Hamburg  Internetnutzer haben Angst vor neuer Social-Media-App: Was Sie über Sora wissen müssen

Sophie Handl
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Von Sophie Handl
| 11.10.2025 08:28 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
In Kanada und den USA steht die neue „Sora“-App bereits zur Verfügung. Videos verbreiten sich weltweit im Internet. Foto: IMAGO/ZUMA Press Wire
In Kanada und den USA steht die neue „Sora“-App bereits zur Verfügung. Videos verbreiten sich weltweit im Internet. Foto: IMAGO/ZUMA Press Wire
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Das Internet hat Angst vor der App „Sora“. Viele Nutzer prophezeien, dass man keinem Video im Internet mehr trauen kann. Das müssen Sie über die neue App wissen.

OpenAI, die Firma, die auch ChatGPT auf den Markt gebracht hat, startet mit einer zweiten App in den USA und in Kanada: Sora. Damit lassen sich hyperrealistische KI-Videos erstellen. Es ist bereits die zweite Version – Sora 2 – , die in die App integriert ist. Mit der neuen Anwendung können die Videos bis zu zehn Sekunden lang sein und enthalten auch Ton.

Die App ist aufgebaut wie andere soziale Medien. Zuerst muss man sich ein Profil erstellen. Mit seinem eigenen Profil kann man Beiträge von anderen liken und kommentieren und anderen Nutzern folgen.

Doch wie Anleitungen im Internet zeigen, gibt es auch Unterschiede: Man erstellt in der App einen eigenen KI-Klon von sich und seiner Stimme. Von allen Seiten halten User ihren Kopf in die Kamera, lesen Nummern auf dem Bildschirm vor. Dann ist die App auch schon bereit und man kann sich selbst und Freunde in KI-Videos einbauen.

Die Videos, die mit Sora 2 und in der App erstellt werden können, sind täuschend echt. Auch außerhalb der App verbreiten sich die Videos auf Tiktok, Instagram und Facebook.

Die täuschend echten Videos zeigen auch Prominente wie Queen Elizabeth oder Michael Jackson. Dass sie nicht echt sind, erkennt man nur an dem Wasserzeichen, das über das Video gelegt wird, und daran, dass diese Promis schon tot sind. Internetnutzer zeigen sich wegen der realistischen Darstellungen erschrocken: „Das ist der Tod aller Kreativität“ oder „Ich weiß nicht, ob es echt ist oder nicht. Wir sind verloren.“

Das Erstellen von Videos mit Personen, die keine Zustimmung geben, ist auf der App nicht erlaubt – auch nicht von Prominenten, wenn sie ihre Einwilligung nicht geben. User sollen über ihr eigenes KI-Selbst möglichst viel Kontrolle behalten. So können sie selbst einstellen, wer sie in Videos einfügen darf.

Laut eigenen Angaben von OpenAI scannt die App Videos automatisch. Das System sei so programmiert, dass die generierten Stimmen direkt automatisch überprüft werden. So soll auch verhindert werden, dass Musik von lebenden Künstlern imitiert wird. Sowohl der Prompt – also der Text, der zur Generierung in die App getippt wird – als auch das Ergebnis werden von der KI auf sexuelle, terroristische, sowie gewaltverherrlichende Inhalte untersucht.

Doch schon jetzt finden sich auf unterschiedlichen Plattformen unzählige Videos, die laut Wasserzeichen mit Sora 2 generiert wurden, von echten Menschen, die der Erstellung nicht zugestimmt haben. Gleichzeitig beschweren sich Nutzer, dass zu viele Videos von der Plattform nicht zugelassen werden, weil sie Gewalt oder sexuelle Inhalte enthalten.

Die App kann in den USA und in Kanada jeder, der ein iPhone besitzt, herunterladen. In anderen Ländern ist weder die App, noch die Web-Anwendung verfügbar.

Aber auch in Nordamerika ist das System nicht für jeden verfügbar. Nach der Anmeldung, die mit dem normalen ChatGPT-Konto funktioniert, erscheint eine Maske. Sie fordert dazu auf, den sechsstelligen Einladungs-Code einzugeben.

Registrierte Nutzer bekommen zehn Codes, die sie an Freunde weitergeben können, aber um sich zu registrieren, braucht es zuerst einen Code.

Diese Codes bekommt man nicht einfach. Auf den Social-Media-Plattformen X, Reddit und Telegram werden sekündlich Bitten nach einem Code gepostet – sie sind heißbegehrt. Manche Profile verkaufen sie mittlerweile für bis zu 30 US-Dollar, auch auf der Verkaufsplattform Ebay sind sie erhältlich. Bezahlt werden sollen sie in Kryptowährung, die von den Behörden nicht nachverfolgbar ist. Viele Nutzer berichten davon, dass sie nach dem Bezahlen nie einen Einladungscode erhalten haben.

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