Greven  Luftwaffen-Übung am FMO: So läuft das Training für den Verteidigungsfall

André Havergo
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Von André Havergo
| 09.10.2025 10:35 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Einer der vier Eurofighter auf dem Vorfeld des FMO. Von hier aus trainiert die Luftwaffe bei „Richthofen Shield 2025“ Starts, Landungen und Abläufe auf zivilem Terrain. Foto: André Havergo
Einer der vier Eurofighter auf dem Vorfeld des FMO. Von hier aus trainiert die Luftwaffe bei „Richthofen Shield 2025“ Starts, Landungen und Abläufe auf zivilem Terrain. Foto: André Havergo
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Die Luftwaffe übt in dieser Woche am Flughafen Münster-Osnabrück den Verteidigungsfall. Eurofighter trainieren Starts, Landungen und Abläufe auf zivilem Terrain – auch Sicherheitsfragen wie Drohnenabwehr spielen eine Rolle.

Die Bundeswehr probt in dieser Woche den Ernstfall unter anderem am Flughafen Münster-Osnabrück. Das Taktische Luftwaffengeschwader 71 „Richthofen“ aus Wittmund trainiert mit Eurofightern Starts, Landungen und Einsatzabläufe auf einem zivilen Flughafen. Die Übung trägt den Namen „Richthofen Shield 2025“ und soll die Zusammenarbeit zwischen militärischen und zivilen Kräften im Krisenfall stärken.

Bis Freitag sind täglich zwei Trainingsflüge geplant. Ein Einsatz dauert rund 60 bis 90 Minuten. Vier Eurofighter wurden vom Stützpunkt Wittmund eigens nach Greven verlegt. Die Luftlinie zwischen beiden Standorten beträgt rund 140 Kilometer, die ein Eurofighter in etwa zehn Minuten zurücklegen könnte.

Oberstleutnant Sebastian Fiedler, Kommodore des Geschwaders, betont: „Es geht darum, Start, Missionsdurchführung, Landung sowie die Vorbereitung und Nachbereitung des Fluges von einem zivilen Platz aus durchzuführen.“ Ziel ist, die Einsatzfähigkeit auch von alternativen Standorten zu gewährleisten.

„Wir sind heute mit vier Flugzeugen angekommen, haben die Mission nachbereitet und fliegen am Donnerstag erneut lokale Einsätze. Am Freitag geht es zurück nach Wittmund,“ erläuterte Fiedler bei einem Pressegespräch am Grevener Airport.

Die Eurofighter nutzen den FMO dabei wie ein reguläres Einsatzdrehkreuz. Geübt wird nicht nur das Fliegen, sondern auch der logistische Ablauf am Boden wie Betankung, Wartung und Koordination mit der zivilen Flugsicherung. Die Bundeswehr will damit sicherstellen, dass sie im Verteidigungsfall auch von alternativen Standorten aus operieren kann.

„Wir verlegen einen Teil unserer Operationen bewusst an einen zivilen Platz, an dem wir sonst nicht fliegen würden“, erklärt Fiedler. „Das Koordinationsverfahren mit der zivilen Flugverkehrskontrolle unterscheidet sich leicht von dem auf einem Militärflugplatz. Das ist Teil der Übung, aber keine große Herausforderung, weil alles standardisiert abläuft.“

Der zivile Flugbetrieb am FMO läuft währenddessen weiter. Laut FMO-Geschäftsführer Rainer Schwarz gibt es dafür klare Abstimmungen mit der Deutschen Flugsicherung und den militärischen Leitstellen.

„Wir achten besonders darauf, dass die Start- und Landebahn frei von Fremdkörpern ist, da Eurofighter empfindlicher reagieren als Verkehrsflugzeuge“, erklärte Schwarz.

Auch die Einsatzzeiten der Flughafenfeuerwehr werden während der Übung angepasst. „Ein Eurofighter ist faktisch ein fliegender Kerosintank, deshalb gelten hier andere Sicherheitsvorgaben. Darauf bereiten wir uns vor, aber im Wesentlichen passt sich die militärische Seite an unsere zivilen Abläufe an“, sagte Schwarz.

Lärmbeeinträchtigungen sollen sich in Grenzen halten. Nach Angaben des Flughafens sei die Lautstärke der Landungen vergleichbar mit der ziviler Flugzeuge. Der lärmintensive Teil der Übung, etwa Luftkämpfe und Überschallflüge, findet nicht über dem Münsterland, sondern in ausgewiesenen Übungslufträumen über Norddeutschland statt.

Ein Schwerpunkt liegt auf Sicherheitsfragen, insbesondere beim Umgang mit Drohnen. Fiedler erklärte, dass die Bundeswehr in solchen Fällen mit den zuständigen Behörden zusammenarbeitet. „Bei Drohnen gibt es zwei Aspekte, die uns stören können: militärische Sicherheit und Flugsicherheit, weil sie ein Kollisionshindernis darstellen könnten“, sagte Fiedler. Sollten Drohnen im Umfeld auftauchen, werde gemeinsam mit der Bundespolizei entschieden, ob Flüge eingeschränkt oder verlegt werden müssen.

Schwarz ergänzt: „Eine Drohne kann im Ernstfall größere Schäden anrichten als ein Vogelschlag.“ Der Flughafen selbst überwache den Luftraum nicht aktiv. „Wenn eine Drohne in die Nähe des Flughafens gelangt, ist das grundsätzlich gefährlich, ähnlich wie ein Vogelschlag. Eine Drohne kann im Ernstfall aber deutlich größere Schäden anrichten“, so Schwarz.

Wer mit einer Drohne unerlaubt in der Nähe eines Flughafens fliegt, muss mit Konsequenzen rechnen. Laut Luftverkehrsgesetz drohen Bußgelder bis zu 50.000 Euro, in schweren Fällen auch strafrechtliche Ermittlungen, etwa wegen gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr.

Die Übung „Richthofen Shield 2025“ ist Teil einer Serie routinemäßiger Ausbildungsmaßnahmen innerhalb der NATO. Sie endet am Freitag mit dem Rückflug der Eurofighter nach Wittmund. Ziel ist es, Abläufe zwischen Militär und Zivilseite im Krisenfall eng zu verzahnen.

„Mit dieser Übung wird einmal mehr deutlich, dass der FMO in der heutigen Zeit auch ein unverzichtbares Element zur Sicherung des Friedens in Europa ist“, stellte Martin Sommer, Landrat des Kreises Steinfurt und FMO-Aufsichtsratsvorsitzender, heraus. „Bereits während der Corona-Pandemie hat der FMO gezeigt, wie wichtig der Standort als kritische Infrastruktur ist.“

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