Ärger in Fahrradstraße Zu viel Verkehr im Alten Postweg? Remelserin ist genervt
Seit drei Jahren wohnt Monika Neuwald im Alten Postweg in Remels. Eigentlich dachte sie, dass sie in eine ruhige Straße zieht. Doch das Gegenteil ist laut ihr der Fall.
Remels - Monika Neuwald lebt bereits seit 2006 in Remels. Erst habe sie in einem Haus in der Fliederstraße gelebt und ist im Jahr 2022 in eine Wohnung im Zentrum gezogen – in den Alten Postweg. „Ich habe mir das eigentlich anders vorgestellt“, sagt Neuwald im Gespräch mit der Redaktion. Sie wünscht sich mehr Ruhe vor ihrer Haustür, ruhig sei es auf der Straße nämlich nicht. Ständig fahren Autos vorbei. Die 77-Jährige hat genug.
Seit Anfang dieses Jahres ist ein Stück des Alten Postwegs – zwischen Bismarckstraße und Schützenstraße – eine Fahrradstraße. Zusatzschilder mit „Anlieger frei“ sind zudem mehrmals am Straßenrand angebracht. Eigentlich dürften also nur Radfahrer, Anwohner oder andere Personen mit einem konkreten Anliegen den Alten Postweg befahren. „Das interessiert aber keinen. Die Leute nehmen die Straße als Abkürzung“, sagt Monika Neuwald. Autos, Lastwagen, Wohnmobile, Motorräder mit lautem Auspuff – und ein Großteil davon habe ein auswärtiges Kennzeichen, so die Anwohnerin. Einmal habe ein Sattelzug, der mit Rohren beladen war, sie gegen 2.30 Uhr nachts aus dem Schlaf geholt.
Zu schnell und zu laut
Anfang September habe Monika Neuwald am Tag binnen zehn Minuten 40 Fahrzeuge durch ihre Straße fahren sehen. Bei einer weiteren Zählung Ende Januar zu den Stoßzeiten sei sie in einem Zeitraum von 90 Minuten auf 204 Fahrzeuge gekommen, teils würden die Autos deutlich schneller als die erlaubten 30 Stundenkilometern fahren. „Das ist doch nicht normal bei der Ausschilderung“, so die 77-Jährige. Die Stoßzeiten seien vor allem gegen 12 und 16.30 Uhr. Neuwald würde allerdings nichts die ganze Zeit vor dem Fenster stehen. „Ich bin viel mit dem Wohnmobil unterwegs, mache Reisen“, sagt sie. Umso mehr möchte sie Ruhe haben, wenn sie zu Hause ist. „Ich gucke schon mit Kopfhörern Fernsehen.“ Auch zum Schlafen müsse sie gelegentlich Kopfhörer tragen.
Monika Neuwald will, dass sich etwas ändert. Im Alten Postweg würden hauptsächlich alte Menschen leben. Bei mehreren Stellen habe sie sich deswegen beschwert – darunter die Polizei, die Gemeinde Uplengen und sogar bei dem Großkonzern Google. Dessen Kartendienst Maps schlägt den Alten Postweg noch immer als Route vor. Eine Antwort habe sie von dem Unternehmen nie bekommen, sagt sie. Außerdem beobachte Neuwald, wie Lieferfahrzeuge regelmäßig durch die Anliegerstraße fahren. Diese gehörten allerdings meist zu den Läden an der Ostertorstraße. Die Anwohnerin wünscht sich häufigere Kontrollen.
Das sagen die Läden
An der Ostertorstraße befindet sich der Edeka Behrends. Auf Anfrage bei der Supermarktkette heißt es: „Unsere Lieferfahrzeuge fahren den Edeka Behrends in Remels nicht über den Alten Postweg an, sondern über die Ostertorstraße. Die Fahrer sind dazu auch explizit informiert worden.“ Bis auf die Beschwerde einer Anwohnerin habe es keine weiteren gegeben.
Von der Firma Bünting gibt es in Bezug auf den Combi an der Ostertorstraße eine ähnliche Rückmeldung. Der Lieferverkehr fahre nicht durch den Alten Postweg.
