonderer Anblick im Emder Stadtteil Constantia dieses Jahr. Die Familie lässt sich gerne auch mal an anderer Stelle in der Stadt blicken. Foto: Bernd Hanssen

Emden hat zwar sogar einen historischen Schwanenteich am Wall, doch dort gibt es seit Jahrzehnten keinen der namensgebenden Vögel mehr. Insgesamt sieht man Schwäne eher selten. Wir haben bei Jan Fuchs, Nabu-Regionalgeschäftsführer für Ostfriesland, nachgefragt, ob es ein besonders gutes Jahr für große Vögel ist. Denn: Auch Störche und Kraniche werden vermehrt beobachtet. Für dieses Jahr lägen zwar noch keine ausgewerteten Daten vor, so Fuchs, aber: „Grundsätzlich sind die Bestände an Höckerschwänen in den letzten Jahren in Niedersachsen gestiegen.“

Viele Kraniche rasten in einem Feld bei Aurich in diesem Sommer. Foto: Stefan Goldenstein/Nabu
Viele Kraniche rasten in einem Feld bei Aurich in diesem Sommer. Foto: Stefan Goldenstein/Nabu

Wie gut geht es den Schwänen in Ostfriesland?

2024 sei sogar das zweitbeste Höckerschwanjahr in Niedersachsen gewesen, erklärt Jan Fuchs. Das heißt, dass es sehr wahrscheinlich viele Höckerschwäne gibt, da der Bestand groß und der letzte Winter nicht sehr hart war. Strenge Winter sorgten regelmäßig für Bestandseinbrüche. Vermutlich helfe somit auch der Klimawandel dabei, die Bestände anwachsen zu lassen.

Sieben Störche stehen auf dem Dach des schiefen Turms von Suurhusen. Das Foto hat uns dieses Jahr im August ein Leser zugeschickt. Foto: Privat
Sieben Störche stehen auf dem Dach des schiefen Turms von Suurhusen. Das Foto hat uns dieses Jahr im August ein Leser zugeschickt. Foto: Privat

„Zudem sind aktuell durch die Zugzeit sowohl heimische Elterntiere, diesjährige Jungtiere und Zuzügler hier, weswegen man im Herbst die meisten Tiere sieht“, erklärt der Experte. „Auch Kraniche und Weißstörche verzeichnen in den letzten Jahren Bestandszuwächse und Ausbreitungstendenzen. Daher sind auch hier mehr Tiere zu beobachten“, so Fuchs. So hatte uns ein Leser ein Foto geschickt, auf dem sieben Störche auf dem Dach des schiefen Turms von Suurhusen stehen. Viele Kraniche sieht man auf Feldern in der Region rasten und fressen.

Was hilft bei aggressiven Schwänen?

Schwäne sind sehr territorial, erklärt Jan Fuchs. Das heißt, sie verteidigen ihr Revier nicht nur gegen Artgenossen, sondern auch gegen andere Eindringlinge wie Menschen und Hunde. „Dieses Verhalten ist besonders ausgeprägt während der Brut- und Jungenaufzuchtzeit (März bis August)“, schreibt er. Insbesondere männliche Schwäne reagieren empfindlich auf vermeintliche Angreifer. Bei Bedrohung, beispielsweise durch Hunde, können die Vögel aggressiv werden. „Wenn Schwäne regelmäßig gefüttert werden, können sie aggressiv werden, wenn sie kein Futter erhalten.“

Um aggressives Verhalten zu minimieren, sollte man zum einen während der Brutzeit Abstand zu Nestern oder Jungtieren halten, zum anderen Hunde anleinen, was in der freien Landschaft ohnehin während der Brut- und Setzzeit vorgeschrieben ist, und außerdem Schwäne niemals füttern, erklärt der Experte. „Wenn man einem aggressiven Schwan begegnet, sollte man ruhig bleiben, sich langsam zurückziehen und nicht wegrennen. Sollte das Tier trotzdem weiter aggressiv sein und einem zu nahe kommen, sollte man sich groß machen (aufrichten und Arme ausbreiten) und zurückfauchen (oder andere laute Geräusche machen)“, rät Jan Fuchs.

Bleiben uns die Emder Schwäne erhalten?

Bei den Elterntieren ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass sie im Winter bleiben, solange es kein zu harter Winter wird, schreibt Jan Fuchs. Gegen Ende des Winters, wenn es nur noch wenige Wasserpflanzen gibt, können die Schwäne auf nahe gelegene Äcker ausweichen, um Nahrung zu finden. „Da die Schwäne einige Junge großgezogen haben, scheint der Brutplatz gut zu sein. Vermutlich wird das Paar dort im nächsten Jahr wieder brüten“, erklärt er. Darüber würden sich sicher einige Emderinnen und Emder freuen: Die Tiere sind beliebte Fotomotive und werden gerne beobachtet.

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