Gefahr am Gleis  Beinahe-Unfall mit Kinderwagen an Emder Bahnübergang

Stephanie Tomé
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Von Stephanie Tomé
| 08.10.2025 12:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Am Bahnübergang Cirksenastraße soll es immer wieder zu brenzligen Situationen kommen. Foto: Klaus Ortgies
Am Bahnübergang Cirksenastraße soll es immer wieder zu brenzligen Situationen kommen. Foto: Klaus Ortgies
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Eine Mutter mit Kindern soll am Bahnübergang Cirksenastraße in eine gefährliche Situation geraten sein. Rollatorfahrerin Tanja Eiklenborg berichtet Ähnliches. Wie kann so etwas passieren?

Emden - Hat sich am Bahnübergang Cirksenastraße in Emden ein Beinahe-Unglück ereignet? In den sozialen Medien wird eine Szene geschildert, die Aufsehen erregt: Eine Frau mit einem Kinderwagen und zwei kleinen Kindern soll zwischen die bereits geschlossenen Bahnschranken geraten sein, während sich ein Zug näherte. Ein Mann soll geistesgegenwärtig reagiert und Mutter und Kinder in letzter Sekunde in Sicherheit gebracht haben – nur Augenblicke, bevor der Zug vorbeiraste.

Der Retter selbst meldete sich unter dem Beitrag zu Wort und berichtete, die Frau sei mit ihren Kindern sehr beschäftigt gewesen und habe gar nicht mitbekommen, dass sie plötzlich zwischen den Schranken stand. Letztlich sei aber nichts passiert, allen Beteiligten gehe es gut.

Diskussion über Sicherheit an Bahnübergängen

Der Beitrag löste eine große Diskussion über die Sicherheit an Bahnübergängen in Emden aus. Viele Nutzerinnen und Nutzer lobten das Verhalten des Retters. Andere reagierten hingegen mit großem Unverständnis darüber, wie es überhaupt zu einem solchen Vorfall kommen kann. „Es gibt eine Ampelanlage und Schranken. Und die schließen nicht erst 30 Sekunden, bevor ein Zug kommt. Ist mir unbegreiflich, wie man trotzdem in so eine Situation geraten kann“, schreibt ein Mann in den Kommentaren. Viele stimmen ihm zu.

Tanja Eiklenborg aus Emden war selbst schon zwei Mal in einer ähnlichen Situation wie die besagte Frau mit Kindern an diesem Bahnübergang. „Das ist echt Horror“, sagt sie im Gespräch mit dieser Zeitung. Sie selbst ist gehbehindert und auf einen Rollator angewiesen. Sie berichtet, dass sie mitten auf den Schienen stand, als das „Gebimmel“ losging. Unmittelbar danach sollen sich die Schranken bereits gesenkt haben. Panisch suchte sie schnellstmöglich einen Weg aus der Gefahrenzone. Wie es dazu kommen konnte, ist auch ihr unbegreiflich. Schließlich müsste die Anlage ja so eingestellt sein, dass auch Menschen, die langsamer als der Durchschnitt zu Fuß sind, noch genügend Zeit haben, die Schienen zu überqueren, wenn sich ein Zug ankündigt. „Ich glaube, inzwischen gehen die Schranken etwas später runter. Den Abschnitt per Video zu überwachen wäre empfehlenswert“, sagt sie.

Tanja Eiklenborg geht stets mit einem mulmigen Gefühl über den Bahnübergang Cirksenastraße. Zwei Mal schon stand sie mitten auf den Gleisen, als sich die Schranken bereits senkten. Foto: Klaus Ortgies
Tanja Eiklenborg geht stets mit einem mulmigen Gefühl über den Bahnübergang Cirksenastraße. Zwei Mal schon stand sie mitten auf den Gleisen, als sich die Schranken bereits senkten. Foto: Klaus Ortgies

Das sagt die Deutsche Bahn zu dem Fall

Die Redaktion hat bei der Deutschen Bahn nachgefragt, wie es zu solchen Situationen kommen kann und wie genau der Bahnübergang Cirksenastraße gesichert ist. Eine Frage war unter anderem auch, ob es in der Vergangenheit am Bahnübergang Cirksenastraße Auffälligkeiten oder Beschwerden gab. Eine Antwort auf die letzte Frage gab die Bahn nicht. Eine Sprecherin teilte jedoch mit, dass der Übergang erst 2024 vollständig erneuert wurde, um die Sicherheit zu erhöhen: Neue Lichtzeichen in Gelb und Rot sowie eine neue Akustikanlage seien seinerzeit installiert worden. Der Übergang sei außerdem mit sogenannten Vollschranken ausgestattet.

Erst im Jahr 2024 ist der Bahnübergang Cirksenastraße erneuert worden, teilt die Bahn auf Nachfrage mit. Foto: Klaus Ortgies
Erst im Jahr 2024 ist der Bahnübergang Cirksenastraße erneuert worden, teilt die Bahn auf Nachfrage mit. Foto: Klaus Ortgies

Diese sichern Bahnübergänge vollständig ab – sie schließen die Fahrbahn auf beiden Seiten, sobald sich ein Zug nähert. Zuerst beginnt ein Blinklicht zu warnen, dann senken sich die Schranken nacheinander: erst auf der Zufahrts-, kurz darauf auf der Ausfahrtsseite. So soll ermöglicht werden, dass Fahrzeuge oder Fußgänger, die sich noch auf den Gleisen befinden, ein kurzes Zeitfenster haben, um den Bereich zu verlassen. Sobald der Zug durchgefahren ist, öffnen sich die Schranken automatisch wieder.

97 Prozent aller Unfälle aus Unachtsamkeit

Vollschranken kommen vor allem dort zum Einsatz, wo schnelle Züge unterwegs sind oder besonders viel Verkehr herrscht – sie sollen maximale Sicherheit bieten, bedeuten aber oft etwas längere Wartezeiten für Autofahrer. Ebenso gibt es am Bahnübergang Cirksenastraße eine Kamera. „Über diese kann der Fahrdienstleiter den Übergang einsehen und in einer Gefahrensituation den Zugverkehr stoppen“, heißt es in der Antwort der Bahn.

Denkbar wäre auch, dass Passanten mit den Rädern ihrer Rollatoren oder Kinderwagen in den Schienen stecken bleiben. Foto: Klaus Ortgies
Denkbar wäre auch, dass Passanten mit den Rädern ihrer Rollatoren oder Kinderwagen in den Schienen stecken bleiben. Foto: Klaus Ortgies

Darüber hinaus verweist die Bahn auf umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen an Bahnübergängen in ganz Deutschland. Grundsätzlich, so die Sprecherin, geschehe der Großteil der gefährlichen Situationen nicht durch technische Fehler, sondern durch Unaufmerksamkeit. Nach Angaben der Bahn passieren rund 97 Prozent aller Unfälle an Bahnübergängen, weil Menschen Verkehrszeichen oder Signale missachten. „Seien Sie zu Ihrer eigenen Sicherheit aufmerksam und beachten Sie die Verkehrsregeln. Ein Zug kann nicht ausweichen – und hat einen deutlich längeren Bremsweg als ein Straßenfahrzeug“, heißt es von der Bahn. Das Andreaskreuz zeige an, dass der Schienenverkehr Vorrang habe – auch an Fuß-, Feld-, Wald- oder Radwegen.

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