Port Arthur/Transvaal Otto Waalkes‘ Stadtteil feiert seinen 125. Geburtstag
Er ist noch relativ jung, wenn man die lange Geschichte der Stadt Emden bedenkt, doch der Stadtteil Port Arthur/Transvaal hat es in sich. Wir schauen auf 125 Jahre zurück.
Emden - Der Emder Stadtteil Port Arthur/Transvaal ist schon etwas Besonderes – und das nicht nur, weil dort der wohl berühmteste Sohn der Stadt, Otto Waalkes, geboren wurde. Er ist auch eng mit der Hafengeschichte der Stadt verknüpft. Denn, als der Hafen und die Industrie ab 1873 durch die Eindeichung des Kaiser-Wilhelm-Polders stark ausgebaut wurden, planten die Verantwortlichen auch gleich neue Siedlungsgebiete für die vielen notwendigen Arbeiter ein. Wo vorher die Ems floss, Wattflächen lagen und sich die Insel Nesserland befand, entstand um 1900 die „Arbeiter-Colonie im Kaiser-Wilhelm-Polder“.
An der Torumer und Wilgumer Straße entstanden 96 Häuser, die bis heute kaum verändert sind. Der Stadtteil wurde Port Arthur/Transvaal genannt. Der Name erinnert an die Seeschlacht bei Port Arthur sowie den Burenkrieg in der Provinz Transvaal (Südafrika) zu der Zeit. Während die Bewohner im Stadtteil genau unterschieden und teilweise noch heute unterscheiden, wo Transvaal aufhört und Port Arthur anfängt und es anfangs sogar regelrechte Fehden zwischen den Alt-Transvaalern und den „Neuen“ aus Port Arthur gab, ist für Menschen aus anderen Ortsteilen Transvaal als Bezeichnung geläufiger. Auch die Beschreibung Transvaaler für die Bewohner ist gängig.
Nach dem Weltkrieg entstanden hier die Baracken
Der Stadtteil war immer hochpolitisch. Kurz nach seiner Gründung fanden hier viele Streiks für die Rechte von Arbeitern statt. Die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) war hier dominant – ebenso wie in der benachbarten Hafenarbeiter-Kolonie Friesland und im Stadtteil Borssum. Bis 1937 konnten sich hier die kommunistischen Kräfte gegen das Nazi-Regime wehren, dann wurde der Widerstand gebrochen. KPD-Mitglieder wurde verhaftet, einige wurden getötet. Nach dem Krieg war Port Arthur/Transvaal eine SPD-Hochburg in der ohnehin sozialdemokratischen Stadt Emden. Bei der letzten Bundestagswahl erzielte allerdings die AfD ihr bestes Ergebnis in dem Ortsteil.
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Nach dem Zweiten Weltkrieg, als ein Großteil der Emder Innenstadt zerstört war, rückte Port Arthur/Transvaal in den Fokus, weil hier die Baracken für die vielen obdachlosen Menschen errichtet wurden. In einer der Barackensiedlungen am Hafen verbrachte der in Emden geborene Regisseur Wolfgang Petersen (1941 bis 2022) seine ersten Lebensjahre. Otto Waalkes wurde wenige Jahre nach Petersen geboren – 1948. Er wuchs an der Godfried-Bueren-Straße auf. Sein Elternhaus steht noch. In der Nähe stehen auch die vom Komiker gestifteten Ottifanten-Figuren.
Viele Häuser sind sehr gut erhalten
1950 wuchs der Stadtteil: An der Cirksenastraße, Fletumer Straße, Wilgumer Straße, Torumer Straße und an der Graf-Johann-Straße entstanden mehrere mehrgeschossige Wohnhäuser. Das 1949 in Emden gegründete Unternehmen Ültje baute hier seine Erdnussfabrik Ültje nach dem Weltkrieg 1953 neu wieder auf. Über Jahrzehnte war der Geruch von gerösteten Erdnüssen im Stadtteil dominant. Als das VW-Werk in Emden 1964 in Hafennähe eröffnet wurde, entstanden Werkswohnungen in vierstöckigen Häusern an der Schwabenstraße.
Gut 75 Prozent der Häuser stammen aus der Zeit vor 1977. Schon um 1980 gab es ein Sanierungsprogramm, bei dem der Eindruck des Gesamt-Ensembles aber nicht zerstört wurde. 1986 wurde der Platz „Unner de Boomen“ eingeweiht. Seit 2015 wird der Stadtteil erneut saniert – in Bezug auf die Straßen, soziale Programme und den (energetischen) Zustand der Häuser. Bis 2035 ist das Programm verlängert worden. Der soziale Zusammenhalt und die Identifikation mit dem Stadtteil sind groß – auch durch den Bürgerverein, der in der ehemaligen Pumpstation 1980 seine Heimat gefunden hat, durch alljährliche Stadtfeste, den Sportverein FC Frisia, die Spöldeel Transvaal und den Stadtteiltreff „Unner de Boomen“.