Verkehr So oft hat Emdens neuer Ampelblitzer schon ausgelöst
Der neue Blitzer an der VW-Kreuzung ist erst seit wenigen Wochen in Betrieb. Fest steht schon jetzt: Die neue Anlage hat ordentlich zu tun. Wie viele Bußgeld-Bescheide hat die Stadt schon verschickt?
Emden - Seit dem 11. September ist Emdens erster Ampelblitzer an der VW-Kreuzung in Betrieb, jetzt liegen die ersten Zahlen vor. Die Anlage hat in den ersten knapp vier Wochen 235 Mal ausgelöst. Das entspricht im Schnitt rund neun Fällen pro Tag. Eine genaue Aufschlüsselung, wie viele davon auf zu hohe Geschwindigkeit und wie viele auf Rotlichtverstöße zurückgehen, kann die Stadt Emden auf Nachfrage dazu noch nicht geben: „Das System erlaubt eine solche Differenzierung derzeit nur durch manuelle Prüfung jedes einzelnen Falls – dafür fehlt uns momentan die Kapazität“, teilt Stadtsprecher Eduard Dinkela mit.
Deutliche Auffälligkeiten bei bestimmten Tageszeiten oder Wochentagen gebe es bislang nicht. Nur so viel: „Unter der Woche und tagsüber treten mehr Verstöße auf als am Wochenende oder in der Nacht“, heißt es weiter aus dem Fachdienst Straßenverkehr. Ein belastbares Fazit will die Stadt allerdings erst nach rund einem halben Jahr ziehen – die Anlage sei noch zu frisch im Einsatz.
Kreuzung bleibt Unfallschwerpunkt
Die VW-Kreuzung gilt seit Jahren als einer der gefährlichsten Punkte im Emder Stadtverkehr. Besonders zum Schichtwechsel bei Volkswagen fahren täglich Tausende Autos über die Kreuzung. Hinzu kommen Lastwagen aus dem Hafen, Kunden des Dollart-Centers und Pendler. Schon frühere Messungen mit dem mobilen Blitzer „Engelke“ hatten gezeigt, dass dort viele Fahrer zu schnell unterwegs sind. Allein im Januar 2025 wurden innerhalb einer Woche 606 Raser erwischt – ein Spitzenwert lag bei 129 Kilometern pro Stunde in einer 50er-Zone.
„Die Kreuzung bleibt ein Unfallschwerpunkt – aus diesem Grund wurden die Anlagen installiert“, so die Stadt. Hinweise, dass sich das Fahrverhalten bereits spürbar verändert habe, gebe es noch nicht. Auch zur „gefühlten Sicherheit“ an der Kreuzung könne man nach nur wenigen Wochen keine fundierte Aussage treffen. Die bisherige Rückmeldung aus der Bevölkerung sei aber „überwiegend positiv“.
Technik soll für mehr Sicherheit sorgen
Die beiden neu installierten Anlagen stammen vom Hersteller Vitronic aus Wiesbaden und gehören zu den modernsten Systemen auf dem Markt. Sie kombinieren Rotlicht- und Geschwindigkeitsüberwachung mithilfe von Lasertechnik, ohne dass Sensoren im Asphalt eingebaut werden müssen. So werden sowohl Raser als auch Rotlichtsünder erfasst – auch Motorradfahrer, die bei älteren Modellen häufig unentdeckt blieben.
Dass die Technik zuverlässig arbeitet, konnte die Stadt bislang bestätigen. Zwar habe es einige telefonische Rückfragen von Bürgern gegeben, etwa zu vermeintlich fehlerhaften Messungen. Nach Erklärung des Systems habe sich in den meisten Fällen schnell Klarheit ergeben: „Die Anlage ist mit der Ampel gekoppelt und es ist technisch ausgeschlossen, dass bei Grün- oder Gelblicht ausgelöst wird“, so die Verwaltung. Einsprüche gebe es bislang kaum, weil bisher nur wenige Bußgeldbescheide verschickt wurden.
Wirkung soll sich mit der Zeit zeigen
Rund 325.000 Euro hat die Stadt in die neuen Blitzer investiert. Es gehe aber nicht ums Geld, betont der Leiter des Fachdienstes Straßenverkehr, Hinrich Post, sondern um mehr Sicherheit. Dass stationäre Anlagen Wirkung zeigen können, habe sich bereits an der Auricher Straße gezeigt: Seit 2006 steht dort ein Blitzer – seither hat sich das Unfallgeschehen deutlich entspannt.
Genau diesen Effekt erhofft sich die Stadt nun auch an der VW-Kreuzung. Erfahrungsgemäß sinke die Zahl der Verstöße mit der Zeit. Nach etwa sechs Monaten will die Stadt ein erstes größeres Zwischenfazit ziehen – dann dürfte sich zeigen, ob sich die Investition gelohnt hat.