Nach Großbrand in Emden  Was muss man bei einer Hausratversicherung bedenken?

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 09.10.2025 18:34 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Bei dem Großbrand sind die Dachgeschosswohnungen durch Feuer zerstört worden. Die unteren Wohnungen haben Schäden durch das Löschwasser. Foto: Klaus Ortgies/Archiv
Bei dem Großbrand sind die Dachgeschosswohnungen durch Feuer zerstört worden. Die unteren Wohnungen haben Schäden durch das Löschwasser. Foto: Klaus Ortgies/Archiv
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Keine Hausratversicherung abgeschlossen oder eine nicht ausreichende: Viele Bewohner stehen nach einem Großbrand in Emden vor dem Nichts. Wie teuer ist so eine Versicherung? Was muss man bedenken?

Emden - Braucht man eigentlich eine Hausratversicherung? Da scheiden sich die Geister. Manch einer hat keine – und sein Leben lang Glück, dass nichts passiert. Ein anderer steht nach einem Brand plötzlich vor dem Nichts. So ergeht es etwa der Hälfte der Bewohner einer Häuserreihe in der Emder Klunderburgstraße. Im Dachstuhl der Gebäude war am 15. August 2025 ein Feuer ausgebrochen. Mehr als 25 der Bewohner hatten keine Hausratversicherung. Für sie wurden Spenden gesammelt.

Und diejenigen, die eine solche Versicherung hatten, haben ganz unterschiedliche Erfahrungen machen müssen. „Viele zahlen jahrelang ihre Beiträge und denken, dass sie gut abgesichert sind“, sagte Olaf Neumann, Geschäftsführer der Gewoba als Eigentümerin der Häuserreihe, gegenüber dieser Redaktion. Es lohne sich, genau in die Verträge zu gucken und die Versicherung aktuell zu halten, erklärt er.

Wer braucht eine Hausratsversicherung?

Als Mieter denken manche vielleicht, dass ihr Hab und Gut über eine Versicherung des Vermieters abgedeckt sei. Doch der Vermieter kümmert sich meist nur um alles, was unbeweglich ist. Heißt: Eingebaute und fest mit der Wohnung verbundene Gegenstände wie Waschbecken und Toilette, Einbauschränke und eine Küche sind oft durch den Vermieter versichert.

Wer jetzt denkt, dass er ohnehin nichts Wertvolles besitzt: Rechnet man alles Bewegliche zusammen wie beispielsweise Möbel, Kleidung, Geschirr, technische Geräte, Bücher, Dokumente und Pflanzen, die in einem Brandfall oder bei einem Wasserschaden ersetzt werden müssen, geht es leicht in die Tausende. Wer dann nicht die nötigen finanziellen Rücklagen hat, steht vor einem Problem.

Die Verbraucherzentrale rät daher: „Eine Hausratversicherung ist unverzichtbar, wenn hohe Werte in Ihrem Haushalt vorhanden und zu versichern sind und ein Verlust oder Totalschaden Sie finanziell hart treffen würde.“

Was muss man bei einer Hausratsversicherung bedenken?

Anbieter und Tarife sollte man sich ganz genau anschauen, um am Ende im Schadensfall nicht doch ohne Hilfe dazustehen. Generell wird „Schutz gegen Schäden durch Brand, direkten Blitzschlag, Einbruchdiebstahl, Vandalismus nach einem Einbruch, Raub, Leitungswasser sowie Sturm und Hagel“ angeboten, schreibt die Verbraucherzentrale. Allerdings: Jede dieser Gefahren werde in den Versicherungsbedingungen noch besonders definiert. Hier sollte man sich das Kleingedruckte genau anschauen.

Bei einem Großbrand in der Emder Altstadt haben rund 50 Menschen ihr Zuhause verloren. Gut die Hälfte der Personen hatte ihren Hausrat nicht versichert und steht vor dem Nichts. Foto: Klaus Ortgies/Archiv
Bei einem Großbrand in der Emder Altstadt haben rund 50 Menschen ihr Zuhause verloren. Gut die Hälfte der Personen hatte ihren Hausrat nicht versichert und steht vor dem Nichts. Foto: Klaus Ortgies/Archiv

Auch muss man bedenken, dass Schäden durch Naturgewalten, also insbesondere Hochwasser, Überschwemmungen oder Rückstau, in der normalen Hausratversicherung nicht mitversichert sind, so die Verbraucherzentrale. Selbst ein Wasserschaden durch ein Aquarium oder ein Wasserbett könnte gegebenenfalls nicht durch die Hausratversicherung abgedeckt sein. Die Vereinbarung einer sogenannten Wasserschadenversicherung kann sinnvoll sein. Um gegen Schäden durch Naturgewalten versichert zu sein, kann man zusätzlich eine Elementarschadenversicherung abschließen. „Da in Deutschland Anzahl und Stärke der Unwetter zunehmen, sollten sich Hausbesitzer auch darüber informieren“, rät die Verbraucherzentrale.

Wichtig ist auch: Die Hausratversicherung sollte immer aktuell gehalten werden. Das heißt: Neu gekaufte Möbel, Elektrogeräte und anderes sollten ergänzt werden. Eine regelmäßig aktualisierte Inventarliste kann helfen. Auch kann man sich bei einer guten Versicherung regelmäßig beraten lassen.

Was kostet eine Hausratversicherung?

Das ist sehr unterschiedlich. Beitragsunterschiede von weit über 250 Prozent gibt es in dieser Versicherungssparte, erklärt die Verbraucherzentrale. Entscheidend ist auch der Wert des individuellen Hausrats. So könnte man unterversichert sein, wenn man den Wert seines Hausrats als zu gering einschätze. Dann bekomme man im Schadensfall zu wenig erstattet. Auch kann man viel zu viel zahlen. Schätzungsweise betrage die Mindestversicherungssumme meist 650 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche, so die Verbraucherzentrale. Bei einer 60 Quadratmeter großen Wohnung könnte im Schadensfall eine Summe von 39.000 Euro ausgezahlt werden.

Bei der Beitragshöhe spielt auch der Standort der Wohnung oder des Hauses eine Rolle. In der Großstadt ist es meist teurer. Auch in bestimmten Stadtteilen kann es teurer sein, wenn es hier öfter zu Schadensfällen kommt. In Vergleichsportalen wie Verivox oder Check24 kann man meist schon die Quadratmetergröße, Postleitzahl und Versicherungssumme angeben und sich ausrechnen lassen, was man jährlich zahlen muss. Ein Beispiel: Für eine 60 Quadratmeter große Wohnung in Emden mit einer Versicherungssumme von 39.000 Euro wäre das ein Jahresbetrag von 14,20 Euro im günstigsten Angebot und 176,79 Euro im teuersten.

Man sollte sich also die Bedingungen genau anschauen beziehungsweise sich gut bei der Versicherung seiner Wahl beraten lassen. Punkte wie „grobe Fahrlässigkeit“ können abgedeckt, das Fahrrad mitversichert oder ein Rund-um-die-Uhr-Handwerkerservice inklusive sein – oder eben nicht.

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