Die Fahrzeuge der Bäckerei Hoppmann fahren „grundsätzlich nicht“ durch den Alten Postweg. „Das würde einen Umweg bedeuten und man kann ja auch nicht schnell dadurch fahren“, sagt Geschäftsführerin Jeannine Hoppmann.
Das sagt die Polizei
Der Alte Postweg werde von der Polizei regelmäßig kontrolliert. „Da der betroffene Bereich des Alten Postweges an der Grundschule Remels liegt, werden dort regelmäßig Schulwegsicherungen durchgeführt“, heißt es auf Anfrage bei den Beamten. Dabei konnten bisher jedoch keine Verstöße festgestellt werden.
Im gesamten Bereich befinden sich neben der Schule noch einige Gewerbebetriebe. Eine Kontrolle des Anliegerverkehrs sei deswegen laut Polizei nicht realistisch umsetzbar. Ähnlich sei es bei Rasern in der Straße: Die Polizei könne den Verkehr zwar überwachen, allerdings sei dies mit den zur Verfügung stehenden Einsatzmitteln „nur schwer umsetzbar“. Und weiter: „Das Problem, so es denn tatsächlich vorliegt, ließe sich gegebenenfalls durch bauliche Veränderungen auf der Fahrbahn lösen.“
Das sagt der Bürgermeister
Wie das Problem mit dem Durchgangsverkehr gelöst werden könnte, kann Bürgermeister Heinz Trauernicht nicht sagen. Die Gemeinde Uplengen tue, was sie kann, beteuert er. Allerdings befinden sich im Alten Postweg mehrere große Wohnhäuser, Geschäfte und die Grundschule. „Das allein führt schon zu einem hohen Verkehrsaufkommen“, sagt Trauernicht und fügt an: „Keiner wohnt alleine auf der Welt.“
Das sagt der Landkreis
Weder Polizei noch Gemeinde hätten Probleme oder Verstöße im Alten Postweg gemeldet. Deshalb schätze auch das Straßenverkehrsamt des Landkreises Leer das Verkehrsgeschehen als normal und unauffällig ein, heißt es auf Nachfrage. Kontrollen des fließenden Verkehrs sind nur durch die Polizei möglich. Allerdings: Im Februar sei wegen der Beschwerde von Monika Neuwald eine Verkehrszählung durchgeführt worden. „Die Auswertung dieser Zählung hat keinen Anlass für einen verkehrsbehördlichen Eingriff in den Straßenverkehr aufgezeigt“, so der Landkreis.
Außerdem weist der Landkreis darauf hin, dass in diesem Jahr die Arbeiten für die Ampelanlage an der Kreuzung Schützenstraße und Ostertorstraße beginnen. Im Jahr 2026 werde die Ampelanlage fertiggestellt und in Betrieb genommen. Dadurch werde eine deutliche Verbesserung der Verkehrssituation in den Straßen Schützenstraße, Ostertorstraße, Raiffeisenstraße und sogar Bismarckstraße erwartet. Das könne sich dann auch positiv auf den Durchgangsverkehr im Alten Postweg auswirken.
Und was jetzt?
Einen Rückzieher wolle Monika Neuwald nicht machen. „Ich wehre mich nun erst mal“, sagt sie. Auch umziehen wolle sie nicht. Die 77-Jährige habe ihr damaliges Eigenheim verkauft, weil sie es nicht mehr allein schaffte, alles in Ordnung zu halten. „Den Alten Postweg habe ich mir ausgesucht, weil es damals eine 30er-Zone war. Für mich heißt das: Es ist ruhig“, sagt sie. Eine Fahrradstraße sollte ihrer Vorstellung nach noch ruhiger sein.
„Oft ist ja das Problem, dass Autofahrer in eine Straße einbiegen und dann erst die Schilder sehen. Vielleicht könnte die Fahrradstraße eine Straße vorher ankündigt werden“, so Neuwald. Die Remelserin appelliert an jeden Verkehrsteilnehmer, die Straße zu meiden, sofern kein Anliegen besteht.