Millionenprojekt in Niederlanden  In Groningen wird eine KI-Fabrik gebaut

Martin Alberts
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Von Martin Alberts
| 12.10.2025 09:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Wo genau der Supercomputer in Groningen stehen soll, ist noch nicht klar. Dieser hier steht im nordrhein-westfälischen Jülich und nahm im September seinen Betrieb auf. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
Wo genau der Supercomputer in Groningen stehen soll, ist noch nicht klar. Dieser hier steht im nordrhein-westfälischen Jülich und nahm im September seinen Betrieb auf. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
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Rund 200 Millionen Euro soll eine KI-Fabrik mitsamt Supercomputer in Groningen kosten. Die Finanzierung steht nun – aber wie sehen die weiteren Pläne aus und was bringt das Projekt?

Groningen - Im niederländischen Groningen soll in den kommenden Jahren eine KI-Fabrik mitsamt Supercomputer entstehen. Aus europäischen Mitteln werden hierfür 71 Millionen Euro bereitgestellt, wie die Provinz Groningen am Freitag, 10. Oktober, über die Initiative „Nij Begun“ mitteilte. „Nij Begun“ war ins Leben gerufen worden, um Groningen und Nord-Drenthe nach dem Ende der Erdgasförderung in der Region eine neue wirtschaftliche Perspektive zu geben. Ein Bestandteil hierbei ist die Förderung von Künstlicher Intelligenz (KI). Von „Nij Begun“ selbst fließen laut Mitteilung 60 Millionen Euro in das KI-Projekt, weitere rund 70 Millionen gibt die niederländische Regierung hinzu.

Den Haag hatte im Juni einen Antrag bei EuroHPC – einem Gemeinschaftsunternehmen zur Förderung von Hochleistungscomputern, an dem neben den Niederlanden und Deutschland auch weitere EU-Staaten beteiligt sind – eingereicht. Dieser Antrag sei nun bewilligt worden, hieß es von „Nij Begun“.

Hat durch die Pläne für die KI-Fabrik einen Grund zur Freude: Roelien Kamminga, die Bürgermeisterin der Gemeinde Groningen, hier bei einer Sitzung des Parlaments in Den Haag. Foto: John Beckmann/Orange Pictures/Imago Images
Hat durch die Pläne für die KI-Fabrik einen Grund zur Freude: Roelien Kamminga, die Bürgermeisterin der Gemeinde Groningen, hier bei einer Sitzung des Parlaments in Den Haag. Foto: John Beckmann/Orange Pictures/Imago Images

Die geplante KI-Fabrik sei „eine fantastische Chance für den Norden“, sagte Roelien Kamminga, koordinierende Vorsitzende der Wirtschaftlichen Agenda bei „Nij Begun“ sowie Bürgermeisterin der Gemeinde Groningen, laut Mitteilung. „Wir bauen hier nicht nur an Technologie, sondern an Lösungen, die das tägliche Leben verbessern – von schnelleren Diagnosen im Gesundheitswesen bis hin zu intelligenterer Landwirtschaft und besserer öffentlicher Dienstleistung.“

Projekt soll die Niederlande unabhängiger machen

Geplant ist neben einem Supercomputer, der große Datenmengen verarbeiten kann, auch ein Kompetenzzentrum, in dem ein Team von KI-Spezialisten zusammenarbeiten wird. Das Zentrum soll im historischen Gebäude der ehemaligen Tabakfabrik Niemeyer in Groningen entstehen. Wo hingegen die eigentliche KI-Fabrik ihren Platz findet, ist noch nicht festgelegt. Die Verantwortlichen rechnen damit, dass das Kompetenzzentrum Mitte des kommenden Jahres seinen Betrieb aufnehmen kann. Anfang 2027 könne dann auch der Supercomputer mit voller Leistung laufen.

Die KI-Fabrik in Groningen soll Europa digital stärker und weniger abhängig von Ländern wie den USA und China machen. Staatssekretär Eddie van Marum sagte laut Mitteilung von „Nij Begun“: „Mit der KI-Fabrik setzen wir Groningen international auf die Landkarte. Das Zentrum zieht Talente und Unternehmen an und stärkt unsere Position im europäischen KI-Netzwerk. Es macht uns als Niederlande stärker und unabhängiger von anderen Ländern. So investieren wir in die Zukunft unserer Wirtschaft und in die Erholung der Region.“

Supercomputer soll auch Medizinern bei ihrer Arbeit helfen

Und auch in der Wissenschaft zeigt man sich erfreut über das millionenschwere Projekt: „Die KI-Fabrik wird der Wirtschaft von Groningen und dem Norden der Niederlande einen enormen Schub verleihen“, sagte Jouke de Vries, Präsident des Vorstands der Universität Groningen, laut einer Mitteilung vom Freitag.

Zuvor hatte auch bereits Wiro Niessen, Dekan des Universitätsklinikums in Groningen (UMCG), geäußert, dass durch die KI-Fabrik sowie die vom Supercomputer verarbeiteten Daten ein großer Fortschritt in der Präventivmedizin zu erwarten sei: „Mit KI können wir diese Daten nutzen, um zu verstehen, warum jemand eine Krankheit entwickelt und ob oder wie wir dies verhindern könnten. Und auf Basis der Analyse von Krankenhausdaten wird uns die KI-Fabrik dabei helfen, besser vorherzusagen, welche Behandlung für jeden einzelnen Patienten optimal ist.“

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